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Zeitkapsel offenbart ein ungeahntes Geheimnis

Grasdorf Zeitkapsel offenbart ein ungeahntes Geheimnis

Rund 50 Zuschauer haben am Mittwochmorgen gespannt beobachtet, wie Arbeiter das Kreuz an der St.-Marien-Kirche demontierten. In der daran befestigten Zeitkapsel befand sich ein 1949 verfasster Bericht vom Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche.

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Pastor Burkhard Straeck (links) begutachtet die Zeitkapsel, die in der Kugel unter dem Kreuz steckte.

Quelle: Stephanie Zerm

Grasdorf. Und so verlief die Prozedur:

10 Uhr: Rund 50 Grasdorfer blicken gespannt nach oben. Sie wollen sehen, ob es den Arbeitern diesmal gelingt, das Kreuz vom Kirchturm zu demontieren. Ein erster Versuch war vor rund vier Wochen gescheitert. Das Kreuz war festgerostet, das Baugerüst zu niedrig, um es mit schwerem Gerät vom Dach zu lösen. Daher wurde das Baugerüst in der Zwischenzeit erhöht. Nun hantieren sechs Arbeiter mit Schraubenschlüssel, Meißel und Brechstange an dem knapp zwei Meter hohen Kreuz. Sie gehören zur Laatzener Firma Knack-stedt, die bereits nach dem Krieg beim Wiederaufbau der Kirche half.

10.20 Uhr: Die Arbeiter auf dem Baugerüst sehen sich ratlos an. Die Zuschauer tuscheln: „Geht das Kreuz etwa wieder nicht ab?“ Dann ertönt von hoch oben ein Schrei: „Bring mal die kleinen Nüsse!“ Ein Arbeiter, der unten geblieben ist, eilt zum Werkstattwagen und sucht die benötigten Aufsätze für den Steckschlüssel raus.

10.30 Uhr: Das Kreuz wackelt. Abmachen lässt es sich aber immer noch nicht. „Es ist mit einer Stange im Dach verankert“, erklärt ein Handwerker. „Die sägen wir jetzt ab.“ 10.40 Uhr: Vom Kirchturm hört man das schrille Kreischen eines Winkelschleifers. Kurz darauf fällt das Kreuz in die Arme der Handwerker. Die Zuschauer applaudieren.

10.45 Uhr: Mit einem Flaschenzug wird das etwa 30 Kilogramm schwere vergoldete Kreuz nach unten gebracht und auf einen Tisch vor die Kirche gelegt. Sofort bildet sich ein Pulk. Alle wollen das Kreuz, das seit 1950 auf dem Turm thronte, aus der Nähe betrachten oder es einmal berühren.

11 Uhr: „Da ist was drin“, frohlockt Pastor Burkhard Straeck und begutachtet die Kugel unter dem Kreuz. Aufbekommen lässt sie sich jedoch nur schwer. Wieder kommt der Winkelschleifer zum Einsatz, die untere Schraube löst sich von der Kugel.

11.07 Uhr: Zum Vorschein kommt eine kleine Zeitkapsel. Nachdem sie aufgesägt ist, kommen Dokumente zum Vorschein. Sie enthalten den 1949 vom Kirchenvorstand erstellten Baubericht vom Wiederaufbau der 1943 von Brand- und Phosphorbomben zerstörten Kirche – und den Hinweis auf ein Geheimnis: Eine Kopie dieses Berichts ist auch im Altar eingemauert worden. „Das habe ich bislang nicht gewusst“, sagte Straeck, der bereits viele Predigten am Altar abgehalten hat.

Das Kreuz und die Kugel werden nun von Schlossermeister Andreas Fehse aus Hannover restauriert. „Das dauert etwa vier Wochen“, sagt der Experte. Voraussichtlich Ende Mai soll das Kreuz dann im Rahmen einer Feierstunde wieder seinen Platz auf dem Kirchturm einnehmen. Dazu soll die Zeitkapsel neu bestückt werden. „Wir werden Münzen, Fotos und Texte hineintun“, kündigt Straeck an.

Im Juni soll laut Jürgen Steindorf vom Amt für Bau und Kunstpflege der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers die Sanierung des Turmes komplett abgeschlossen sein.

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Von Stephanie Zerm

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