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Ein Plan für das Ehrenmal

Alt-Laatzen Ein Plan für das Ehrenmal

Die Debatte um das Alt-Laatzener Ehrenmal am Rathauspark steuert auf einen breiten Konsens zu. Der dafür eingerichtete Arbeitskreis hat sich am Montagabend auf einen Text zum Opfergedenken geeinigt. Auch bei der Umgestaltung zeichnet sich eine Lösung ab.

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Das Ehrenmal am Alt-Laatzener Rathauspark soll um ein Friedensmal auf der Rückseite ergänzt werden.

Quelle: Dorndorf

Alt-Laatzen. Es war die letzte Sitzung, die Axel Saipa vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge leitete: Nach neun Monaten verabschiedete sich Saipa von seiner Rolle als Moderator des Prozesses, bei dem vier Arbeitsgruppen Vorschläge für die künftige Gedenkkultur in Alt-Laatzen erarbeitet haben. Die Diskussion ist zwar noch nicht beendet, die Grundlagen aber gelegt - und dies vorbildlich, wie Saipa betonte: "Ich bin regelrecht begeistert, mit welcher Resonanz Ältere, Jüngere, Schüler und sonstige Bürger dieses Thema erörtert haben. Dabei ist etwas richtig Gutes herausgekommen." Er werde beim Volksbund darüber berichten - vielleicht sei der Laatzener Prozess ein Modell auch für andere Städte.

Zuvor hatten zwei der vier Arbeitsgruppen Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Breite Zustimmung fand der Textvorschlag für zwei Gedenktafeln, die am Ehrenmal aufgestellt werden sollen. Erarbeitet hatten ihn Schüler des Seminarfachs "Erinnern statt Vergessen" an der Albert-Einstein-Schule. Die erste der beiden Tafeln soll an die Opfer vergangener Kriege erinnern: Dabei haben die Schüler bewusst auf den Begriff "Opfer" verzichtet. "Im Mittelpunkt des Gedenkens soll die Menschen und Persönlichkeiten stehen", sagte Zanjer Shaida, der in der Schülergruppe mitgearbeitet hat. Auch auf die Nennung konkreter Opfergruppen sei verzichtet worden. Die zweite Tafel ist den Opfern gegenwärtiger Bürgerkriege und Terroranschläge sowie der Menschen gewidmet, die in Einsätzen ums Leben kommen.

Auf breite Zustimmung stieß auch der Vorschlag der Arbeitsgruppe zur Umgestaltung des Ehrenmal-Umfelds. Kerngedanke ist die Anlage von zwei breiten Wegen, die als Sichtachsen von der Alten Rathausstraße rechts und links am Ehrenmal vorbei zu einem künstlerisch gestalteten Friedensmal im Park weisen sollen. Das Friedensmal soll bei diesem "Sichtachsen-Modell" als Kontrapunkt zum während der NS-Zeit entstandene, denkmalgeschützten Ehrenmal dienen und zu Gerechtigkeit, Frieden und Mitmenschlichkeit aufrufen, erläuterte AG-Sprecher Klaus Schlüter.

Sven Achtermann von städtischen Team Grünflächen sieht im Entwurf prinzipiell keine Probleme. Allerdings dürfe die historische Wegführung im Park aus Denkmalschutzgründen nicht geändert werden. Das Wegnehmen von Buschwerk im Bereich des Ehrenmals, so wie es der AG vorschwebt, sei hingegen kein Problem, auch die Bäume in dem Bereich seien nicht geschützt.

Marianne Wille betonte den Wunsch der AG nach einem hochwertigen Kunstwerk und schlug deshalb eine Ausschreibung vor, an der sich Künstler beteiligten. Achtermann brachte - auch aus Kostengründen - die Idee ins Spiel, Studenten zu beteiligen. Die Gleidinger Künstlerin Corinna Luedtke schlug vor, Laatzener Künstler zum Gespräch einzuladen, während Axel Saipa anbot, Kontakte zu ihm bekannten Künstlern herzustellen.

So geht es weiter:

In einigen Wochen wollen die AGs erneut zusammenkommen, um - ein letztes Mal gemeinsam mit Sapia - ein Grundsatzpapier zur Erinnerungskultur zu erörtern. Bürgermeister Jürgen Köhne skizzierte die danach folgenden Schritte: Im September wird sich zunächst der Ortsrat Laatzen mit den Vorschlägen beschäftigten, von dem er einen Auftrag für das weitere Vorgehen benötige. Parallel müsse der Ablauf des nächsten Volkstrauertags erörtert werden, mit dem sich eine weitere AG beschäftigt. Das Team Grünflächen könne dann Möglichkeiten zur Gestaltung im Park ausloten - und auch über die Frage des Kunstwerks muss noch politisch entschieden werden. "Mein Wunsch wäre, die Diskussion weiterzuführen."

Der Textvorschlag für die Tafeln:

Tafel 1:

Wir gedenken in Trauer der vielen Menschen, die als Soldaten in den Weltkriegen getötet wurde, die in der Gefangenschaft, bei Luftangriffen und auf der Flucht ihr Leben verloren, die wegen ihrer religiösen oder politischen Überzeugung ermordet wurden.

Wir gedenken in Scham der unschuldigen Menschen, die in den Konzentrationslagern vergast wurden, die in den Arbeits- und Kriegsgefangenenlagern verhungerten oder zu Tode geschunden wurden, die als unwertes Leben vernichtet wurden.

Der mutige Widerstand der Wenigen sie uns Verpflichtung

Tafel 2:

Wir gedenken in Trauer der Menschen unserer Tage, die in Bürgerkriegen und durch Terroranschläge ihr Leben verloren, die aus politischen und religiösen Gründen verfolgt und ermordet wurden.

Wir gedenken mit Respekt der Menschen, die in Einsätzen der Bundeswehr und Polizei ihr Leben ließen, die im Entwicklungsdienst und bei der Feuerwehr ums Leben kamen.

Ihr Tod mahnt uns zu Frieden und Versöhnung in der Welt.

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