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Ausbildung in Teilzeit: Projekt SpATZ soll helfen

Laatzen Ausbildung in Teilzeit: Projekt SpATZ soll helfen

Seit drei Jahren läuft in Laatzen das Projekt SpATZ (Sprungbrett Ausbildung in Teilzeit), das alleinerziehende Eltern bei der Suche nach einer Ausbildung unterstützt. Die Suche nach Firmen, die eine Ausbildung in Teilzeit anbieten, gestaltet sich aber weiterhin schwierig.

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Während die Kinder spielen, bereiten sich ihre Mütter (hinten) auf ihre Ausbildung in Teilzeit vor.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen. Mit dem Projekt wollen die Jobcenter der Region alleinerziehenden Eltern eine Ausbildung in Teilzeit ermöglichen, damit genügend Zeit für die Erziehung ihrer Kinder bleibt. Zudem sollen mit der Betreuung durch die Projektträger die verschiedenen Hürden überwunden werden, mit denen die Frauen - in Laatzen sind die Teilnehmer derzeit alle weiblich - oft konfrontiert sind.

Die Stiftung Bildung und Handwerk (SBH Nord) hat die Trägerschaft für Laatzen am 1. März vom Verein ZukunftPlus übernommen. Die SBH Nord, die das Projekt Spatz seit zwei Jahren bereits in Langenhagen betreut, habe sich im alljährlichen Vergabeverfahren beworben und aufgrund des stimmigen Konzeptes den Zuschlag erhalten, erklärt Thomas Güllner, Teamleiter des Jobcenters Laatzen, den Trägerwechsel. „Wir waren über die Maßnahme bereits bestens informiert und konnten sofort loslegen“, sagt Yevgeniya Knott von der SBH Nord. Dementsprechend habe das laufende Projekt ohne Unterbrechungen fortgeführt werden können.

Lange Arbeitstage sind ein Problem

Mit der Ausbildung in Teilzeit will die Stiftung den Frauen dabei helfen, Kindererziehung und Ausbildung unter einen Hut zu bekommen - schließlich hätten viele Alleinerziehende insbesondere ein zeitliches Problem, sagt Knott. Die Projektteilnehmerin Grazyna Jasinski, die eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten absolvieren will, nennt ein konkretes Beispiel. „Viele Praxen haben an einigen Tagen bis 18 oder 19 Uhr geöffnet.“ Arbeitszeiten bis in den Abend seien wegen der Kindererziehung aber kaum möglich.

Bei den Unternehmen seien die Ausbildungsabläufe zudem nahezu ausschließlich auf Vollzeit ausgerichtet. „Die Ausbildungsordnung in den Betrieben sieht Teilzeit in der Regel nicht vor“, macht Stefanie Klammt vom Laatzener Jobcenter die Problemlage deutlich. Eine Vollzeitausbildung sei für alleinerziehende Mütter oder Väter aber oft nicht möglich.

Projektträger vermittelt zu den Betrieben

Die Projektträger vermitteln deshalb in Zusammenarbeit mit den Jobcentern zwischen den SpATZ-Teilnehmern und den ausbildenden Betrieben. „Ich habe zum Beispiel mein Praktikum über das Projekt vermittelt bekommen“, berichtet Jennifer Bartsch, die sich zur Kauffrau im Einzelhandel ausbilden lassen möchte. Zuvor seien die Bewerbungen stets im Sande verlaufen.

„Wir bieten außerdem Gespräche zwischen den Firmen und der Handwerkskammer an, um über die Bestimmungen und Möglichkeiten der Teilzeitausbildung aufzuklären“, ergänzt Klammt. Schließlich habe das Projekt auch für die Betriebe durchaus Vorteile, denn die Teilnehmer werden im Rahmen des Projektes vor und neben der betrieblichen Ausbildung zusätzlich geschult. Und: „Die Betreuung der Kinder ist durch das Projekt in der Regel abgesichert.“

Teilzeit ist kein Halbtagsjob

Ein Problem sei, dass die Firmen häufig falsche Vorstellungen von den Rahmenbedingungen hätten: „Viele Unternehmen glauben, dass sich Teilzeit auf 15 oder 20 Stunden beschränkt“, sagt Güllner. Die Arbeitszeit könne aber durchaus 25 bis 30 Wochenstunden oder sogar mehr umfassen. „Die Handwerksammer bietet deshalb Gespräche an und klärt über die Bestimmungen auf“, so Klammt. Zudem könnten Firmen unter bestimmten Bedingungen Ausbil- dungszuschüsse beantragen.

Von Daniel Junker

Ein Projekt in fünf Phasen

Die Jobcenter bieten das Projekt SpATZ in der Region Hannover an, durchgeführt wird es vor Ort von unterschiedlichen Trägern. Das Programm richtet sich an junge Erwachsene unter 30 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Die Inhalte teilen sich in fünf Phasen auf: Die erste beinhaltet eine Beratung und ein Training vor der Aufnahme der Teilzeitausbildung, in der die individuellen beruflichen Interessen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Fokus stehen. Im zweiten Abschnitt werden die Teilnehmer konkret auf die Ausbildung vorbereitet. Unter anderem ist die Sicherstellung der Kinderbetreuung ein Thema.

In Phase drei werden die Teilnehmer an Betriebe vermittelt – zunächst häufig über Praktika, die den Berufseinstieg erleichtern sollen. Die SpATZ-Mitarbeiter helfen den Frauen und Männern darüber hinaus bei der Organisation ihrer Tagesabläufe und bereiten sie auf die Berufsschule vor. In der Phase vier befinden sich die Teilnehmer bereits in der Ausbildung. Parallel werden sie von Sozialpädagogen bei individuell auftretenden Problemen unterstützt und bekommen gegebenenfalls Förderunterricht, um Defizite in der Ausbildung auszugleichen. Die Projektmitarbeiterinnen stehen auch den Betrieben als Ansprechpartner zur Verfügung. Die fünfte Phase greift nach dem Abschluss der Ausbildung: Die Projektmitarbeiter helfen den Frauen und Männern beim Übergang in den Beruf und unterstützen sie bei der Aufnahme ihrer Arbeit. dj

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