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Angeleinter Hund wird auf Fußweg überfahren

Laatzen-Mitte Angeleinter Hund wird auf Fußweg überfahren

Familie Jaki trauert. Eine Autofahrerin hat ihre Hündin Dyna überfahren - obwohl das Tier angeleint war und direkt neben Sohn Marcus auf dem Fußweg ging. Während die Hundehalter versuchen, über den Verlust ihres Familienmitglieds hinwegzukommen, drohen der Autofahrerin keinerlei Konsequenzen.

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Marcus (links) und Volkmar Jaki ist nur noch ihre Hündin Kora geblieben.

Quelle: Stephanie Zerm

Laatzen-Mitte. Den Abend des 30. Januar werden Marcus und Volkmar Jaki wahrscheinlich nie mehr vergessen. Gegen 20 Uhr gingen Vater und Sohn mit ihren beiden Cavalier King Charles Spaniels Dyna und Kora auf dem Fußweg der Langen Weihe gegenüber der Deutschen Rentenversicherung spazieren. Beide Hündinnen waren an der Leine. Damit man sie besser sieht, hatten die Tiere blinkende Leuchthalsbänder um. Außerdem trugen sie Hundemäntel mit reflektierenden Streifen. Hündin Dyna ging nur ein kleines Stück hinter Marcus Jaki. "Ich habe sie Beifußgehen lassen, weil hier eine Garagenausfahrt ist", berichtet der 29-Jährige. Da Dyna taub gewesen sei, habe sie sich ohnehin nie weit entfernt.

In Höhe der Einmündung Lortzingweg passierte es dann: Eine Autofahrerin schoss mit ihrem Auto plötzlich über den Fußweg und überfuhr die etwa fünf Kilo schwere Hündin, erinnern sich Markus und Volksmar Jaki. Gekommen war die Fahrerin aus Richtung Erich-Panitz-Straße und wollte offenbar auf das Parkdeck fahren.

Laut Vater Volkmar Jaki habe sie noch nicht einmal angehalten, nachdem das Vorderrad des Wagens die zehnjährige Hündin überrollt hatte. "Ich habe gegen die Autotür gehämmert", erzählt Marcus Jaki. "Aber sie hat überhaupt nicht reagiert und ist dann noch einmal mit dem Hinterrad über Dyna gerollt". Das Blut seiner geliebten Hündin spritzte Marcus Jaki bis an die Hüfte, wie Fotos belegen. "Erst als wir die Tür aufgerissen haben, hat die Autofahrerin reagiert", sagt der Laatzener.

Doch da war es für die zehnjährige Hündin schon zu spät. "Ich habe sie gleich auf den Arm genommen", sagt Volkmar Jaki. "Da hat ihr Herz noch kurz geschlagen. Aber sie blutete stark aus Nase und Maul." Obwohl die Familie gleich in eine Tierklinik fuhr, konnten die Tiermediziner nur noch den Tod des Hundes feststellen.

Laut Volkmar Jaki habe die Autofahrerin erklärt, die Hündin nicht gesehen zu haben. Dies ist für ihn jedoch nicht nachvollziehbar. "Die Straße ist beleuchtet und Dyna ging direkt neben uns." Dennoch ist Volkmar Jaki froh, dass sein Sohn unverletzt geblieben ist. "Ihn hätte die Frau genauso gut anfahren können."

Doch Marcus Jaki bekommt die Bilder des Unfalls nicht aus seinem Kopf. "Für mich ist das ein Eingriff in mein persönliches Sicherheitsgefühl", sagt der 29-Jährige. "Bislang dachte ich immer, auf dem Fußweg könne nichts passieren." Auch Marcus Jakis Mutter Jutta und seine Schwester Laura leiden stark unter dem Verlust. Ebenso wie Hündin Kora, die auch nach mehreren Wochen noch um ihre Gefährtin trauere. "In der Nacht nach dem Unfall saß sie vor der Blut bespritzten Jacke meines Sohnes und hat laut geweint", berichtet Volkmar Jaki. Seitdem fresse sie kaum noch, freue sich nicht mehr und ist nur noch lustlos.

Während Familie Jaki versucht, mit dem Verlust fertig zu werden, muss die Autofahrerin keinerlei Konsequenzen fürchten.

Polizei nimmt den Fall nicht auf

Zwar hat Marcus Jaki direkt nach dem Unfall die Polizei gerufen. Diese sei jedoch nicht zur Unfallstelle gekommen. "Sie haben gesagt, dass ein Tier als Sache gelte und es reichen würde, die Personalien mit der Fahrerin auszutauschen." Die Aussage hat der Familie nicht gereicht: Volkmar Jaki fuhr gemeinsam mit der Autofahrerin zum Polizeikommissariat Laatzen, während sein Sohn und seine Frau in der Tierklinik waren. Statt den Fall aufzunehmen, schickten die Beamten sie nach Hause.

"Wenn die Unfallbeteiligten sich einig sind, ihre Personalien ausgetauscht haben und der Sachverhalt klar ist, ist es nicht zwingend erforderlich, dass eine polizeiliche Aufnahme stattfindet", sagt Kommissariatsleiter Ludger Westermann. Zwar hätte die Möglichkeit bestanden, gegen die Autofahrerin ein Verwarngeld in Höhe von 35 Euro zu erheben. Da sie jedoch einsichtig und sehr beeindruckt von dem Geschehen gewesen sei, habe die Polizei darauf verzichtet. Auch hätte es keinen Bedenken hinsichtlich ihrer Fahrtauglichkeit gegeben. Zwar hätten die Beamten den Unfall in einem sogenannten vereinfachten Verfahren aufnehmen können - aber dies hätte keine weiteren Folgen gehabt. Auch wären dabei die Daten nicht im System gespeichert worden: "Dies ist aus Datenschutzgründen nicht möglich", sagt Westermann.

Familie Jaki fühlt sich vom Rechtssystem allein gelassen. "Wir hätten uns etwas mehr Unterstützung gewünscht", sagt Volkmar Jaki. Zwar bekommen sie von der Versicherung der Autofahrerin den Wert der beschmutzten Kleidung und den Kaufpreis des Hundes ersetzt. "Das Geld spielt für uns aber kaum eine Rolle", sagt Volkmar Jaki. "Dyna war ein Familienmitglied und das kann man mit Geld nicht bezahlen."

"Die Gesetzgebung zum Thema Tier ist nicht mehr zeitgemäß"

Die Arnumer Anwältin Ines Maria Pfeiffer erklärt im Interview, warum Tiere vor dem Gesetz faktisch nach wie vor als Sache gelten.

Wieso kann ein Autofahrer einen Hund auf einem Gehweg überfahren, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen?

Der Autofahrer haftet dem Hundehalter gegenüber zivilrechtlich auf Schadensersatz. Das heißt, er muss den Wert des Hundes und weitere Utensilien, die bei dem Unfall beschädigt wurden, erstatten. Ein Schmerzensgeldanspruch aber ist beim Tod von Tieren - anders als bei Angehörigen, die bei einem Unfall ihr Leben verlieren - in der Rechtsprechung noch nicht anerkannt. Strafrechtlich kann der Unfallfahrer nur dann wegen einer Sachbeschädigung zur Verantwortung gezogen werden, wenn er vorsätzlich gehandelt hat.

1990 wurde das Gesetz dahingehend geändert, dass ein Tier als Mitgeschöpf nicht einer Sache gleichgestellt werden darf. Hat dies keine rechtliche Auswirkungen?

Im Grunde leider nicht. Wie so oft haben Politik und Gesetzgeber auf öffentlichen Druck hin lediglich eine kosmetische Korrektur geschaffen, die keine bedeutenden Konsequenzen nach sich zieht. So heißt es im Paragraph 90a BGB zwar "Tiere sind keine Sachen". Nur zwei Sätze weiter wird aber festgestellt, dass auf Tiere die für Sachen geltenden Vorschriften anzuwenden sind, soweit nichts anderes bestimmt ist. Damit wird das Tier doch wieder zur Sache herabgestuft.

Ist die Gesetzgebung aus Ihrer Sicht noch zeitgemäß?

Für mich ist nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch die Rechtsprechung zum Thema Haustier und Tier schon lange nicht mehr zeitgemäß. Das betrifft nicht nur die Tatsache, dass Tiere immer noch als Sache gelten. Obwohl der Tierschutz inzwischen im Grundgesetz verankert ist, lässt das Gesetz viele Schlupflöcher offen, Tierquälerei als legal zu betrachten, etwa beim Brandmarken von Fohlen oder dem Abschneiden von Schwänzen in der Schweinezucht. Noch beklagenswerter ist es, dass Staatsanwaltschaften und Veterinärämter angezeigte Verstöße oft als Bagatelle ansehen und Verfahren viel zu schnell einstellen. Es ist immer noch nicht der Gedanke in der Gesellschaft verwurzelt, dass Tierschutz auch Menschenschutz ist.

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Von Stephanie Zerm

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