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Barfuß im Park mit dem Wind zwischen den Fingern

Laatzen-Mitte Barfuß im Park mit dem Wind zwischen den Fingern

Mittendrin statt nur dabei: In der Reihe "Heimat hautnah" schreiben unsere Autoren nicht nur über Veranstaltungen, sondern sie machen aktiv mit. Autor Torsten Lippelt hat barfuß Entspannung beim Yoga gesucht – und sich einer angesagten Stellung verweigert.

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Entspannung unter freiem Himmel: Auf der Rasenfläche am Civitan-Hain im Laatzener Park der Sinne hat sich eine Runde aus 40 Menschen mit Decken und Isomatten zusammengefunden für das kostenlose Angebot des Fördervereins. Yoga-Lehrerin Carola Schneider bietet die 90-minütigen Einheiten an ausgwählten Sommersonntagen seit 2008 ab.

Quelle: Torsten Lippelt

Laatzen-Mitte. Es ist Sonntagvormittag, grauer, wolkenverhangener Himmel, 18 Grad. Noch am Morgen hatte es geregnet, der Rasen beim Civitan-Hain ist etwas feucht. Eigentlich ein schlechter Zeitpunkt, um Yoga kennen zu lernen. Ich mag keinen Regen und habe nicht viel geschlafen. Nein, ich war nicht feiern sondern beruflich beim Kleinen Fest in Herrenhausen unterwegs und auch dieser Termin ist dienstlich. Es ist der letzte von fünf Julisonntagen, an denen Carola Schneider kostenlos Yoga im Park der Sinne anbietet.

So stehe ich nun barfuss auf der mitgebrachten Isomatte und mustere unsere 40-köpfige Rasenrunde: fast alles Frauen zwischen 20 und 70 Jahren. Außer mir haben sich nur noch vier Männer dazugesellt. "Die Männer nehmen sich bei Yoga etwas zurück", sagt Jürgen Jacob, etwa sieben Matten weiter. Der 65-jährige ist mit seiner Frau Kornelia aus Bennigsen gekommen. "Wir sind das dritte Mal dieses Jahr dabei – man kann sehr gut in sich gehen und zur Ruhe kommen", lobt er das Angebot unsere Lehrerin. Ich bin gespannt auf das, was mich erwartet. Und tatsächlich: Mit ruhiger Stimme erklärt Carola Schneider, welche Körperhaltungen wir einnehmen sollen – soweit wir können, ohne dass es schmerzt. Sie macht uns auch die Atmung bewusst und fordert uns auf, genau in uns hinein zu hören und zu entspannen.

Erst im Liegen, dann im Vierfüßlerstand und schließlich im Stehen bemerke ich Muskelgruppen, die sich sonst beim Fußball und Volleyball nie über ihre Beanspruchung beschweren.

"Spürt den Wind zwischen euren Fingern", sagt Carola Schneider, während sie bedächtig, Schritt für Schritt durch den Kreis der Yoga-Gruppe zieht. Ich habe zunehmend Schwierigkeiten, auf einem Bein zu balancieren und bin erleichtert, als ich auch einige andere Schwankende in der Runde entdecke, die kurz den Fuß aufsetzen und von Neuem beginnen.

Wenig später knien alle im Vierfüßlerstand mit den aufgestützten Händen auf Matten und Decken. Ich fühle ich mich sicher – bis Schneider den nächsten Stellungswechsel ansagt und uns einlädt, die Fußsohlen auf den Boden zu drücken. "Das schaffe ich nicht", sage ich entgeistert. Ein kurzes Lachen, dann korrigiert Schneider: gemeint sei natürlich der Fußrücken, nicht die Sohle.

Kurz darauf heißt es wieder Hinlegen und ich probiere mich in der nächsten Position. Über mir tanzen Wolken am nun vereinzelt auch blauen Himmel. Die Regenwolken haben sich verzogen. Ein großer Vogel zieht seine Kreise. Mit dessen locker-leichten Bewegungen haben meine nicht viel gemein: Ich versuche, das rechte Knie mitsamt der angehobenen Hüfte über das linke Bein zu drehen – und den Kopf parallel dazu nach rechts. Neidvoll fällt mein Blick auf Elvira Lies, die die Bewegungen problemlos macht, immer wieder: mal nach links, mal nach rechts. "Ich bin seit sechs Jahren dabei", erzählt die 61-jährige Laatzenerin. "Beim Yoga im Park bekomme ich gute Laune – und es tut Körper und Seele gut", sagt sie und lacht.

Zum Ende hin bemerke auch ich, dass es mir gut tut: Den Körper ohne Leistungsanspruch zu fordern – und dabei Geist und Seele zu entspannen. Nächsten Sommer, bei der dann zehnten Auflage von Yoga im Park könnte ich mir durchaus vorstellen, auch mal privat mitzumachen und die Männerquote zu erhöhen – zumindest bei gutem Wetter.

Yoga im Park: Knapp 300 Teilnehmer in diesem Sommer

Seit 2008 bietet Yoga-Lehrerin Carola Schneider für den Förderverein Park der Sinne kostenlose Yoga-Stunden an ausgewählten Sonntagen im Sommer an. In diesem Jahr, an fünf Julisonntagen, kamen 40 bis 80 Teilnehmer, darunter auch Familien mit Kindern und betagte Senioren – insgesamt knapp 300. "Insgesamt lässt sich feststellen, dass Yoga in der Gesellschaft angekommen ist als eine Möglichkeit, Körper, Emotion und Geist in Einklang zu bringen", sagt Schneider. Wenn alles klappt, gibt es im Sommer 2017 die zehnte Auflage der Freiluftaktion.

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Von Torsten Lippelt

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