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Das falsche Braun: Bauherr soll Dach neu decken

Ingeln-Oesselse Das falsche Braun: Bauherr soll Dach neu decken

Nach Hüpede hat jetzt auch Ingeln-Oesselse einen Dachfarbenstreit: Die Stadt Laatzen hat eine Familie dazu verdonnert, ihr Haus neu zu decken, weil sie bei der Farbe knapp daneben gegriffen habe. Die Familie wehrt sich gerichtlich. Sollte sie unterliegen, will die Stadt auch gegen andere vorgehen.

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Alexander Friesen hat sein Dach in Havanna-Braun decken lassen. Erlaubt sind jedoch nur Rottöne sowie Kupfer-, Rot- und Kastanienbraun.

Quelle: Dorndorf

Ingeln-Oesselse. Manchmal sind es die ganz feinen Unterschiede, die große Auswirkungen haben können. Alexander und Anna Friesen können das jetzt aus leidvoller Erfahrung sagen: Das Ehepaar hat sich 2014 und 2015 ein Einfamilienhaus im Baugebiet Vor dem Laagberg bauen lassen und bei der Gestaltung gemeinsam mit ihrem Architekten auf Details Wert gelegt. Dazu zählt auch die Farbe der Dachziegel, für die sie - passend zur Fassade - ein mattes Havannabraun wählten.

Im Februar 2015 folgte der Schock. "Die Stadt hat damals einen Baustopp für das Dach verfügt", sagt Alexander Friesen. Begründung: Die Farbe entspreche nicht der örtlichen Bauvorschrift, die bestimmte RAL-Töne vorgibt. Unter denen finden sich zwar neben roten auch braune Farbtöne wie Kastanien-, Rot- und Kupferbraun - aber eben nicht das etwas dunklere Havannabraun.

"Das Dach war damals aber schon fast komplett eingedeckt", sagt Friesen. Er entschied zunächst abzuwarten. Als jedoch der erste Ziegel herunterflog, ließ er das Dach zu Ende decken, um weitere Schäden zu vermeiden - und verstieß damit gegen die Verfügung der Stadt, laut der die Familie die Ziegel sofort neu färben oder austauschen müsse. Andernfalls drohe die Zwangsdurchsetzung samt Zwangsgeld von 5000 Euro.

Dass das von ihm ausgewählte Braun nicht der Bauvorschrift entspricht, sei ihm nicht klar gewesen, sagt Friesen: "Der Hersteller sagt, dass er die Ziegel nicht exakt nach RAL-Tönen produzieren kann - jeder Brand sei anders." Zudem hänge der Farbton auch von der Witterung ab - bei Sonne erscheine es heller. "Das Dach neu zu decken hätte gut 10.000 Euro gekostet", schätzt er.

Die Familie legte deshalb Widerspruch ein - zunächst mit Erfolg: Laut Friesen hat das Verwaltungsgericht im Herbst 2015 entschieden, dass er das Dach zumindest nicht sofort neu decken lassen müsse, weil es bei der Aufstellung des Bebauungsplans formale Mängel gegeben habe. Die Stadt bestreitet dies: Es gebe keine solche Fehler, sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann. Man habe sich vielmehr freiwillig darauf geeinigt, die Eilbedürftigkeit auszusetzen, da das Dach ja inzwischen komplett gedeckt war.

Unbestritten ist, dass die Stadt die Verfahrenskosten tragen musste - und dass das Gerichtsverfahren in der Sache noch andauert. Die Familie drängt nun darauf, dass die Stadt die Verfügung fallen lässt. "Aber die haben nicht mit sich reden lassen", ärgert sich Friesen. Ihn wundert besonders, dass die Verwaltung bei anderen Bauherren Milde walten lässt. "Es gibt schließlich mehrere glänzende Dächer - das dürfen die auch nicht", argumentiert der Gas- und Wasserinstallateur. In einem Fall ist sogar ein Dach in einem anthrazit-ähnlichen Ton gedeckt worden.

Tatsächlich hat die Stadt auch andere Häuser am Laagberg im Visier: "Das Verfahren dient dazu, im Rahmen eines Musterverfahrens eine belastbare, rechtssichere Entscheidung zu erhalten", sagt Stadtsprecher Brinkmann. Sollte die Stadt sich durchsetzen, würden auch alle anderen Bauherren mit abweichenden Dachfarben angeschrieben. Insgesamt seien dies über zehn Fälle. Um sich den Aufwand mehrerer Verfahren zu ersparen, habe die Stadt sich zunächst auf einen Fall konzentriert. "An dieser Entscheidung können sich Stadt und Eigentümer orientieren", sagt Brinkmann.

Parallel zieht die Stadt planungsrechtliche Konsequenzen: Der Rat soll am 29. September den Bebauungsplan mit Änderungen rückwirkend neu beschließen, um eine juristische Schlappe wegen möglicher formaler Mängel und Verfahrensfehler bei der Aufstellung des Bebauungsplans zu vermeiden. Konkret geht es unter anderem um den Verweis auf einen falschen Paragrafen der Bauordnung.

Ähnlicher Fall in Hüpede

Ein ähnlicher Streit hatte über Monate hinweg den Pattenser Ortsteil Hüpede beschäftigt, wo die Dächer mehrerer Häuser nicht der Bauvorschrift entsprachen. Nach langem Hin und Her gab die Stadt schließlich nach und änderte nachträglich den Bebauungsplan. Die Bauherren blieben verschont - mit einer Ausnahme: In einem Fall war ein Dach in Anthrazit statt Braun gedeckt worden. Der Bauherr musste die Ziegel auf eigene Kosten auswechseln lassen.

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