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Behinderte finden neue potenzielle Baufehler

Umbau des Marktplatzes Behinderte finden neue potenzielle Baufehler

Die Kritik am Umbau des Marktplatzes reißt nicht ab. Seh- und Gehbehinderte haben neue potenzielle Bau- und Planungsfehler zusammengetragen. Sie erneuern ihre Forderung nach einem Behindertenbeauftragten und der Beteiligung an Bauvorhaben. Die Stadt hält den Umbau weiter für gut und auch abgestimmt.

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Straßenquerung (noch) unerwünscht: Olaf Lichy (rote Jacke) und Achim Wenger erkunden die Neuerungen nach dem Umbau der Robert-Koch-Straße und die Umwandlung in einen verkehrsberuhigten Bereich am Marktplatz. An der Stelle des bisherigen Überweges, ist jetzt ein Pflanzbeet, das allerdings für einen barrierefreien Übergang wieder zurückgebaut werden soll. Den Fußweg auf der Seite des Stadthauses (hinten links im Bild) gibt es nicht mehr. Er ist der Straße und einem Pflanzbeet zugeschlagen worden.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen-Mitte. Das kaum 100 Meter lange Teilstück der ehemaligen Robert-Koch-Straße zwischen Marktstraße und dem Wohnscheibe genannten Hochhaus hat sich seit dem Frühjahr verändert: Ein Teil der Straße ist aufgepflastert und verschwenkt, der Fußweg auf der Stadthausseite von einem Pflanzbeet unterbrochen. Die Behindertenparkplätze wurden auf die gegenüberliegenden Straßenseite auf den Bürgersteig verlegt und Markierungen für Sehbehinderte eingelassen. Doch bei der Umwandlung in einen verkehrsberuhigten Bereich des Marktplatzes hat die Stadt aus der Sicht von Behinderten Fehler gemacht.

Das Test-Urteil von Olaf Lichy und Achim Wenger, die als Sehbehinderte mit dem Langstock den verkehrsberuhigten Bereich des Marktplatzes erkundet haben, fällt harsch aus: Von Baufehlern und Irrsinn ist die Rede. Fehlende Leitlinien hier, zu kleine und damit schlecht aufzufindende Aufmerksamkeitsfelder da. Auch fehlende oder Markierungen an falschen Stellen sind ein Thema. „Was interessiert mich eine Aufmerksamkeitsfeld zum Parkplatz. Ich werde kein Auto fahren“, sagt Lichy, während er mit dem Langstock die Änderungen auf der Rathausseite erkundet. Einige Meter weiter, auf Höhe der Rampe zum Stadthaus, sucht er die zur Orientierung dienenden weißen Noppenplatten vergebens. Vielmehr stößt er mit seinem Langstock gegen einen Laternenmast. „Der gehört hier nicht hin. Der muss auf die Grünfläche“, sagt Lichy.

Einige Meter weiter zur Marktstraße und am Abzweig Rathaus steht noch eine Laterne im Weg. Mit dieser Stelle hat auch die gehbehinderte Christina Tietze Probleme. Der hellgepflasterte Gehweg ist dort schmaler als einen Meter. Kurz dahinter sind noch zwei Behindertenparkplätze eingezeichnet. Immerhin sind sie an diesem Tag nicht besetzt, sonst müsste die Rollstuhlfahrerin spätestens jetzt auf der Straße fahren: kurz vor der Einbiegung von der Marktstraße aus.

Autos fahren zu schnell

Viele Autofahrer rauschen bestenfalls in Erwartung der bisherigen Tempo 30-Zone von der Marktstraße in die nun verkehrsberuhigte Zone mit Spielstraßenschild. Der bis zuletzt von der Stadt angebrachte Smiley zur Geschwindigkeitsmessung hatte daher selten etwas zu Lachen. Zumeist zeigte er ein deutlich höheres Tempo als die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit und das Maximaltempo von sieben Kilometern pro Stunde. Sicherheit fühlt sich anders an.

„Alles wirkt so unfertig“, sagt Tietze und meint damit nicht nur die Fußwege versperrenden, temporären Behindertenparkplätze an dieser und die mit absoluten Halteverbotsschildern versehenen neuen Behindertenparkplätze an jener Stelle. Auch der nun von einem langen Pflanzbeet unterbrochene Fußweg auf der Stadthausseite missfallen ihr – von den Sehbehinderten ganz zu schweigen. Diese sollen dem ursprünglichen Willen der Planer nach aus Sicherheitsgründen möglichst nicht wie die anderen auf der verkehrsberuhigten Straße gehen, weshalb dort auch keine Leitlinien verlegt wurden, sondern den 100 Meter entfernten barrierefreien Überweg bei der Pettenkoferstraße nutzen. Die Behinderten fühlen sich an andere Baufehler in Laatzen erinnert, die später korrigiert werden mussten wie am Kreisel der Markt- und Wülferoder Straße. „Die Stadt hätte daraus etwas lernen können“, sagt Wenger, der wie Lichy erneut die Berufung eines Behindertenbeauftragten für Laatzen ins Gespräch bringt. Leider sei wieder sei niemand gefragt worden.

Stadt widerspricht Vorwürfen

Dem widerspricht Stadtsprecher Matthias Brinkmann. Die Pläne seien sehr wohl in den zuständigen städtischen Gremien, der AG Neugestaltung und der Lenkungsgruppe vorgestellt und auch besprochen worden. Außerdem wurden der Sozialverband Deutschland (SoVD) als Dachverband und Vertreter der Interessen aller Behinderten in die Planung einbezogen.

Inwieweit die Stadt die Vorschläge und Anregungen des SoVD allerdings beim Umbau der Straße auch berücksichtige, ist derzeit unklar. Wie ein SoVD-Sprecher am Freitagnachmittag auf Anfrage erklärte, habe es durchaus „kontroverse Ansichten“ gegeben. Zuletzt gesprochen haben beide Seiten offenbar Ende Mai 2016. Schriftliche Pläne seitens der Stadt zum Umbau der Straße sollen laut SoVD nicht vorgelegt worden sein.

Die Verwaltung beteuerte am Freitag noch einmal, dass die Gestaltung der verkehrsberuhigten Straße und des noch mit Bäumen zu begründenden Seitenraumes grundsätzlich so gewollt und auch noch nicht fertig sei. Aufgrund der vorgebrachten Kritik werde es bauliche Veränderungen geben: So soll der Fußgängerüberweg direkt an der Wohnscheibe wieder hergerichtet und auch für Sehbehinderte barrierefrei gebaut werden. Zudem sei eine zusätzliche Aufpflasterung mit barrierefreien Querungsmöglichkeiten direkt hinter der Durchfahrt der Wohnscheibe geplant, um den Beginn des verkehrsberuhigten Bereiches zu markieren. Dann sollen Fußgänger – zumal solche mit Sehbehinderungen – zumindest an dieser Stelle keine neuen Umwege mehr laufen müssen.

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Von Astrid Köhler

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