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Gefahr für Biber? Proteste gegen Bisamfallen

Alt-Laatzen Gefahr für Biber? Proteste gegen Bisamfallen

Jäger haben am Montag Bisamfallen an der Leine bei Laatzen aufgestellt. Naturschützer befürchten, dass die Fallen auch Biber verletzen oder sogar töten könnten: Denn die Fallen wurden ausgerechnet im Biberrevier bei Alt-Laatzen aufgestellt. Die Landwirtschaftskammer die Fallen jetzt abgebaut.

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Bisamjäger haben Fallen an der Uferböschung der Leine bei Alt-Laatzen ausgelegt - ausgerechnet mitten im Revier des geschützten Bibers.

Quelle: Dorndorf

Alt-Laatzen.  "Ich finde es ist eine Schweinerei, dass das zu dieser Jahreszeit passieren muss", sagt der Vorsitzende des Fischereivereins Laatzen Klaus Kurtz. Aktuell sei die Natur wegen der Brut- und Setzzeit besonders geschützt - und ausgerechnet in dieser Phase werden Bisamfallen an der Leine aufgestellt.

Entdeckt hatte die Fallen am Montagnachmittag ein Angler, der daraufhin Kurtz informierte. Gemeinsam mit Laatzens Feld- und Forsthüter Siegfried-Karl Guder nahm der Laatzener die Fallen, die am Bootshaus nahe der Talstraße sowie an der Uferböschung gegenüber installiert waren, in Augenschein. Beide beobachteten, wie sich ein Bisam in der Totschlagfalle verfing, noch einige Minuten zappelte und dann verendete. "Das ist etwas, was auf keinen Fall mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist", sagt Kurtz: Demnach dürfe schließlich keinem Wirbeltier unnötiger Schmerz zugefügt werden.

Guder stört sich ebenfalls am Zeitpunkt während der Brut- und Setzzeit, sieht aber auch eine mögliche Gefahr für die Biber an der Leine: Denn die Fallen, die jetzt entdeckt wurden, befinden sich mitten in deren Revier. "Als Köder wurde ein halber Apfel verwendet", sagt Guder - an den würden auch Biber rangehen. "Ich kann ja verstehen, wenn so etwas zur Deichsicherung im Emsland passiert - aber warum hier an der Leine?", fragt Guder, der als Jagdpächter nicht informiert worden war.

"Ich bin entsetzt", sagt auch Anika May vom Bibermanagement des Laatzener Naturschutzbunds. "Das geht gar nicht, schon gar keine Totfallen", findet May. Hanna Kastein von der Ökologischen Schutzstation Mittlere Leine (ÖSML) in Grasdorf sieht das Ganze ebenfalls kritisch. Auch sie glaubt, dass die Köder auch Biber anlocken. "Jetzt fängt die Zeit an, wo sie wieder mehr zu fressen finden und an Feldfrüchte und grüne blätter gehen. Äpfel gehören auf jeden Fall dazu."

Beauftragt hat die Bisamjagd die Landwirtschaftskammer Hannover. Grund sei der Schutz von Deichen und Ufern, die von den Tieren schwer geschädigt würden. "Wir bekämpfen die Bisame im Auftrag des Umweltministeriums", stellt Heiko Fritz, Koordinator Bisambekämpfung bei der Kammer, klar. Unterwegs seien die sechs hauptamtlichen Bisamjäger und 850 privaten Bisamfänger immer während der Frühjahrs- und Herbstzeit, wenn die Tiere sich neue Reviere suchen. Den Einwand, dass während der Brut- und Setzzeit nicht gejagt werden dürfe, lässt Fritz nicht gelten. Schließlich handle es sich hier um Schädlingsbekämpfung: "Wer zu Hause Ratten hat, jagt sie ja auch in der Brut- und Setzzeit."

Die Befürchtung, dass Biber durch die Fallen getötet werden könnten, teilt Fritz nicht. "Diese Fallen können diese Tiere nicht töten - die haben nicht so eine Klemmkraft." Und falls doch eines der Tiere getötet würde. "Dann hätten wir ein richtiges Problem." Bislang sei dies jedoch noch nie passiert.

Nichtsdestotrotz hat die Landwirtschaftskammer noch gestern reagiert: Die Fallen im Laatzener Revier seien noch am Dienstag eingesammelt worden. Falls der Bereich im nächsten Herbst wieder bejagt werde, werde man Fallen mit sogenannten Otterringen verwenden, kündigte Fritz an: Dies seien Käfige mit einem Ring am Eingang, durch den Tiere wie Biber und Otter nicht durchpassen.

Die Naturschutzbehörde der Region Hannover nahm gestern nach Bekanntwerden des Vorfalls Kontakt mit der Landwirtschaftskammer auf. Wenige Stunden später kündigte die Kammer an die Fallen abzubauen. "Wir werden das Vorgehen weiter verfolgen", kündigte die Region an.

Fänger töten mehr 100.000 Tiere jährlich

Sechs hauptamtliche Bisamjäger und 850 private Bisamfänger kümmern sich für die Landwirtschaftskammer Niedersachsen um die Eindämmung des Bestandes in Niedersachsen. Hauptgrund für die Bekämpfung ist der Hochwasserschutz: So richten die Tiere teils erhebliche Schäden an Deichen und Flussufern an, bei denen ganze Böschungen in die Tiefe stürzen können. Allein im Jahr 2014 wurden in Niedersachsen rund 132.400 Bisame getötet. Die Bekämpfung konzentriert sich vor allem auf die nördlichen Landkreise: Wurden beispielsweise im Kreis Aurich 22.000 und in im Kreis Leer 15.400 Tiere gefangen, waren es in der Region Hannover gerade einmal 1500.

Die von den Tieren angerichteten Schäden können allerdings auch die Region Hannover treffen: So kam es beispielsweise 2013 zu starken Aushöhlungen eines Deiches im Leinepolder bei Salzderhelden, der auch Laatzen vor Hochwasser schützt. 2014 wurden dort daraufhin 114 Bisame unschädlich gemacht.

"Das ist absolut unangemesssen"

Drei Fragen an Anika May (32), Mitarbeiter beim Projektmanagement Biberschutz des Laatzener Naturschutzbunds.

Frau May, die Landwirtschaftskammer hat Bisamfallen an der Leine ausgelegt, die auch Biber gefährden können. Was ist davon zu halten?

Das ist absolut unangemessen, weil auch der Biber hier rege aktiv ist. Für mich kommen Totfallen schon gar nicht infrage, weil dass für Biber viel zu gefährlich ist. Da kann man sich auch strafbar machen: Der Biber ist nicht nur nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt, sondern auch über die FFH-Richtlinie und hat somit einen europaweiten Schutzstatus. Im Gesetz steht ganz klar drin, dass man dem Biber nicht nachstellen und ihn töten darf.

Warum gilt das für den Biber und nicht für Bisamratten?

Bisam und Nutria sind invasive Arten, die hier nicht heimisch sind. Der Biber ist hingegen ein einheimisches Tier, das fast ausgestorben war. Jetzt regeneriert sich der Bestand allmählich - auch, weil er so streng geschützt ist.

Haben Sie es schon einmal erlebt, dass in einem Biberrevier solche Fallen aufgestellt wurden?

Hier haben wir dies noch nicht erlebt - ich bin persönlich allerdings erst seit zwei Jahren hier.

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Fotostrecke Laatzen: Gefahr für Biber? Proteste gegen Bisamfallen

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