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Bürger wollen Interimslösung für Ehrenmal erarbeiten

Alt-Laatzen Bürger wollen Interimslösung für Ehrenmal erarbeiten

Fast zehn Monate nach dem antisemitischen Eingriff am Alt-Laatzener Ehrenmal ist die Tat im Ortsrat verurteilt worden. Die Politiker sprachen sich dafür aus, eine Übergangslösung für das Gedenken zu erarbeiten, bis eine dauerhafte Lösung umgesetzt sei. Die Stadt lässt das Denkmal unterdessen sanieren.

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Mitarbeiter der Sarstedter Steinmetz-Firma Beetz bessern Lücken in den Fugen des Alt-Laatzener Ehrenmals aus.

Quelle: Dorndorf

Alt-Laatzen. "Es war eine antisemitische Handlung." Der Alt-Laatzener Klaus Schlüter war es, der den Vorfall vom November 2016 bei der Ortsratssitzung am vergangenen Dienstag so klar bewertete. Wenige Stunden nach der Gedenkstunde am Volkstrauertag im vergangenen Jahr hatten Unbekannte drei Namenssteine, die an die während der NS-Zeit deportierten jüdischen Opfer erinnerten, von ihrem Platz hinter dem Ehrenmal an der Alten Rathausstraße entfernt. "Es mag sein, dass die Täter primitive Motive hatten und einem was auswischen wollten. Aber es war eine antisemitische Handlung", sagte Schlüter. "Es war eine Verhöhnung der gesamten Veranstaltung, der Tätigkeit des Bürgermeisters und aller, die dort in Andacht Steine niedergelegt haben."

Um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern, schlagen Mitglieder einer Bürger-Arbeitsgruppe, die sich während der Debatte um die Gedenkkultur in Alt-Laatzen gegründet hatten, die Einrichtung einer provisorischen Gedenkstätte vor, die weniger leicht zu beschädigen ist. Eigentlich hatte die Stadt vor, bis 2018 ein vom Künstler Gerd Winner entworfenes Friedensmal in dem Bereich zu errichten. Wie AG-Mitglied Jürgen Boldt im Ortsrat anmerkte, ist eine solche Lösung jedoch zuletzt wohl in die Ferne gerückt. "Die Verwirklichung ist nicht so einfach, es müssen Drittmittel eingeworben werden - mit anderen Worten: Es zieht sich hin." Der Arbeitskreis schlage deshalb eine Interimslösung vor - und erklärte sich auch bereit, einen solchen zu erarbeiten.

Stadtsprecher Matthias Brinkmann bestätigte auf Anfrage, dass sich die Vorbereitungen für das Friedensmal verzögerten. Grund seien die inzwischen geschätzten Kosten, die einen "nicht unwesentlichen sechstelligen Eurobetrag" ausmachten. "Wir sind noch engagiert, dies aus Drittmitteln zu akquirieren. Aber dafür sind Gespräch nötig, die viel Zeit benötigen."

Angesichts des Eingriffs vom November 2016 unterstützte Gerd Apportin (Grüne) den Vorstoß der AG. "Wir sind uns einig, dass das Entfernen dieser Gedenksteine von uns allen aufs Schärfste verurteilt wird", stellte Apportin fest. "Es gibt leider Menschen, die so etwas tun. Wir müssen eine Lösung finden, mit der der Gedenkkultur entsprochen werden muss", sagte Apportin. Denkbar sei etwa eine Einfassung solcher Erinnerungssteine mit Metall. Der Ortsrat sprach sich daraufhin einstimmig dafür aus, den Arbeitskreis mit der Erstellung eines Vorschlags zu beauftragen und den Kostenrahmen ermitteln zu lassen.

Unabhängig davon mahnte Schlüter, dass Laatzens Politiker bei Vorfällen dieser Art künftig früher die Stimme erheben müssten. Weder der Ortsrat noch die übrigen Ratsgremien hätten sich explizit mit dieser "Schändung" befasst, sagte Schlüter. "Ich möchte an Sie appellieren, dass sie aufstehen und schreien, wenn so etwas passiert." Der frühere Grünen-Ratsherr Andreas Quasten stellte zudem die Frage in den Raum, ob das angestrebte Friedensmal nicht aus städtischen Mitteln finanziert werden sollte, falls nicht genügend Spenden zusammekämen.

Auf die Tagesordnung gesetzt wurde das Thema am Dienstag wegen einer Petition. Der Laatzener Joachim Gottschalk hatte beantragt, die Gedenkstätte mit den im November 2016 abgelegten Steinen wieder herzurichten. Die Stadtverwaltung hatte dieses Ansinnen zunächst unter Verweis auf die langfristige Aufstellung eines Friedensmals Ende 2016 abgelehnt.

Ehrenmal wird derzeit saniert

Die Stadt Laatzen hat unterdessen damit begonnen, das umstrittene Ehrenmal an der Alten Rathausstraße zu sanieren. Nachdem das steinerne Denkmal zunächst gesäubert wurde, hat ein ein Steinmetzbetrieb in den vergangenen Tagen die Fugen und Schäden auf der der Straße zugewandten Seite ausgebessert. In der nächsten Woche soll dann der Putz auf der Rückseite vollständig erneuert werden, erläutert Holger Steinmann, stellvertretender Leiter des Teams Grünflächen. Der stark von der Witterung abhängige Zeitplan sehe vor, dass die Arbeiten bis Ende September beendet werden. Nach Auskunft von Bau-Fachbereichsleiter Jürgen Pagels sollen zudem die provisorischen Wege links und rechts des Ehrenmals wiederhergestellt werden, die inzwischen wieder überwachsen sind.

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Der Putz auf der Rückseite des Ehrenmals ist so stark beschädigt, dass die Stadt ihn komplett erneuern lassen will.

Quelle: Dorndorf
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