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Zu wenig Blut: DRK befürchtet Engpässe

Laatzen-Mitte Zu wenig Blut: DRK befürchtet Engpässe

Urlaubszeit und ein Durchhänger im Mai: Wegen knapper Blutkonserven drohen Engpässe, warnt der DRK-Blutspendedienst in der Region Hannover. In Laatzen-Mitte versucht das DRK in diesen Tagen mit Aktionen im Leine-Center neue Spender zu finden

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Helga Golnik und Heidi Siatz helfen schon seit Jahrzehnten beim DRK Grasdorf/Laatzen-Mitte. Im Leine-Center betreuen sie Marion Wolpers, die regelmäßig zur Blutspende kommt.

Quelle: Lisa Malecha

Laatzen-Mitte. "Viele Menschen sind während der Ferien im Urlaub", sagt Patrick Ploberger, Gebietsreferent für Hannover und das Umland beim DRK-Blutspendedienst NSTOB. Dadurch würden auch viele Spender wegfallen, die normalerweise regelmäßig kämen. Doch die Hauptzielgruppe, also vor allem Krebspatienten, braucht konstant die gleiche Menge Konserven - 2300 Präparate würden im Einzugsgebiet täglich verbraucht. "Und das Blut, das wir eigentlich benötigen, kriegen wir im Sommer nicht rein", sagt er.

In diesem Jahr komme erschwerend hinzu, dass es bereits im Mai einen Einbruch bei den Spenderzahlen gegeben habe - vor allem, weil Pfingsten und Himmelfahrt so nah bei einander lagen. In nur einem Monat fehlten dadurch tausende Konserven in Niedersachsen, Bremen und Oldenburg, sagt Ploberger. Diese würden aber dringend gebraucht, um sich auf die Ferienzeit vorzubereiten. "Wir gehen in diesem Jahr mit einem nicht sehr guten Reservenstand in die Ferienzeit rein."

Ein weiteres Problem während der Ferien: Die üblichen Örtlichkeiten, vor allem Schulen, fallen weg. "Wir sind daher dankbar für jede Ausweichmöglichkeit", sagt Ploberger. Daher freue er sich sehr über die Kooperation mit dem Leine-Center, die seit rund zwei Jahren besteht. "In den Ferien haben viele Menschen Zeit zum Einkaufen und tummeln sich im Einkaufscenter." Da müsse man die potentiellen Spender also gar nicht erst hin locken, sie seien eh vor Ort. "Das ist was anderes, das ist attraktiver und die Hemmschwelle ist nicht so groß, weil man keine extra Wege fahren muss", sagt Ploberger.

Außerdem werden auf diese Weise neue Erstspender gewonnen, sagt Helga Golnik vom DRK-Ortsvereins Grasdorf/Laatzen-Mitte: "Zu den normalen Terminen kommen fast immer die gleichen Menschen."  Im Einkaufszentrum hingegen würden viele das mit dem Spenden einfach mal ausprobieren. "Die laufen vorbei und denken sich 'Wieso nicht'", sagt Heidi Siatz, die seit 20 Jahren im Ortsverein hilft. Das sei allerdings leider die Ausnahme, bemängelt Ploberger: "In der Region Hannover geben nur vier Prozent der spendefähigen Erwachsenen tatsächlich Blut." In der Stadt seien es sogar nur 2,5 Prozent.

Auch am Freitag, 8. Juli, kann von 15 bis 19 Uhr in den leerstehenden Geschäftsräumen neben Expert im Obergeschoss des Leine-Centers Blut gespendet werden. Statt des üblichen Imbisses erhält jeder Spender einen Gutschein für ein Essen bei Asia-Gourmet sowie einen Gutschein für eine Kugel Eis vom Eiscafé Venezia im Leine-Center. Außerdem werden unter allen Spendern Einkaufsgutscheine im Wert von je 15 Euro verlost.

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Nur wer Deutsch spricht, darf spenden

Auch Flüchtlinge können Blut spenden - allerdings mit Hürden. Denn nur, wer den Fragebogen und das verpflichtende Arztgespräch ohne Dolmetscher bewältigen kann, darf sein Blut geben. "Das sind sehr sensible Daten, die abgefragt werden - deshalb müssen wir sicher sein, dass der Spender eigenständig alles versteht", sagt DRK-Gebietsreferent Patrick Ploberger. Außerdem sei es einfach zu unsicher anzunehmen, dass der potentielle Spender einem unbekannten Dolmetscher gegenüber die Wahrheit sagt - vor allem wenn es um die Frage nach Erkrankungen geht.

"Die Bereitschaft ist auf jeden Fall sehr groß", sagt Ploberger. Er stelle immer wieder fest, dass die Geflüchteten sich dankbar darüber äußern, hier sein zu dürfen - die Menschen würden deshalb gerne etwas an die Bevölkerung zurückgeben. "Allerdings scheitert es leider häufig daran, dass sie den Fragebogen nicht verstehen", berichtet er. Ob Flüchtling oder nicht - die Deutschkenntnisse müssen vorhanden sein. "Wenn das alles passt und natürlich auch die anderen Bedingungen erfüllt sind, dann ist es kein Problem", sagt Ploberger.

Welche Ausschlusskriterien es noch gibt, da könne er keine allgemeine Aussage zu treffen. "Das ist sehr individuell", sagt Ploberger. Natürlich könne man nicht Spenden, wenn man gerade erst eine Operation hinter sich hat. Allerdings variiert die Zeitspanne je nach Schwere des Eingriffs. "Pauschale Aussagen sind dann schwer", sagt er und empfiehlt jedem Spendewilligen, einfach vorbei zu schauen. Denn wenn der Fragebogen ausgefüllt und das Arztgespräch geführt sind, könne genau erläutert werden, ob gespendet werden darf. "Auch wenn zunächst noch gewartet werden muss, können wir den Interessierten genau sagen, wann sie wieder kommen können", sagt er. Außerdem könne in der Zwischenzeit die Blutgruppe bestimmt, der Spendeausweis ausgefüllt und das Blut untersucht werden. Ganz allgemein könne er nur sagen, dass jeder, der volljährig ist und mehr als 50 Kilogramm wiegt, als Spender in Frage kommt.

Das passiert nach der Spende mit dem Blut:

Jede Blutspende wird auf Infektionskrankheiten untersucht und auf Hepatitis A-, B- und C-Viren, HIV und auf Antikörper gegen den Erreger der Syphilis getestet. Dann wird das gespendete Vollblut in einer Zentrifuge in seine einzelnen Bestandteile - die roten und weißen Blutkörperchen, die Blutplättchen und das Blutplasma aufgetrennt. Das gelingt, da die schweren Blutkörperchen (rote Erythrozyten und weiße Leukozyten) im Blutbeutel nach unten sinken, während das Plasma oben bleibt. Zwischen Plasma und Körperchen sammeln sich die Plättchen.

Das Plasma kommt in einen eigenen Beutel und wird sofort eingefroren. Ein Teil geht direkt an die Patienten, rund drei Viertel hingegen werden zur Herstellung von Gerinnungspräparaten für Bluter oder andere Präparate genutzt. Die roten Blutkörperchen hingegen müssen noch gefiltert werden, um alle weiße Blutkörperchen zu entfernen. Diese können nämlich wegen ihrer Funktion in der Immunabwehr Reaktionen und Nebenwirkungen beim Empfänger verursachen.

Eine Spende rettet bis zu drei Leben

Ob bei einer Erkrankung oder nach einem Unfall - Blutspenden rettet leben: DRK-Gebietsreferent Patrick Ploberger (32) spricht über die richtige Vorbereitung und darüber, wem die Blutkonserven helfen.

Kann man sich auf die Blutspende vorbereiten?

Natürlich. Ganz wichtig ist, dass man im ausreichend isst und trinkt. Viele denken an die Blutabnahme beim Arzt, zu der man nüchtern kommen muss - das ist bei einer Spende nicht so. Es unterstützt bei der Blutspende, wenn man vorher einen halben bis ganzen Liter trinkt. Sonst gibt es eigentlich nichts zu beachten. Wir sagen immer: Blut spenden ist einfach - und das ist es tatsächlich.

Wem hilft das gespendete Blut?

Natürlich spielen Verkehrsunfälle eine Rolle - allerdings wird nur ein geringer Teil der Konserven für Unfallopfer benötigt. Über 25 Prozent des gespendeten Bluts geht an Krebspatienten, weitere große Teile werden bei anderen Erkrankungen benötigt. Bei Operationen nach Unfällen liegt der Verbrauch nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich, ist in solchen Fällen aber überlebenswichtig. Wenn Blut benötigt wird, ist man auf Blutspender angewiesen, es kann nämlich nicht synthetisch hergestellt werden.

Wie vielen Menschen kann eine Blutspende helfen?

Mit einer Blutspende können bis zu drei Menschenleben gerettet werden. Das Blut wird in die einzelnen Bestandteile aufgeteilt, und zwar in die roten Blutkörperchen, das Plasma und die Blutplättchen. Der Empfänger bekommt dann nur den Teil, den er tatsächlich benötigt.

Und wer braucht welchen Teil des Bluts?

Rote Blutkörperchen, die sogenannten Erythrozyten, sind beispielsweise der Sauerstoffträger - und werden häufig für Krebspatienten benötigt, da sich bei ihnen häufig nicht ausreichend rote Blutkörperchen im Blutkreislauf nachbilden. Wer Gerinnungsprobleme hat, der bekommt die Thrombozyten, die sogenannten Blutplättchen. Plasma verabreicht man, um zum Beispiel schwere Verbrennungen oder große Blutverluste zu behandeln.

Von Lisa Malecha

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