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Igelzentrum versorgt mehr als 800 Tiere

Grasdorf Igelzentrum versorgt mehr als 800 Tiere

Laatzens größte Igelkolonie liegt in Grasdorf: Seit September 2015 hat das Igelzentrum der Aktion Tier bereits mehr als 800 Tiere aufgenommen. Das Haus am Südtor ist der Menge längst nicht mehr gewachsen, es wurde jetzt deshalb um einen Raum erweitert.

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Heike Philipps zeigt den rund 25 Quadratmeter großen Raum, der dem Igelzentrum im Laatzener Ortsteil Grasdorf seit Oktober zur Verfügung steht.

Quelle: Daniel Junker

Grasdorf. "Wir haben seit dem 1. September 804 Igel versorgt", zieht Heike Phillipps eine erste Bilanz über das Igeljahr, das am 1. September beginnt. "Bis August werden es wohl mehr als 1000 werden" - und das ist längst nicht alles. "Fast 200 Tiere werden von unseren Helfern zuhause versorgt, weil wir nicht genügend Platz haben", berichtet die Vorsitzende des Igelzentrums Niedersachsen ist.

Freilich sind nicht alle Tiere gleichzeitig in der Schutzstation. "Derzeit haben wir 269 Igel hier, 262 schlafen tief und fest." Die restlichen sieben sind entweder zu schwach oder zu unruhig, um Winterschlaf zu halten. Sie werden von den Helfern im Warmraum des Igelzentrums versorgt.

Die Igel wurden von Tierfreunden gefunden und in Grasdorf abgegeben. "Manche wachen auf, weil sie Hunger haben", sagt Philipps. Andere seien verletzt oder zu schwach, um Winterschlaf zu halten. "Die Lebensräume werden immer kleiner, das Futterangebot reicht hinten und vorne nicht." Die stacheligen Tiere müssten sich aber ein Gewicht von mindestens 500 Gramm anfressen, damit sie den Winterschlaf überleben. Wenn sie im Frühjahr aufwachen, haben sie rund ein Drittel ihres Gewichts verloren.

Viele würden beim Winterschlaf aber gestört. Unterbrechungen des Schlafes seien zwar normal, sie würden aber viel Energie zehren. Zusätzliche Wachphasen seien problematisch. "Viele Tiere werden aus diesem Grund zu uns gebracht." In den Winterschlafboxen des Igelzentrums bekommen sie die benötigte Ruhe. Sobald es warm genug ist, werden die Tiere von ihren Findern wieder ausgesetzt.

Im Herbst und Frühling kümmern sich die Helfer insbesondere um schwache und verletzte Tiere. Im August ziehen sie zudem mutterlose Säuglinge auf. "Sie müssen alle zwei bis drei Stunden gefüttert werden, auch nachts", berichtet Philipps.

Rund 30 Helfer kümmern sich beim Igelzentrum um die Tiere, sagt Philipps. 20 von ihnen sind ehrenamtlich dabei, zudem gibt es zwei Teilzeit-Kräfte und acht Mini-Jobber, auch ein Flüchtling hilft mit. Das Igelzentrum finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

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Initiative bittet Gartenbesitzer um Vorsicht

Immer wieder werden verletzte Tiere beim Igelzentrum abgegeben. Häufig würden Menschen nicht auf die stacheligen Bewohner achten, wenn sie ihre Gärten pflegen, sagt Heike Philipps. Dies gelte auch bei der Pflege öffentlicher Flächen.

Gerade im März sei dies ein Problem: Viele würden vor der Brut- und Setzzeit, die am 1. April beginnt, noch schnell ihre Pflanzen stutzen. "Dabei werden die Tiere geweckt oder Igelnester freigelegt", hat Philipps bemerkt. Oft seien sich die Menschen den Gefahren für die Tiere gar nicht bewusst. "Im letzten Jahr mussten wird bestimmt 30 Igel versorgen, die durch Gartengeräte wie Rasentrimmer, Motorsensen, Heckenscheren oder Laubsaugern verletzt wurden." Das Problem: "Igel können nicht flüchten, wenn sie Winterschlaf halten. Es dauert sechs bis acht Stunden, bis sie richtig wach sind. Das wird vielen zum Verhängnis."

Philipps rät dazu, Pflanzen bis zu den Eisheiligen im Mai möglichst wachsen zu lassen und auch das Grün sowie das Laub am Boden nicht zu entfernen. "Wenn Arbeiten unbedingt nötig sind, sollte man das Gelände absuchen und unter den Büschen nachsehen, bevor man anfängt." Außerdem sollten Büsche und Hecken nicht vollständig beseitigt werden.    

Igelzentrum hat einen zusätzlichen Raum

Um alle Tiere versorgen zu können, hat sich das Igelzentrum zusätzlichen Platz verschafft. "Wir haben einen Raum aus dem Nachbargebäude bekommen", sagt Philipps. Ursprünglich sei sogar geplant gewesen, die komplette zweite Hälfte des Doppelhauses zu kaufen, in dem das Igelzentrum beheimatet ist. "Wir hatten  aber nicht genügend Geld." Deshalb hat der Verein im Herbst einen rund 25 Quadratmeter großen Raum des Nachbargebäudes übernommen. Im Oktober haben die Helfer eine Wand durchbrochen und eine Tür eingebaut. Der ursprüngliche Zugang vom Nachbarhaus wurde verschlossen.

Von Daniel Junker

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