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Windwärts feiert 20. Geburtstag seiner ersten Windanlage

Oesselse/Gleidingen Windwärts feiert 20. Geburtstag seiner ersten Windanlage

Das Unternehmen Windwärts hat am Sonnabend den 20. Geburtstag seiner ersten Windkraftanlage auf dem Streitberg zwischen Oesselse und Gleidingen gefeiert. Im Oktober 1995 nahm die Firma dort ihre ersten beiden Anlagen in Betrieb. Mit der Entwicklung dieses kleinen Windparks nahm das Unternehmen seinen Anfang.

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Die Kommanditisten feiern den 20. Geburtstag ihrer beiden Windkraftanlagen zwischen Oesselse und Gleidingen.   Junker

Quelle: Daniel Junker

Oesselse/Gleidingen. 20 Jahre ist es her, seit die ersten beiden Windkraftanlagen auf dem Streitberg zwischen Oesselse und Gleidingen in Betrieb gegangen sind. Damals war Windenergie noch ein Novum, die Technik noch wenig entwickelt. "Nur auf dem Kronsberg gab es schon eine Windkraftanlage", sagte Geschäftsführer Lothar Schulze am Sonnabendnachmittag bei einer kleinen Feierstunde unter den Windrädern. Rund 30 Kommanditisten, die sich an dem Betrieb und somit auch an den Kosten der Anlage beteiligt haben, stießen dort miteinander an.

"Ohne diese beiden Windkraftanlagen würde es Windwärts nicht geben", sagte Schulze, der das Unternehmen mit vier weiteren Mitstreitern im Zuge der Anti-Atomkraft-Bewegung gegründet hat. Die Anlagen waren die ersten, die Windwärts entwickelt und gebaut hat. Die fünf Initiatoren haben Pioniergeist entwickelt", lobte Gudrun Basler, Beiratsmitglied für das Laatzener Projekt, die Ideengeber. "Keiner wusste, wie lange die Anlagen laufen würden." Konkrete Studien habe es damals nicht gegeben. 

Bis heute liefe die Anlagen ohne nennenswerte Probleme. Zwischenzeitlich wurden allerdings die Rotorblätter überholt und die Generatoren erneuert. "Jede der Anlagen hat 150.000 Betriebstunden. Das ist ein irre hoher Wert", sagt Schulze. In dieser Zeit hätten die Anlagen 32 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.

Ingeln-Oesselses Ortsbürgermeister Heinrich Hennies begrüßte das damalige Engagement der Initiatoren. "Sie haben das Risiko nicht gescheut und ihr Kapital in Windenergie eingebracht" - obwohl viele Bürger damals skeptisch gegenüber der Windkraft gewesen seien. "Heute jedoch identifiziert sich der größte Teil der Bevölkerung mit den Anlagen." Das Projekt habe die Erwartungen erfüllt.

Den Standort zwischen Oesselse und Gleidingen hatten die Betreiber gezielt gewählt: Im Zuge einer Windpotentialstudie zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes seien 1992 unterschiedliche Standorte für Windkraftanlagen untersucht worden. "Dabei kam heraus, dass dies hier einer der Top-Standorte in der Region Hannover ist", sagte Schulze. "Es ist vom Wind her eine der am besten geeignetsten Stellen."    

Umgerechnet 1,2 Millionen Euro hatten die rund 300 Beteiligten damals in die beiden Windkraftanlagen investiert. 1997 kamen drei weitere Anlagen auf Sehnder Gebiet für 1,7 Millionen Euro dazu, die heute in einem Verbund zu sehen sind und von den Anlegern in einem Fonds finanziert wurden.

Wie lange die Anlagen noch betrieben werden, steht noch nicht fest. "Der Betonturm hat eine Lebensdauer von etwa 50 Jahren", sagte Schulze. Ob die Anlagen wirklich so lange laufen werden, ist  fraglich. "Wir bekommen die EEG-Vergütung noch fünf bis sechs Jahre lang", sagt Schulze. Das ist die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. "Danach muss man schauen, ob sich der Betrieb noch lohnt." Schließlich müsse die Anlage auch gewartet werden. Zudem zahlt Windwärts regelmäßig Gewerbesteuer.

Insgesamt hätten die fünf gemeinschaftlich betriebenen Anlagen Gesamterträge von 7,5 Millionen Euro eingebracht. Die Betriebskosten beliefen sich bisher auf rund 2,1 Millionen Euro, bis Ende 2014 haben die Betreiber zudem 272.000 Euro an Gewerbesteuern gezahlt. Für Zinsen der Kredite wurden 400.000 Euro fällig. Für den irgendwann notwendigen Rückbau der Anlage wurden zudem Rücklagen gebildet. Unterm Strich seien für die 300 Betreiber rund 3,2 Millionen Euro übrig geblieben. Das sind im Durchschnitt etwa 10.000 Euro pro Anleger.

Wenn die Anlagen einmal zurückgebaut werden, werden auf dem Streitberg keine neuen Windkraftanlagen entstehen. Die Wohnbebauung in Ingeln ist immer dichter an die beiden Windräder herangerückt, die gesetzlichen Mindestabstände zur Wohnbesiedelung wurden hingegen ausgeweitet. Dies verbiete einen erneuten Bau von Windkraftanlagen an dieser Stelle.

Windwärts betreibt heute 152 Anlagen

Heute betreibt Windwärts in Deutschland 152 Windkraftanlagen, davon stehen etwas mehr als 50 in der Region Hannover. Fünf neue Windmühlen baut Windwärts derzeit in Sachsen-Anhalt.

Das Unternehmen plant derzeit zudem die beiden Projekte "Meerberg 2" und Meerberg 3" in der Nähe von Ingeln-Oesselse. Sie befinden sich allerdings im Einzugsbereich einer Drehfunkfeueranlage der Deutschen Flugsicherung, die einen Bau derzeit verhindert. Dagegen hat Windwärts geklagt: Der Radius um die Flugbefeuerung sei in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeweitet worden - "von einem drei-Kilometer-Radius auf mittlerweile 15 Kilometer", sagt Sprecher Stefan Dietrich. Das Verfahren läuft noch.

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Heiner Menzel (von links), Lothar Schulze und Uwe Baumann haben Windwärts zusammen mit Gerhard Schäfer und Roger Lutgen gegründet. Die beiden 20 Jahre alten Windkraftanlagen zwischen Oesselse und Gleidingen waren die ersten, die das Unternehmen errichtet hat.

Quelle: Daniel Junker

Von Daniel Junker

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