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Das sind die Gewinner des Schreibwettbewerbs

Laatzen Das sind die Gewinner des Schreibwettbewerbs

Am Laatzener Jugendschreibwettbewerb haben sich wesentlich mehr junge Autoren beteiligt als in den Vorjahren. 27 Beiträge wurden beim Kunstkreis eingereicht – das sind elf mehr als 2015. Am Sonntag wurden die Gewinner geehrt – in beiden Kategorien hatten Autoren aus Laatzen die Nase vorn.

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Olivia Golla (12, von links), Fay Marie Fischer (12) Leonie Hansen (15), Florian Elbrand (10), Timon Renzelmann (16) und Janina Klenke (15) sind die besten Schreiber. Die beiden Zweitplatzierten Melis Yilmaz und Zora Niemann waren bei der preisverleihung nicht anwesend.

Quelle: Junker

Laatzen. Die Qualität der Beiträge sei in diesem Jahr besonders hoch gewesen, lobt Uwe Märtens, Jurymitglied des Calenberger Autorenkreises, die eingesandten Beiträge bei der sechsten Ausgabe des Jugendschreibwettbewerbs. „Ihr hattet sehr gute Ideen, es hat wirklich Spaß gemacht, eure Texte zu lesen.“

Siegertext Klassse 5 bis 8

Das geborgte Abenteuer

Jetzt bin ich mal dran!", drängte Timon ungeduldig. Er wollte unbedingt erzählen, was er in den Herbstferien gemacht hatte. Jeder war irgendwo weg gewesen: Henry war auf Hawaii, Frank in New York und Timon war höchstwahrscheinlich dort mit seinen Eltern gewesen, wo jeder hin wollte. Nur ich war die ganze Zeit zuhause gewesen, weil meine Eltern arbeiten mussten. Durch die vielen Bücher, die ich in der Zeit gelesen hatte, war mir nie langweilig gewesen. Auch ich hatte das Gefühl, viel Spannendes in den Ferien erlebt zu haben. Aber das konnte ich meinen Freunden kaum klar machen. Sie würden mich nur auslachen. Timons Prahlen riss mich aus meinen Gedanken: „...und dann war da ein Tiger, der uns angreifen wollte. Aber glücklicherweise schafften wir es rechtzeitig, in den Wagen zu steigen und zu flüchten!" Ich fragte mich im Gedanken, ob Timons Geschichte wohl wahr sein konnte. „Moment, das ist die Idee!", schoss es mir durch den Kopf. Eines der Bücher, das mir besonders gefallen hatte, handelte von einem Jungen meines Alters und seinem Abenteuer in den Alpen. „Dieses Abenteuer könnte ich mir borgen!"

Frank drehte sich zu mir: „Und? Was hast du erlebt?" Ich spürte förmlich, wie sich die Blicke auf mich richteten. „Ich... ähm... war in den Alpen", stotterte ich. „Anfangs war das sehr langweilig, weil wir immer nur auf den Wegen wanderten und uns Dörfer ansahen. Aber nach dem zweiten Tag hatte ich genug: Ich schlich mich nachts aus der Ferienwohnung und kletterte über die steilen Felsen die Berge hinauf." Damit hatte ich das Interesse meiner Mitschüler offensichtlich geweckt. „Es war stockdunkel, nur einige Sterne erhellten die Nacht. Ich hatte auch meine Taschenlampe dabei. Als ich weiter kletterte, bemerkte ich plötzlich, wie der Boden unter meinen Füßen nachgab. Ich stürzte in die Tiefe! Unten angekommen, schaute ich mich um. Ein Blick nach oben verriet mir, dass ich einen anderen Ausweg suchen musste. Und das schnell, denn ich wollte unbedingt verhindern, dass meine Eltern von meinem nächtlichen Ausflug Wind bekamen."

Ich erzählte, wie ich durch die vielen dunklen Gänge irrte. Aus irgendeinem Grund hatte ich plötzlich das Gefühl, immer tiefer in die Geschichte hineinversetzt zu werden. Die Grenze zwischen mir und dem Jungen aus dem Buch schwand in meinen Gedanken. Ich fühlte mich, als wäre ich wirklich durch die vielen unterirdischen Tunnel geirrt und hätte einen Ausgang gesucht. Ich konnte kaum aufhören zu erzählen. „Es fühlte sich fast wie eine Falle an. Das Höhlensystem kam mir endlos vor." In einer kunstvollen Pause bemerkte ich, dass mir meine Zuhörer an den Lippen hingen. „Und dann ging es endlich wieder nach oben", setzte ich meine Erzählung fort. „Ich war erleichtert. Doch nach einiger Zeit kam ich nicht ans Licht sondern in eine alte Grabkammer. In der Mitte stand eine große längliche Truhe, die wie ein Sarg aussah. Auf ihrem Deckel war uralter Schmuck ausgebreitet. In der Ecke der Kammer stand eine alte Kiste, die ich mir ansah. Sie war aus verrostetem Eisen und mit Ornamenten bestückt. Als ich sie zu öffnen versuchte, vernahm ich ein dumpfes Grollen direkt hinter mir. Ich bekam eine Gänsehaut und zog sofort die Finger von der Kiste weg."

Gebannt sahen mich meine Freunde mit einem Blick an, der mich unmissverständlich aufforderte, meine Erzählung fortzusetzen. Trotzdem brauchte ich eine kurze Pause, um meine Gedanken zu sortieren. Denn in dem Buch, das mir als Vorlage für mein Abenteuer diente, tauchte an diesem Punkt der Handlung ein Geist auf. Aber diesen Teil der Geschichte konnte ich mir bestimmt nicht borgen: Zu unwirklich erschien mir diese Wendung der Erzählung.

Daher setze ich die Geschichte besser so fort: „Ich sah mich weiter in der Grabkammer um. Sie war höher und größer als der Rest der Höhle. Es gab den Gang, durch den ich gekommen war sowie einen etwas tiefer liegenden engen Gang, der in die andere Richtung führte. Bevor ich meinen Weg durch diesen zweiten Gang fortsetzte, spähte ich prüfend hinein. An den Seiten erkannte ich sehr raues, mit Algen überzogenes Gestein. In diesem Moment hörte ich das Grollen erneut, diese Mal verbunden mit einer Art Rauschen. Und dann kam das Wasser. Ein viel zu kalter Strom riss mich mit und drängte sich mit Kraft durch den engen Gang." Irgendwie hatte ich das Gefühl, selber im kalten Wasser geschwommen zu sein und um ein Entkommen gekämpft zu haben. „Ich wusste jetzt, weshalb es in dem Gang Algen gab, in den ich von den Wassermassen geschwemmt wurde: Er wurde regelmäßig überflutet. Diese Erkenntnis half mir allerdings gerade auch nicht weiter. Mit letzter Kraft schaffte ich es, mich umzudrehen. Da – ein Felsvorsprung!

Ich machte einen schnellen Zug zur Seite und klammerte mich fest. Das Wasser brauste an mir vorbei. In großer Anstrengung zog ich mich hoch. Nun war ich auf einem regalbrettartigen Vorsprung. Durch die Wanderung und das nicht ganz freiwillige Schwimmen war ich so erschöpft, dass ich einschlief."

Meine Zuhörer waren noch gebannt und wollten wissen, wie es weiter ging. Durch das Vermeiden eines Geisterauftritts hatte ich ein wesentliches Element der Geschichte aus dem Buch ausgespart. Daher musste ich nun versuchen, den Anschluss an die Haupthandlung wiederzufinden, die mir als Vorlage diente. „Ähh...", überlegte ich. „Ähh – und dann bin ich irgendwann aufgewacht. Ich hatte meine Taschenlampe im Strom verloren, doch irgendwo von oben drang ein schwacher Lichtschein zu mir. Als ich meinen Kopf reckte, vernahm ich über mir eine Bewegung. Auf einem weiteren Felsvorsprung saß eine Katze. Eine graue, struppige Katze. Sie saß einfach nur da und sah auf mich herab.

Dann lief sie plötzlich nach rechts weg. Ich versuchte, an den Felsen entlang zu klettern, um der Katze zu folgen. Der Felsen war so rutschig, dass ich mehrfach abrutschte. Es war wie ein harter Kampf, aber Stück für Stück ging es vorwärts und dann sah ich es: Tageslicht! Ich kletterte so schnell ich konnte ins Freie. Der Platz, an dem der Höhlengang endete, befand sich an einer Lichtung in einem Tannenwald. Beim Schlafen waren meine Kleider fast wieder getrocknet, so dass ich behaupten konnte, ich hätte einen kleinen Morgenspaziergang gemacht. Als ich aus dem Tannenwald kam, sah ich mein Feriendorf in der Ferne... Glaubt mir, ich war noch nie in meinem ganzen Leben so froh. Meine Eltern sah ich beim Frühstück wieder. Sie kauften mir meine Morgenspaziergang-Geschichte ab.

Obwohl ich am liebsten schlafen gegangen wäre, blieb mir nichts anderes übrig, als mit meinen Eltern wieder eine dieser langweiligen Wanderungen zu unternehmen. Allerdings führte der Weg dieses Mal an einem Natur-Informations-Zentrum vorbei. Unmotiviert stöberte ich ein wenig in der Ausstellung herum. Doch dann entdeckte ich plötzlich Bilder von Wildkatzen. Die Tiere darauf sahen genauso aus wie die Katze in der Höhle, die mich am frühen Morgen zum Ausgang geführt hatte."

Das Läuten zur nächsten Schulstunde setzte meiner Abenteuergeschichte ein willkommenes Ende. Mir war ein wenig mulmig und ich fürchtete ein wenig, mich bei Fragen meiner Freunde in Widersprüche zu verstricken. Zum Glück gab es auch später nie weitere Nachfragen oder Gespräche über mein geliehenes Ferienerlebnis. Ich nahm mir aber vor, dass ich mir keine weiteren Abenteuer borgen würde, nur um meine Mitschüler für einen kurzen Moment zu beeindrucken...

Von Florian Elbrandt

Siegertext Klasse 9 bis 13

Kaffee für Zombies

"Hast du Lust auf ein Abenteuer?"

Ich werfe einen Blick auf die Uhr. 2:44. Ich lege auf.

Es dauert keine ganze Minute, da klingelt mein Handy erneut.

„Hör zu Holland, ich hab keine Ahnung in welchen Schwierigkeiten du steckst und warum – und ich will es auch gar nicht wissen, auch wenn mir da schon ein paar Möglichkeiten einfallen würden – aber wenn du mich noch einmal um zwei Uhr nachts anrufst, fahre ich höchstpersönlich zu deinem Haus und bewerfe es mit verfaulten Eiern."

Und dann schüttele ich mich, weil so ein langer Satz in meinem schlaftrunkenen Zustand anstrengender auszusprechen ist, als man denken mag.

Kurz herrscht Stille zwischen mir und dem Handy in meiner Hand, dann räuspert sich Holland.

„Schlechter Tag?"

„Ja"

„Soll ich das ändern?"

„Auf gar keinen Fall." Und ich lege erneut auf, bin schlau genug, die Lautstärke meines Klingeltons auf null zu drehen und presse meinen Kopf in das nachtblaue Kopfkissen, in dem verzweifelten Versuch, möglichst schnell wieder in dem Schlaf zu driften.

Mir bleiben ziemlich genau sechs Minuten, in denen ich mich verzweifelt hin und her wälze und die tiefsten Abgründe meines Gehirns nach Schimpfwörtern absuche, die angemessen sind, um sie Holland bei unserer nächster Begegnung an den Kopf zu werfen.

Dann klingelt es an der Tür.

„Nein", stoße ich aus. Mein Kopf brummt.

Es klingelt erneut.

„Verpiss dich", schreie ich durch die Wohnung.

„Mach die verdammte Tür auf, Thomas!", erwidert Holland in der gleichen ohrenbetäubenden Lautstärke.

„Meine Nachbarn schlafen!", antworte ich, was zwar die Wahrheit ist, aber angesichts der Tatsache, dass ich auch schreie, kein Argument und außerdem hat sie sowieso gewonnen – halbblind taumele ich durch mein Schlafzimmer und breche mir beinah den Zeh, als ich gegen meine Stehlampe laufe, die ich im Internet als Nachttischlampe bestellt habe, bevor ich dann, als der Postbote sie geliefert hat, begriff, dass sie tatsächlich fast eineinhalb Meter größer war, als ich gedacht hatte.

Die Tatsache, dass Holland sich vor Lachen solide fünf Minuten auf dem Boden gewälzt hat, als ich sie um Hilfe beim Aufbauen gebeten habe, steigert meine Vorfreude sie zu sehen nicht besonders.

Ich drehe den Schlüssel im Schloss um und seh mich meiner Freundin gegenüber, nur dass ich sie erst auf den zweiten Blick als diese erkenne, da sie sich das komplette Gesicht weiß geschminkt hat, mit undefinierbaren roten Strichen und auffällig dunklen Augenrändern.

Ich mustere sie ein paar Sekunden mit hochgezogenen Augenbraunen.

„Bist du überfallen worden?"

Bevor sie antworten kann, schneide ich ihr das Wort ab. „Ich hoffe es mal für dich, das wäre nämlich die einzige akzeptable Ausrede um mich um zwei zu wecken."

„Ich bin ein Zombie."

Ich atme hörbar aus.

„Ach komm, Thomas", ärgerlich fährt sie sich durch die wirren Haare, „Es ist Halloween."

„Ja", sage ich, „seit zwei Stunden. Findest du nicht, du hättest wenigstens bis morgens warten können?"

„Nein", erwidert sie knapp, „und jetzt begeben wir uns auf ein Abenteuer."

Das Abenteuer stellt sich als spontaner Ausflug in die Stadt heraus, nur wohin genau, das will sie mir nicht sagen, als ich ein paar Minuten später in meinem ‚The Flash‘-Pyjama, aufgemalten Schnurrhaaren und einem Katzenohrenhaarreif in ihrem schwarzen Impala sitze und vor mich hin starre.

„Waren die Ohren wirklich notwendig?", frage ich in dem genervtesten Tonfall, den ich zustande bringe, aber unser Abenteuer fängt gegen meinen Willen an, mir Spaß zu machen und lässt meine Stimme so hoch klingen, dass sie sich auf einer Skala von Benedict Cumberbatch bis Micky Maus ungefähr bei Tinkerbell einordnen ließe. Ich räuspere mich und fange mir damit ein breites Grinsen von Holland ein. Ich lächele seufzend zurück.

Das Lächeln vergeht mir, als ich mich etwas später im Pyjama vor der Starbucksfiliale in der Innenstadt wiederfinde.

„Nein"

„Abenteuer, weißt du noch Thomas?" Holland greift nach meiner Hand und versucht, mich aus dem Auto zu zerren.

„Was ist denn hieran bitte ein Abenteuer?", keife ich und verschränke die Arme vor der Brust.

„Was ist hieran bitte kein Abenteuer?"

„Alles. Das hier ist das unabenteuerlichste Abenteuer, auf dem ich je war. Du gehst in der Wildnis auf Abenteuer oder im Meer oder von mir aus auf dem Mond, aber doch nicht bei Starbucks."

„Sagt wer?"

Ich zucke hysterisch mit den Schultern. „Was weiß ich? Abenteurer?"

„Dann liegen die eben falsch!", ruft Holland in erschreckender Lautstärke und schlägt frustriert auf den Fellüberzug ihres Lenkrades, „was wissen die denn?"

Sichtlich aufgebracht lässt sie sich in den Sitz sinken und blickt mich aus ihren großen, mit Theaterschminke zugekleisterten Augen an.

„Was wissen die, Thomas? Ein Abenteuer, das ist den Alltag hinter sich zu lassen. Das ist Auszubrechen, aus dem Teufelskreis, der sich hinter dem Wort Normalität versteckt, das ist etwas tun, das nicht so grau ist, wie alles. Abenteuer sind bunte Fetzen im Schwarzweißfilm, in dem wir die Hauptrollen spielen, Abenteuer sind darauf zu scheißen, wann der Rest der Welt Halloween feiert und sich stattdessen genau dann als Zombie und Kätzchen zu verkleiden, wenn man es will. Ein Abenteuer ist es, um zwei Uhr nachts im Pyjama einen Pumpkin Spice Latte zu trinken, einfach weil wir es können und weil ich verdammt nochmal seit einem Jahr keinen Pumpkin Spice Latte hatte."

Ein paar Sekunden herrscht Stille.

„Wow", sage ich.

Holland hustet.

„Trockene Kehle?"

„Das kam jetzt eben ein bisschen unerwartet", meint sie und reibt sich den Hals, „vielleicht gibt es einen Grund warum ich normalerweise Nachts nicht mit anderen interagiere."

„Also ich fand das gerade ziemlich poetisch. Hab in der Mitte kurz den Faden verloren, aber zum Ende hin wurde das nochmal richtig gut."

„Danke", sagt sie und hustet erneut.

„Na komm", sage ich mit einem federleichten Lächeln auf den Lippen und lege ihr die Hand auf die Schulter, „holen wir dir einen Kürbiskaffee. Stürzen wir uns ins Abenteuer."

Von Leonie Hansen

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