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„Flüchtlinge sind ein Wirtschaftsfaktor“

Laatzen-Mitte „Flüchtlinge sind ein Wirtschaftsfaktor“

Die Integration der wachsenden Zahl von Flüchtlingen ist nur zu schaffen, wenn der Bund seine Gesetze anpasst und Land und Kommunen entlastet, hieß es beim Stadtgespräch mit der SPD-Landtagsabgeordneten Doris Schröder-Köpf.

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Prominente Referentin zum Thema Flüchtlinge: Die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf spricht vor rund 40 Zuhörern beim Laatzener Stadtgespräch im Café Marie des Stadthauses.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. Betont wurde, dass Flüchtlinge auch „Investoren und ein Wirtschaftsfaktor“ seien. „Es sind nicht die Ärmsten und Ungebildeten, die kommen, sondern die, die in der Lage sind, Flucht zu organisieren“, betonte Schröder-Köpf am Donnerstag vor mehr als 40 Zuhörern im Stadthaus. Etwa 20 000 US-Dollar zahlten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten für ihre teilweise Jahre dauernde Flucht. Unter den weltweit 60 Millionen Flüchtlingen sind laut UN-Flüchtlingshilfswerk aber auch 51 Prozent Kinder. „Es gab noch nie so viele unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge“, sagte die Politikerin.

Bezogen auf die allein dieses Jahr in Niedersachsen erwarteten rund 30.000 Flüchtlinge - davon viele traumatisiert - und die überfüllten vier Erstaufnahmelager sagte Schröder-Köpf: „Die Kommunen haben nicht ausreichend Zeit sich vorzubereiten, wer kommt.“ Es gebe erste Sprachstunden und Wegweiser zum Leben in Deutschland in den Aufnahmelagern, und es würden dort Qualifikationsstand und Unterstützungsbedarf abgefragt. Angesichts der steigenden Zahl von Flüchtlingen würden diese aber nun schneller an die Kommunen „weitergereicht“.

„Wir werden durch einen Wust an Vorschriften gehindert“

Dem Wunsch nach dezentraler Unterbringung steht in Städten wie Laatzen die Wirklichkeit der Wohnungsnot entgegen. „Wir werden nicht umhinkommen, Einrichtungen dichter zu belegen“, sagte der Laatzener Teamleiter Thomas Schrader - was wiederum sozialen Sprengstoff berge. Binnen kurzer Zeit müssten Einrichtungen entstehen, doch baurechtlich sei das kompliziert. „Wir werden durch einen Wust an Vorschriften daran gehindert“, erklärte Schrader.

Schröder-Köpf unterstützte den Wunsch nach Anpassungen im Baugesetz und bezog auch die Sozialgesetze mit ein. „Wir wollen das Asylbewerberleistungsgesetz abschaffen.“ Es stamme noch aus einer Zeit, in der es eine hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland gab und viele Asylanträge abgelehnt wurden. Heute sei die Lage anders: „Viele Flüchtlinge werden bleiben, und es ist vernünftig, sie gleich ordentlich aufzunehmen.“

Dass durchdachte Flüchtlingspolitik ein Investitionsfaktor sein kann, von dem die Wirtschaft profitiert, betonte auch Reinhold Fahlbusch. „Jemand, der es vom südlichen Sudan nach Hannover-Linden geschafft hat, ist kein Flachwurzler“, sagte der Mitbegründer des Sozialkaufhauses Fairkauf. Noch nie habe es so viele unbesetzte und offene Lehrstellen gegeben. Das Aslybewerberleistungsgesetz, wonach Flüchtlinge erst nach Deutschen, EU-Bürgern, solchen aus der Europäischen Wirtschaftsregion, Drittstaaten und weiteren eine Stelle annehmen dürften, sei „großer Mist“. „Die Wirtschaft sollte selbst entscheiden, wen sie braucht.“

Ausdrücklich lobte Schröder-Köpf das ehrenamtliche Engagement durch die Gründung von Netzwerken, die Spendenbereitschaft der Bevölkerung und andere Hilfen. Niedersachsen sei diesbezüglich „spitze“- womöglich auch, weil 20 Prozent der Bevölkerung selbst Krieg und Flucht erfahren hätten.

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