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Schüler berichten Senioren über NS-Verbrechen

Alt-Laatzen Schüler berichten Senioren über NS-Verbrechen

Drei Schüler der Albert-Einstein-Schule haben am Freitag beim Christlichen Seniorenbund Immanuel Facharbeiten präsentiert, die sie im Rahmen des Seminarfach "Erinnern statt vergessen" erarbeitet haben. Die 25 Zuhörer waren von der Qualität der Vorträge angetan. Nun ist eine Fortsetzung geplant.

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Nadin Zaya (18) referiert beim Christlichen Seniorenbund Immanuel über das Thema "Ausgrenzung von Minderheiten im historischen Vergleich".

Quelle: Daniel Junker

Alt-Laatzen. Sollten die drei Schüler vor der Präsentation ihrer Facharbeiten aufgeregt gewesen sein - man hat es ihnen keinen Moment lang angemerkt. Die Jugendlichen trugen ihre durchaus nicht ganz einfachen Themen sehr gekonnt vor, wie auch die 25 Besucher der Veranstaltung im Alt-Laatzener Seniorentreff bemerkten. "Ich finde es sehr beachtenswert, wie souverän die Schüler ihre Referate vorgetragen haben", sagte Gabi Schlüter.

Die Schülerin Carolin Falke etwa ließ sich noch nicht mal aus der Ruhe bringen, als der Laptop mit der vorbereiteten Präsentation mit leerem Akku den Dienst quittierte. Die 17-Jährige trug die Ergebnisse ihrer Facharbeit, in der sie sich mit dem durchaus sensiblen Thema des "Paragraphen 175" beschäftigt, kurzerhand frei vor. Der besagte Paragraf hatte in der Zeit von 1872 bis 1994 Homosexualität unter Strafe gestellt. Den Schwerpunkt ihres Vortrags legte Falke dabei auf das Thema "Homosexualität im Dritten Reich".

Den Anfang machte am Freitagnachmittag aber Nadin Zaya, die den Senioren ihr gewähltes Thema "Ausgrenzung von Minderheiten im historischen Vergleich" vorstellte. In den Blick genommen hat sie dabei insbesondere die Ausgrenzung von Christen und Juden im arabischen Raum - und schlug einen Bogen vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. So machte sie zum Beispiel deutlich, dass auch die Terroristen des Islamischen Staats (IS) mit dem Buchstaben "N" in arabischer Schrift Christen stigmatisieren. Insbesondere in der IS-Hochburg Mossul würden Häuser von Christen mit diesem Symbol gekennzeichnet.

Ihr Mitschüler Zanjer Shaida hatte sich für seine Facharbeit das Thema "Die Polizei im Dritten Reich" ausgesucht. "Mein Thema ist vielleicht nicht ganz so außergewöhnlich wie das von Nadin, aber trotzdem sehr spannend", kündigte der 17-Jährige zu Beginn an - und sollte recht behalten. Shaida hob dabei heraus, wie sehr die Polizei bei der Judenverfolgung eine Rolle gespielt hat. Dabei zeigte er auch die Entwicklungen auf, mit denen die Nationalsozialisten die Polizei infiltrierten und hohe Positionen nach und nach mit SS-Führern besetzten. Auch für Massenerschießungen sei die Polizei verantwortlich gewesen.

Auf das Thema sei er durch einer Seminarfahrt nach Berlin aufmerksam geworden, bei der die Schüler unter anderem das Dokumentationszentrum "Topografie des Terrors" besucht hätten. Dort werde unter anderem der Reichssicherheitsapparat und speziell die Polizei im Dritten Reich thematisiert, sagte er.

Den vierten geplanten Vortrag zum Thema "Rechtsextremismus in deutschen Fußballstadien" trug Fabian Ludwig nicht vor. Er konnte aus persönlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen, sagte Wilhelm Paetzmann, Lehrer des Seminarfachs "Erinnern statt vergessen".

Werner Läwen, Vorsitzender des Christlichen Seniorenbunds, lobte den "ganz unkomplizierten Dialog über zwei Generationen hinweg".  Die Schüler hätten sich tief in ihre Themen eingearbeitet und diese mit einer hohen Sicherheit vorgetragen. "Wenn ich diese Referate höre, habe ich um die Zukunft der demokratischen Kultur keine Angst", sagte auch Zuhörer Klaus Schlüter.   

Allerdings hätte sich Läwen etwas mehr Besucher gewünscht. "das Mobilisierungsproblem ist für uns aber nicht ganz neu", sagte er. "Es ist eine Sache der Verdrängung nach dem Zweiten Weltkrieg. Da ist immer noch viel Schmerz, Scham und Ärger vorhanden."

Paetzmann und Läwen machten deutlich, dass sie die Veranstaltung im nächsten Jahr in ähnlicher Weise fortsetzen wollen.

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Von Daniel Junker

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