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Ehrenmal-Debatte: Wie gedenkt man der Toten?

Alt-Laatzen Ehrenmal-Debatte: Wie gedenkt man der Toten?

Wie geht es weiter mit dem Ehrenmal in Alt-Laatzen? 40 Interessierte haben am Mittwochabend bei einer sehr sachlich geführten Diskussion über die Möglichkeiten der Umgestaltung des Denkmals und die Gedenkkultur in Laatzen gesprochen

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Axel Saipa vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge moderiert die Veranstaltung im Treffpunkt Alt-Laatzen, bei der 40 Besucher über die Zukunft des Ehrenmals diskutieren.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen. Erstes Ergebnis: Vier Arbeitsgruppen, an denen auch Schüler beteiligt sind, erarbeiten Vorschläge zum weiteren Vorgehen. Vier Schwerpunkte haben sich die Arbeitsgruppen gesetzt: Die erste beschäftigt sich unter dem Titel „Kunst, Design, Ambiente“ mit dem Ehrenmal und der unmittelbaren Umgebung. Eine zweite soll das Wort „Opfer“ näher definieren - im Zusammenhang mit der ursprünglichen Ausrichtung des Denkmals, das den Gefallenen der Weltkriege gewidmet ist. Eine dritte Arbeitsgruppe trägt Informationen zur Geschichte des Denkmals zusammen, die vierte soll sich Gedanken darüber machen, wie die Gedenkkultur in Laatzen künftig gelebt werden kann.

Vorausgegangen war eine mehr als einstündige Diskussion, die erstmals von Axel Saipa vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge moderiert wurde. Rund 40 Bürger tauschten dabei ihre Gedanken zum Ehrenmal und zur Gedenkkultur allgemein aus.

Gleich zu Beginn machte Saipa deutlich, dass eine grundlegende Umgestaltung des Denkmals wohl nicht infrage kommt: „Die Denkmalbehörde wird keine Genehmigung erteilen, wenn ein Kulturdenkmal zerstört, gefährdet oder so verändert wird, dass ihr Denkmalswert beeinträchtigt wird.“ Gleichwohl könnten Tafeln angebracht werden, die zum Beispiel den Zeitgeist bei Errichtung des Denkmals beleuchten.

Mehrere Besucher sagten, dass eine Definition des Wortes „Opfer“ notwendig sei, denen das Denkmal gewidmet ist. „Es sind nicht nur Opfer zu Tode gekommen, sondern auch viele Täter“, gab Klaus Schlüter zu bedenken. Saipa regte an, das Denkmal könne auch Opfern aktueller Konflikte gewidmet werden. Nadin Adnan Zaya, Schülerin der Albert-Einstein-Schule, sprach sich dagegen aus. „Ich halte das für unnötig. So würde das Denkmal aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gerissen.“ Damit stieß sie bei mehreren Beteiligten auf Zustimmung.

Eberhard Wolkenhaar merkte an, dass nicht nur Soldaten zu Opfern wurden. „Es gab auch viele andere, die für unsere Gemeinschaft gestorben sind.“ Jeder gedenke anders, es benötige bei der Definition deshalb nicht unbedingt vieler Worte. „Worte können auch missverstanden werden.“

Sollte das Ehrenmal so bleiben, wie es ist, müsse es aus Sicht von Pastorin Sabine Preuschoff einen weiteren Gedenkort geben. „Wir brauchen einen Ort, an dem zukunftsorientiertes Gedenken in Verbindung mit dem Friedensgedanken möglich ist.“ Dieser sei insbesondere für junge Menschen notwendig.

Bereits seit 2012 steht das Denkmal in der Kritik

Das Ehrenmal für die Toten der Weltkriege an der Alten Rathausstraße wurde 1934 maßgeblich von Nationalsozialisten errichtet. Die Debatte kam in Gang, nachdem die Stadt 2012 angekündigt hatte, die Reinigungskosten nicht mehr zu übernehmen. Im Zuge dessen hatte der Laatzener Joachim Gottschalk angeregt, die Gedenkfeier der Volkstrauertage „nicht mehr am Ehrenmal Laatzen mit dessen nationalsozialistischem Charakter durchzuführen, bis das Ehrenmal derart verändert worden ist, dass es der Werteordnung des Grundgesetzes entspricht“.
Danach kam es zu einer jahrelangen, teils hitzig geführten Debatte im Ort. Sogar ein Abriss des Denkmals war zeitweise im Gespräch. Zum Volkstrauertag 2012 wurde das besonders kritisierte Schwert mit der Aufschrift „Treue um Treue“ verhüllt – was wiederum andere Laatzener kritisierten. Anfang 2013 beschloss der Ortsrat, dort vorerst keine Gedenkfeiern mehr abzuhalten. Als Alternative wurde der Gedenkstein für die Weltkriegsopfer der SpVg Laatzen vom Sportplatz vor die Alt-Laatzener Kapelle versetzt. Doch auch dieser Gedenkstein geriet in die Kritik. Die SpVg hat den Stein mittlerweile zurückverlangt und an den Treffpunkt Alt-Laatzen versetzt.

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