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Einwanderer erzählen vom Ankommen in Deutschland

Laatzen-Mitte Einwanderer erzählen vom Ankommen in Deutschland

"Bin ich angekommen?" – Diese Frage haben sich Einwanderer im Stadthaus Laatzen stellen lassen und von ihren Erlebnissen auf dem Weg der Integration erzählt. Zu dem von der SPD-Landtagsabgeordneten Silke Lesemann moderierten Gesprächsabend eingeladen hatte das Team der Gleichstellungsbeauftragten.

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"Die Sprache ist das A und O": Ali Alavi (von links), Shar Muhy , Nazila Mafi, Shahrzad Ezazi, Mohammed Sadat und Zeinab Rezaei erzählen der Moderatorin des Gesprächsabends Silke Lesemann und den Zuhören im Café Marie von ihrem Ankommen in Deutschland.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen-Mitte. Ali Alavi war elf, als er 1995 aus dem Iran und zunächst nach Braunschweig in die Schule kam: "Ich saß da, habe kein Wort verstanden und nicht gesprochen." Er sei deshalb viel gehänselt worden. Geholfen hätten ihm die Deutschkurse, weil dort Umgangssprache und kulturelle Besonderheiten vermittelt wurden.

Im Vergleich zur Elterngeneration sei es für ihn leicht gewesen, sich auf neue Umgebung, Geschmäcker ("das Essen und selbst das Wasser schmeckt anders") und Gewohnheiten einzustellen – und die Sprache zu lernen. "Die Sprache ist das A und O", sagt der ehemalige Schüler der KGS Laatzen in akzentfreiem Deutsch. Wer sie nicht beherrsche, werde nicht ernst genommen, schlechter bezahlt, es komme zu Missverständnissen und das Selbstbewusstsein leide. Ob alle ahnen, wie sich Eltern fühlen, wenn die Kinder als Dolmetscher fungieren oder Behördenbriefe übersetzten müssen? Gleichwohl: "Man muss auch selbst etwas tun, offen und anpassungsfähig sein", betont Alavi, der sich vollständig angekommen fühlt. "Ich bin schon assimilierter als mancher Deutscher."

Shar Muhy kam vor 16 Jahren mit ihren Kindern nach Deutschland. Im Irak arbeitete sie für Iraqi Airways und reparierte Flugzeuge. In Deutschland begann sie als Reinigungskraft. "Ich musste bei Null anfangen", erzählt Muhy. Das sei nicht einfach gewesen, sie habe aber die Situation akzeptiert und machte viele gute Erfahrung: Nachbarn kamen, brachten Bücher und halfen wo es ging.

Neugierig sein, auf Menschen zugehen - selbst wenn es mal vereinzelt eine schlechte Erfahrungen gibt. Das ist wichtig auf dem Weg der Integration. Sie fühlt sich inzwischen angekommen, ebenso wie der 21-jährige Mohammed Sadat aus Afghanistan, die Laatzener Jugendsozialarbeiterin Nazila Mafi und Shahrzad Ezazi, die beide iranische Wurzeln haben. Als Ezazi mit 23 Jahren nach Deutschland kam, musste sie sich außer an eine neue Kultur und Sprache auch an die Tatsache gewöhnen, dass ihr Anglistik-Studium in Deutschland nicht anerkannt sondern zum Realschulabschluss abgestuft wurden. "Das war ein Schock." Doch sie berappelte sich, lernte viel, schloss eine Ausbildung zur Bürokauffrau ab und heiratete einen Deutschen. Seit einigen Jahren arbeitet die Mutter zweier Kinder bei einem Unternehmensberater und bietet nebenbei Kurse zum orientalischen Tanz an. "Wenn Du im Iran groß geworden bist, hast du dort deine Erinnerungen und Familie", betont die heute 42-jährige Pattenserin. Das Leben entwickele sich aber weiter. "Ich fühle mich in Deutschland wohl."

Wichtig bei der Integration sei Verständnis und Entgegenkommen von allen Seiten, so der Tenor des 90-minütigen Gesprächsabends, der bewusst locker gehalten war und Perspektiven aufzeigen sollte, statt Patentrezepte zu finden. Ein Wunsch wurde aber doch formuliert: Behördenbriefe sollten, zumal für Migranten, in einfachem, verständlichem deutsch geschrieben sein, als kleiner Beitrag zu mehr Selbständigkeit und der schnelleren Integration.

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Quelle: Astrid Köhler

Von Astrid Köhler

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