Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Gegen(rad)verkehr, nein danke

Laatzen-Mitte Gegen(rad)verkehr, nein danke

Das Verbot, als Radfahrer links entlang der Erich-Panitz-Straße zu fahren, wird von vielen ignoriert. Die Politik wollte diese Praxis zuletzt legalisieren, nimmt nun aber Abstand von dieser Idee: Grund ist ein Expertengespräch Anfang dieser Woche.

Voriger Artikel
Schnelleres Internet für Laatzen
Nächster Artikel
Mehrheitsgruppe will stadtweites WLAN

Derzeit dürfen Fahrradfahrer auf der Erich-Panitz-Straße nur in eine Fahrtrichtung fahren.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen. Das Leben kann umständlich sein: Wer mit dem Fahrrad nach links auf die Erich-Panitz-Straße abbiegen will, muss eigentlich über vier Spuren hinweg die Straßenseite wechseln, dort ein Stück fahren, und dann erneut - und manchmal zwei Ampelphasen lang - auf die nächste Querung warten. Da liegt der direkte Weg in Gegenfahrrichtung nahe - ist aber verboten und wird von der Polizei immer wieder geahndet.

SPD und Grüne im Ortsrat Laatzen versuchen deshalb schon seit Längerem, eine Änderung herbeizuführen, stießen bislang jedoch auf rechtliche Bedenken der Stadtverwaltung. Am Montag nun kamen Vertreter von Politik, Stadtverwaltung, Polizei, Region und des Radfahrerverbands ADFC mit Verkehrsexperten zum klärenden Gespräch zusammen. Das Ergebnis fiel für die Kommunalpolitiker offenbar ernüchternd aus.

„Für uns ist das Thema im Prinzip erst einmal erledigt“, sagte der Sprecher der SPD-Ortsratsfraktion, Heinz Scheibe. Zu schlagend seien die Argumente der Experten gewesen. „Man muss auch dazulernen dürfen“, ergänzte Grünen-Ratsherr Gerd Apportin.

Ein solches Argument sind die Unfallzahlen: Wer mit dem Rad in die falsche Richtung fährt, erleide durchschnittlich drei- bis viermal häufiger Unfälle als diejenigen, die sich an die Regeln halten, berichtete der Verkehrsforscher Dankmar Alrutz (siehe Interview unten). Bei einer Freigabe mit entsprechender Ausschilderung sänken die Zahlen zwar, aber die Gefahr bleibe. Conrad Vinken von der Region Hannover unterlegte dies mit konkreten Unfallzahlen. „26 Prozent aller Radfahrunfälle sind auf gegenläufigen Verkehr zurückzuführen“, berichtete Scheibe über dessen Ausführungen. „Eine erschreckend hohe Zahl“, meinte der SPD-Ratsherr.

Der Erste Stadtrat Albrecht Dürr ergänzte, dass eine Freigabe in zwei Richtungen auch rechtlich problematisch sei. „Es stellt sich die Frage, ob wir das bei relativ dichter Abfolge von Querungsmöglichkeiten überhaupt zulassen dürfen“, sagte Dürr. Auch der Platz reiche nicht aus: Insgesamt bräuchte man bei Einhaltung aller Normen 5,90 Meter - 2,40 Meter für den Radweg, 2,50 Meter für Fußgänger und zweimal 50 Zentimeter Sicherheitsabstand. „Wir haben die Breiten an 25 Stellen aufgenommen“, sagte Dürr. Nur an sieben oder acht Stellen reiche der Platz. Der Erwerb weiterer Flächen sei nicht nur teuer und aufwendig, sondern hänge auch von der Zustimmung der Anrainer ab.

Der nächste Schritt könnte aus Sicht Scheibes sein, ein Radverkehrskonzept aufzustellen, um Verbesserungen an den bestehenden Wegen zu erreichen.

„Autofahrer schauen primär nach links“

Dankmar Alrutz (65), Geschäftsführer des Verkehrsplanungsbüros PGV-Alrutz in Hannover, arbeitet in der Forschung zur Radverkehrsplanung mit dem Bundesverkehrsministerium zusammen. Über die Situation in Laatzen unterhielt sich mit ihm unser Redakteur Johannes Dorndorf.

Herr Alrutz, sind Zweirichtungsradwege wirklich so gefährlich?

Sie sind für diejenigen gefährlich, die in die sogenannte linke Richtung fahren. Das Gefährdungspotenzial ist doppelt so hoch wie für Radfahrer, die in die rechte, übliche Richtung fahren. Wenn der Zweirichtungsradverkehr nicht zugelassen ist, steigt die Gefahr sogar auf das Drei- bis Vierfache.

Worin besteht diese Gefahr?

Der Autofahrer achtet, selbst wenn er ein entsprechendes Hinweisschild erhält, beim Abbiegen auf die Straße sehr häufig nicht auf Radfahrer von rechts. Er schaut erst mal primär nach links: Wenn dort kein Verkehr sichtbar ist, wird sehr häufig zügig auf die Vorfahrtsstraße eingebogen, um schnell einfädeln zu können. Dann ist der Radverkehr von rechts schnell in einen Unfall verwickelt. In Hannover sind Zweirichtungsradwege dennoch an vielen Straßen üblich.

Warum ist in Laatzen etwas verboten, was in Hannover geht?

Natürlich gehen Städte unterschiedlich mit den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung um, das findet man in ganz Deutschland. Es ist in jedem Fall so, dass eine Freigabe für Zweirichtungsradverkehr nur die absolute Ausnahme sein darf, die im Einzelfall begründet werden muss. Inwieweit dies in Hannover so praktiziert wird, kann ich nicht sagen.

Wie schätzen Sie die Radwegsituation an der Erich-Panitz-Straße ein?

Die Straße ist ein typisches Beispiel für den Straßenausbau der Siebzigerjahre, als man nur in geringem Maße den Radverkehr im Fokus hatte. Die Radverkehrsführung entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Entsprechend unzufrieden sind viele Radfahrer, die die Straße nutzen.

Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen Sie?

Es gibt zwei Ansätze: Man kann die bestehenden Radwege verbessern, etwa mit breiten Überwegen an Kreuzungen. Versätze und Verschwenkungen, die die Radwege dort heute haben, sollte man beseitigen. Eine Alternative besteht darin zu prüfen, ob man auf der Fahrbahn die Flächenreserven schaffen kann, um markierte Radfahrstreifen anzulegen. Darüber hinaus sollte man auf jeden Fall die Befahrbarkeit der Querungen verbessern: Die Ampelschaltungen sollten so optimiert werden, dass man die Erich-Panitz-Straße in einem Zuge queren kann, wenn keine Straßenbahn kommt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Laatzen-Seite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
doc6smrfws5zc21e33b6er2
Zirkus beschließt das Jahr mit Weihnachts-Show

Fotostrecke Laatzen: Zirkus beschließt das Jahr mit Weihnachts-Show