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Flüchtling erzählt vom Alltag in Notunterkunft

Laatzen-Mitte Flüchtling erzählt vom Alltag in Notunterkunft

Noch eine Woche, dann können die Flüchtlinge die Notunterkunft in der EKS-Turnhalle verlassen und kleinere Wohneinheiten in der neuen Sammelunterkunft an der Gutenbergstraße beziehen. Der Iraker Bashar Fadhel berichtet, wie es sich über Wochen Seite an Seite mit 199 anderen Männern lebt.

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Omar Alkhaldi (von links), Bashar Fadhel, Hussein Hekma Mohammed Ali, Aysar Balo, und Waleed Hamza wohnen derzeit in der als Notunterkunft für Flüchtlinge hergerichteten Sporthalle II des Erich-Kästner-Schulzentrums (EKS). Hier sind sie gerade auf dem Weg zum Deutschunterricht.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen-Mitte. 100 Etagenbetten ziehen sich in langen Reihen durch die Sporthalle II des Erich-Kästner-Schulzentrums (EKS). Das einzige weitere private Möbelstück sind die Spinde. Dicht an dicht zusammen leben zu müssen sei "awful" (deutsch: fürchterlich), erzählt Bashar Fadhel auf englisch. Nachts sei es schwer zur Ruhe zu kommen. Jeder habe seien eigenen Rhythmus. "Einige schlafen, andere sind wach. Wenn jemand dann Musik hört, stört er damit die anderen", erzählt der 24-Jährige. Und dennoch: "Wir versuchen aber, gut miteinander auszukommen."

Trotz persönlicher, religiöser und kultureller Unterschiede klappe das ganz gut. In den letzten Wochen seien so auch viele Freundschaften entstanden. "Es ist sehr wichtig, dass wir zusammen etwas unternehmen und zum Beispiel gemeinsam nach Hannover fahren. Sonst wird man hier verrückt." Aktiv sein. Gegen Einsamkeit und Langeweile vorgehen.

Tatsächlich müssen viele Flüchtlinge von ganz unten anfangen. "Ich hatte früher eine Wohnung und ein eigenes Auto. Jetzt schlafe ich mit vielen anderen in einer Sporthalle", erzählt Fadhel. "Viele von uns fangen nicht nur bei Null an, sondern noch weit darunter." Beschäftigung und eine Aufgabe zu haben sei wichtig, um von einem Tag zum anderen zu kommen.

Für die Flüchtlinge sei es unverständlich, dass die Bearbeitung ihrer Asyl-Anträge so lange dauert. "Viele von uns warten schon zehn Monate auf die Befragung für ihre Anerkennung. Wir wollen ganz normal und legal leben, dafür brauchen wir aber diese Papiere", sagt Fadhel, der gern sein Studium der Netzwerktechnik beenden und eigenes Geld verdienen möchte.

Auf ihre neue Unterkunft in den oberen drei Etagen des umgebauten Bürohauses an der Gutenbergstraße sind die Flüchtlinge gespannt. Mit maximal vier Leute in einem Zimmer gibt es endlich mehr Privatsphäre, zwei Gemeinschaftsräume pro Etage sowie eigene Kochmöglichkeiten. Schon jetzt haben die Flüchtlinge Gruppen gebildet, um das Zusammenleben zu koordinieren. "Wir besprechen, wie wir die Zimmer reinigen und den Küchendienst organisieren", sagt Fadhel. Sie wollten eine saubere Umgebung und in der Öffentlichkeit ein gutes Bild abgeben. Negative Vorfälle an anderen Orten würden sich immer auch auf andere Flüchtlinge auswirken.

Was für ihren weiteren Weg noch wichtig sei? "Wir müssen weiter deutsch lernen", sagt Fadhel – "und geduldig sein."

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Bashar Fadhel wohnt derzeit in der zur Sammelunterkunft umgebauten Sporthalle des Erich-Kästner-Schulzentrums - und schläft in einem Raum mit bis zu 199 anderen Flüchtlingen.

Quelle: Daniel Junker

Von Daniel Junker

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Der Plan der Stadt ist aufgegangen: Ab Dienstag nächster Woche werden die Flüchtlinge die Sporthalle am Erich-Kästner-Schulzentrum (EKS) wieder verlassen. Binnen vier Tagen ziehen rund 190 Personen dann in das umgebaute Bürohaus an der Gutenbergstraße um.

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