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Wird Messebahnhof Drehkreuz für Flüchtlinge?

425 erreichen Laatzen Wird Messebahnhof Drehkreuz für Flüchtlinge?

Erstmals ist am Donnerstag ein Sonderzug mit Flüchtlingen in Laatzen angekommen. Die 425 Menschen, darunter viele Syrer und Afghanen, kamen direkt aus Passau und stiegen am Messebahnhof in Busse um, die sie in Sammelunterkünfte brachte. Die Region rechnet bis auf Weiteres mit zwei Zügen pro Woche.

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Nach der nächtlichen Reise erhalten die Flüchtlinge im Messebahnhof Wasser und einen Snack.

Quelle: Lippelt

Laatzen. Während des Kurzaufenthalts in Laatzen wurden die Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgt und per Lautsprecherdurchsagen sowie persönlich und schriftlich über die Weiterreise mit Bussen informiert. Die vorbereitete Sanitätsstation wurde nicht benötigt. Lediglich zwei Erwachsene und zwei Kinder hätten über Unwohlsein geklagt und wurden versorgt, teilte Alfred Blume, Leiter der Technischen Einsatzleitung (TEL) mit. Insgesamt sprach er von einem auf allen Seiten ruhigen und problemlosen Einsatz.

Mit etwa einstündiger Verspätung sind etwa 400 Flüchtlinge mit einem Sonderzug am Messebahnhof Laatzen angekommen. 150 Helfer kümmerten sich um sie, innerhalb einer Stunde ging es per Bus weiter.

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Rund 150 Helfer – jeweils rund 50 der Bundeswehr, des Deutschen Roten Kreuzes und der Feuerwehr, darunter 15 aus Laatzen – sowie Dolmetscher und mehrere Verwaltungsvertreter der Region und der Stadt Laatzen standen bereit, als der Zug um kurz nach 8 Uhr eintraf.

Die Flüchtlinge hätten sehr erschöpft gewirkt, sagte Blume. Der Zug war voll besetzt und stundenlang unterwegs. Vor allem aber haben viele Menschen auf der Flucht Traumatisches erlebt oder auch lange Fußmärsche hinter sich.

Bewährt habe sich der Einsatz von Dolmetschern. 23 Ehrenamtliche halfen dabei vom Deutschen ins Arabische, Kurdische oder andere Sprachen zu übersetzten. Dies habe den Flüchtlingen Sicherheit gegeben und sehr beruhigend gewirkt.

Außerdem verteilte die Region, wie zuletzt beim Umstieg von 1500 Flüchtlingen in Lehrte, Handzettel mit Informationen zum Kurzaufenthalt in Laatzen in acht Sprachen: deutsch, englisch, französisch, albanisch, serbisch, kurdisch, auf Farsi (persisch) und arabisch.

Region und Einsatzleitung hoben die Ruhe auf Seiten der Flüchtlinge und der Helfer hervor und sprachen anschließend von einem reibungslosen Ablauf.

Die Flüchtlinge, die den Sonderzug nach Informationen der Region ohne Kenntnis des genauen Zieles freiwillig bestiegen hatten, sind allesamt nicht registriert. Dies ist den Erstaufnahmeeinrichtungen vorbehalten. Die Flüchtlinge würden dem Gesetz entsprechend auf die Länder verteilt, die Fahrziele der bereitgestellten Reisebusse wurden nicht extra ausgewiesen: Letztlich fuhren sieben Busse ins niedersächsische Diepholz und einer zur Erstaufnahmeeinrichtung nach Nostorf in Mecklenburg-Vorpommern.

Etwa 1,5 Stunden nach der Ankunft des Sonderzuges waren der Messebahnhof, die Halle und der Vorplatz wieder leer.

Die Registrierung sei ein großes Thema bei den Flüchtlingen, bestätigte Regionsdezernentin Caro Hermenau: "Die Flüchtlinge sind gut unterrichtet. Sie kennen das Dublin-III-Abkommen und wissen, dass sie dort Asylantrag stellen müssen, wo sie dauerhaft bleiben wollen." Ein Großteil der Flüchtlinge strebt offenbar weiter Richtung Norden – dorthin, wo bereits Angehörige leben.

"Für uns ist es Neuland", sagte Hermenau, gleichwohl seien Sonderzüge mit Flüchtlingen keine Ausnahme mehr. Die Region rechne ab sofort mit zwei Zügen pro Woche und jeweils bis zu 450 Menschen. Nächsten Sonntag soll bereits der nächste Zug eintreffen. Genauere Informationen seitens des Innenministeriums erwartet die Region nicht vor Freitag.

Die Frage, ob Laatzen nun zum "Drehkreuz" für Flüchtlinge werde, wiegelte Hermenau ab. Das sei nicht geplant. Dennoch kommt der Messebahnhof als nunmehr bewährter Umsteigeplatz für Flüchtlinge in Betracht. Hintergrund: Das Innenministerium suche für die Zeit ab 2016 eine feste Adresse für die Verteilung von Flüchtlingen in Norddeutschland. Die Entscheidung, welcher Bahnhof ausgewählt werde, liege beim Innenministerium, betonte die Dezernentin. Die Region sei darauf eingestellt, weiter unterstützend tätig zu sein.

Von Astrid Köhler

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