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Flüchtlinge ziehen in Bürohaus um

Laatze-Mitte Flüchtlinge ziehen in Bürohaus um

Wie geht es weiter mit der Flüchtlingsunterbringung in Laatzen-Mitte und konkret der neuen Unterkunft an der Gutenbergstraße? Wie schätzt die Polizei die Sicherheitslage ein? Um Fragen wie diese ging es am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung der Stadt im Erich-Kästner-Schulzentrum.

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Informationsabend im EKS-Forum: Bürgermeister Jürgen Köhne beantwortet Fragen zur Flüchtlingsunterbringung in Laatzen und der ab Ende April zu belegenden Unterkunft an der Gutenbergstraße.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen-Mitte. Der Umbau des Bürogebäudes für die Wohnnutzung sei so gut wie abgeschlossen, so dass voraussichtlich in der zweiten Aprilhälfte "vielleicht auch erst im Mai" mit dem sukzessiven Umzug der seit Februar in der EKS-Turnhalle untergebrachten 200 Männer begonnen werden könne, sagte Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne vor rund 50 Zuhörern im EKS-Forum.

Dies sei einerseits möglich, weil es derzeit keine neuen Quoten zur Neuaufnahme von Flüchtlingen gebe - und andererseits auch dringend erforderlich, weil auf Dauer das Zusammenleben auf so engem Raum wie in einer Turnhalle belastend sei und zu Spannungen führe. Die Sicherheitslage in Laatzen sei gleichwohl auch dort unbedenklich, sagte Uwe Wollburg, Leiter des Polizeikommissariats Laatzen auf Nachfrage. Seit Februar habe es "nur zwei Handvoll" Einsätze der Polizei dort gegeben, bei den es vorrangig um Hilfeleistungen für den Sicherheitsdienst aufgrund kleineren Streitigkeiten unter den Bewohnern ging. "Ich möchte Ihnen die Sorge nehmen. Ich würde nichts anderes behaupten, wenn es Probleme geben würde", so Wollburg, der zuvor auch kurz die beiden Übergriffe in Gleidingen sowie im aquaLaatzium erwähnt hatte.

Die Fragen und Kommentare der Zuhörer bezogen sich vielfach auf bundes- und europapolitische Themen der Flüchtlingsfrage wie die Regelung des Zuzugs. Auch gab es besorgte Stimmen zur gesellschaftlichen Entwicklung, zum Erhalt des sozialen Friedens, den anfallenden Kosten und dem Gelingen der Integration und der Form von Sammelunterkünften: etwa die neue Unterkunft an der Gutenbergstraße, wo bis zu 240 Schutzsuchende untergebracht werden sollen, und den voraussichtlich bis Jahresende fertiggestellten Neubau für 60 Menschen an der Pestalozzistraße.

"Ich weiß dass es Befürchtungen und Befindlichkeiten im Zusammenhang mit massierten Flüchtlingsunterbringung gibt", betonte Köhne. Dies sei einer der Gründe, weshalb die Stadt zusammen mit Polizei, Flüchtlingsnetzwerk und dem Unterkunftsbetreuer DRK vorab informiere.

"Wir sind dankbar dass wir ein Forum haben, wo auch kritische Töne möglich sind und wird sollten aufpassen, dass wir das in dieser Gesellschaft behalten", sagte eine Zuhörerin.

Ein Zuhörer, der sich an der Motiv-Formulierung des stellvertretendem DRK-Geschäftsführers Guram Alibegashvili störte, wonach alleinreisende Männer nicht nach Deutschland kommen, weil es dort so schön ist, sondern aus Not, erhielt für seinen Kommentar ("Ich würde als Mann meine Frau und meine Kinder nicht allein im Gefahrenbereich lassen") ebenso Applaus wie eine Mutter, die sich als direkte Anwohnerin des künftigen Flüchtlingsunterkunft Gutenbergstraße zu erkennen gab. Einer nach organisierten Begegnungen mit Flüchtlingen fragenden Besucherin des Infoabends riet sie:  "Gehen sie auf den Spielplatz, da lernen Sie die Menschen und Kulturen viel besser kennen als auf einem lauten Kulturfest." Sie selbst sei ein "Ex-Flüchtlingskind" und vor dem Balkankrieg nach Deutschland geflohen. "Wer hat mir geholfen? Meine Nachbarn haben mich einbezogen und mir gezeigt: So leben wir hier, so gestaltet sich der Alltag", sagte die Frau, die mit dem zweiten Kind schwanger ist und ihr Statement mit dem Satz schloss: "Seine eigene Angst muss jeder selbst überwinden."

Konkrete Nachfragen zur Gutenbergstraße waren seitens der Zuhörer eher selten. Ob es vor dem Bezug die Möglichkeit einer Besichtigung gebe, wollte ein Mann wissen. Das sei nicht vorgesehen und auch nur eingeschränkt interessant, antwortete Stadtrat Stefan Zeilinger. Die einzelne Büros seien zwar für die Nutzung als Bad und Küche nachgerüstet worden, stünden ansonsten aber bis zum Umzug der Männer aus der Sporthalle mitsamt dem dortigen Mobiliar weitestgehend leer.

Das Interesse an einer Begegnung von Bürgern mit Flüchtlingen der Gutenbergstraße einerseits und die Schilderung Alibegashvili eines erfolgreichen Nachbarschaftsfestes in einer großen DRK-Flüchtlingsunterkunft in Hannover-Ahlem will die Stadt zum Anlass nehmen, um zu prüfen, ob etwas ähnliches auch für Laatzen-Mitte infrage kommt.

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Fotostrecke Laatzen: Infoabend zur Flüchtlingsunterbringung

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Von Astrid Köhler

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