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Europatag am EKG: Flüchtlinge berichten

Laatzen-Mitte Europatag am EKG: Flüchtlinge berichten

Seit Februar leben die Schüler des Erich-Kästner-Schulzentrums und die in der Turnhalle untergebrachten Flüchtlinge in direkter Nachbarschaft. Anlässlich des Europatags haben drei der Schutzsuchenden am Dienstagvormittag den Schülern der achten Gymnasialklassen über ihre Erlebnisse berichtet

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Bilal Asus, Flüchtling aus Syrien, zeigt den Schülern des Erich-Kästner-Gymnasiums Bilder aus seiner Heimat.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen-Mitte. Eine Stunde lang berichteten die Syrer Ahmad Alloush und Bilal Asus sowie der Afghane Mohamad Reza Ali Panah im Schulforum über ihre Heimat und ihre Flucht nach Deutschland. Alloush und Asus hatten Fotos mitgebracht, um den Achtklässlern einen Einblick in ihr Heimatland zu gewähren.

Dabei ging es viel um den Alltag in der ehemaligen Heimat. Asus hat Mechatronik studiert und an der Entwicklung von Robotern gearbeitet. Um zu unterstreichen, wie schwer es ihm gefallen ist, seine Heimatstadt Latakia zu verlassen, präsentierte er Fotos der auch historisch bedeutsamen Stadt. Auf eine beeindruckende Straßenszene folgte das aus dem Internet entnommene Foto einer Bombendetonation inmitten eines Wohngebietes. "Hier habe ich damals gewohnt", sagte der 26-jährige und zeigte auf das Fenster eines Hauses, hinter dem deutlich eine Rauchwolke zu erkennen ist. "Bei dem Bombeneinschlag sind die Fenster meiner Wohnung zerborsten. 20 Tage danach bin ich geflüchtet. Es wurde einfach zu gefährlich."

Alloush hatte vor seiner Flucht Tourismus studiert, "ich habe in Syrien als Reiseführer gearbeitet. Aber nach dem Ausbruch des Krieges gab es für mich keine Arbeit mehr." Die Situation habe sich immer mehr zugespitzt, "es wurde immer gefährlicher." Letztlich habe er keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als sein Land zu verlassen.

Die beiden Syrer gaben den Schülern auch einen Überblick über die Geografie, das Schul- und Universitätssystem und das allgemeine Leben vor dem Krieg in ihrem Heimatland.

Mohamad Reza Ali Pana, der bereits vor acht Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war, berichtete auch über seine Fluchtroute über den Iran, die Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich und die Beneluxstaaten. Auch er habe seine Heimatstadt Masar-i-Scharif nicht verlassen wollen. "Ich wäre gerne geblieben, aber es war einfach alles zerstört."

Schüler beschäftigen sich mit Flüchtlingsthematik

Im Rahmen des Europatags haben sich die Achtklässler auch in Workshops mit der Flüchtlingsthematik befasst. Unter anderem erstellten sie im Rahmen von Kunstprojekten Flüchtlingsportraits, ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit Flucht und Vertreibung als Thema der Kunst. Hans-Henning von Hoerner und Lothar Flachsbarth von der Organisation Amnesty International diskutierten mit den Achtklässlern über Fluchtursachen und Menschenrechte. Im gleichen Workshop gaben die Flüchtlingssozialarbeiterinnen Tatjana Fener und Laura Schärer einen Einblick in ihre Arbeit und die Situation in Laatzen.

Zu Gast war am Dienstag auch die SPD-Landtagsabgeordnete Silke Lesemann. Bei einem Vortrag vor vier zehnten Klassen betonte sie, dass das Recht auf Asyl vor politischer Verfolgung im Grundgesetz verankert sei und nicht in Frage gestellt werden dürfe. Rechte Gruppierungen wie Pegida behaupteten immer wieder, jeder könne nach Deutschland kommen und es sich hier auf Kosten des Sozialstaats bequem machen – „aber das stimmt so nicht, denn es sei klar definiert, wer Asyl bekommt“, erklärte Lesemann. Asyl erhielten nur Flüchtlinge, die staatlich verfolgt werden.

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Von Daniel Junker

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