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Flüchtlinge reparieren Fahrräder

Grasdorf Flüchtlinge reparieren Fahrräder

Die Untätigkeit ist für viele Flüchtlinge am schlimmsten - schließlich dürfen sie in den ersten Monaten in Deutschland nicht arbeiten. Vier junge Männer aus dem Irak haben jetzt in Grasdorf die Initiative ergriffen und reparieren Fahrräder für andere Flüchtlinge - ehrenamtlich, versteht sich.

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Sabah (links) und Nazar Aldachi sind aus dem Irak geflüchtet. Jetzt reparieren sie gespendete Fahrräder
für andere Flüchtlinge. Erich Golnik (Mitte) unterstützt
 sie dabei.

Quelle: Stephanie Zerm

Laatzen. Hoch konzentriert schraubt Sabah Aldachi die Bremse eines Montainbikes auseinander. Sein Bruder Nazar hat sich den Dynamo vorgenommen. Gemeinsam mit Erich Golnik und Hans-Ulrich Volland vom ehrenamtlichen Handwerkerdienst bringen die Brüder und zwei weitere Flüchtlinge aus dem Irak Fahrräder in Schuss. Die Räder haben Laatzener dem Netzwerk für Flüchtlinge gespendet.

„Es ist wichtig, dass die Flüchtlinge hier mobil sind“, sagt Dieter Sasse vom Flüchtlingsnetzwerk. Sonst kämen sie unter anderem nicht zu ihrem Sprachunterricht. Insgesamt zehn Räder haben die jungen Männer aus dem Irak, die zurzeit in einem Gästehaus in Ingeln-Oesselse leben, Mittwoch in Schuss gebracht. Sie werden anschließend an andere Flüchtlinge übergeben.

„Als wir die vier gefragt haben, ob sie Lust haben, uns zu helfen, waren sie gleich begeistert“, berichtet Sasse. „Sie sind sehr froh, dass sie sich betätigen können und sind mit großer Akribie dabei.“ Obwohl die Männer weder Deutsch noch Englisch sprechen, würde man sich sehr gut mit Händen und Füßen verständigen, betont Sasse.

Die vier jungen Männer im Alter von 18 bis 32 Jahren gehören der religiösen Minderheit der Jesiden an und stammen aus der nordirakischen Region Shingal. Dort werden die Jesiden von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gezielt verfolgt und getötet. Bereits im vergangenen Sommer hatte der IS die Region eingenommen und Zehntausende Jesiden in die Flucht getrieben. Im Gebirge kesselten die Extremisten mehrere Tausend Jesiden über Wochen ein. Nach Einschätzung von Uno-Experten hat das Ausmaß der Gewalt gegen Jesiden im Irak den Status eines Völkermords erreicht.

von Stephanie Zerm

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