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Funde aus der Römerzeit am Alten Markt entdeckt

Alt-Laatzen Funde aus der Römerzeit am Alten Markt entdeckt

Archäologen haben in Alt-Laatzen Funde aus der Eisenzeit entdeckt. Auf dem Gelände des früheren Baubetriebshofs fanden sie Scherben, Siedlungsgruben und Tierknochen aus vorrömischer Zeit oder früher Kaiserzeit. Was dies für die weiteren Bauarbeiten beim Meravis-Wohngebiet bedeutet, ist noch unklar.

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Gefunden hat das Team um Grabungsleiter Gregor Brose unter anderem etliche Keramikscherben und Tierknochen - deutliche Anzeichen einer Besiedlung in vorrömischer Eisenzeit oder der frühen Kaiserzeit.

Quelle: Dorndorf

Alt-Laatzen. Vor einigen Wochen hatten die Erdarbeiten für das vom Bauunternehmen Meravis geplante Wohngebiet am Alten Markt in Alt-Laatzen begonnen. Seit Dienstag vergangener Woche sind auch die Archäologen vor Ort: Nach dem Abtragen der Oberschicht zogen die Fachleute Suchgräben durch das Gelände, um den Boden auf historische Funde abzusuchen, die mehr Aufschluss über die frühe Besiedlung der Leineterrasse geben.

Und die wurde schon im Vorfeld als so wahrscheinlich eingeschätzt, dass die Stadt die Untersuchung zur Auflage gemacht hat. "Wir wissen, dass in der ausgehenden Eisenzeit und der frühen Kaiserzeit die Menschen an den Terrassen an der Leineaue gesiedelt haben", sagt Veronica König vom Landesamt für Denkmalpflege, das die Untersuchungen empfohlen hatte.

Die Vermutung hat sich nun bestätigt. Ende vergangener Woche stießen die Grabungsfachleute auf eine Reihe von Scherben und Tierknochen im Untergrund. Die Datierung ist noch nicht abgeschlossen. "Aber die Funde stammen aus der vorrömischer Eisenzeit oder aus der beginnenden römischen Kaiserzeit", sagt Grabungsleiter Gregor Brose von der Isernhagener Firma Archeofirm. Als vorrömische Eisenzeit wird der Zeitraum ab 500 vor Christus bezeichnet, die frühe römische Kaiserzeit begann etwa um 30 vor Christus.

Die Scherben stammen von verschiedenen Keramikgefäßen aus einem Zeitraum bis zur Barockzeit. Was für Gefäße dies im Einzelnen sind, lasse sich erst nach dem Zusammensetzen der Scherben ermitteln, sagt Brose. Entdeckt wurden auch eine Reihe von Siedlungsgruben - frühere Abfallgruben, die sich heute als dunkle Flecken im so genannten gewachsenen Boden abzeichnen. Kleinere runde Verfärbungen dieser Art lassen hingegen auf Pfosten schließen. "Wir haben allerdings bislang nur einzelne Pfosten gefunden", Hausgrundrisse zeichneten sich noch nicht ab. Diese Eingrabungen sind es auch, die die Fachleute besonders interessieren. "Aus ihnen lässt sich die Struktur der Siedlung ablesen", sagt König.

Wie lange die Untersuchungen noch andauern, steht noch nicht fest. Der Investor Meravis, der das Baugebiet entwickelt, rechnet mit mehreren Wochen. "Bis Ende April werden weitere Untersuchungen vorgenommen und eventuelle Fundstücke in Laboren untersucht", gibt das Unternehmen in einer Erklärung bekannt. "Was das für die weitere Projektentwicklung bedeutet, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend beurteilt werden", heißt es weiter. Meravis werde zunächst die Analysen der Archäologen abwarten.

Der Baustopp gilt allerdings nicht für die gesamte Fläche: So sind die Arbeiten im vorderen, dem Alten Rathaus zugewandten Bereich von den Archäologen nicht beeinträchtigt: Weil dort die ehemaligen Bauhofgebäude lagen und der Boden in den vergangenen Jahrzehnten - etwa durch ein Einbau von Tankts - stark verändert wurde, wurde auf eine Untersuchung verzichtet.

Nicht die ersten Funde aus der Römerzeit

Dass an der Leine bei Alt-Laatzen schon zu Zeiten der Römer Menschen gesiedelt haben, ist keine Überraschung. Als 1919 die Siedlung am heutigen Lindenplatz entstand, stieß man in der Nähe des Friedhofs auf mehrere Urnen, die zu einem Gräberfeld gerechnet werden, das von der jüngeren Bronzezeit (um 800 vor Christus) bis in die Völkerwanderungszeit (um 400 nach Christus) benutzt wurde. Einen spektakulären Fund machte der Laatzener Werner Jüppner im März 1967 in seinem Garten in der Friedrich-Engels-Straße: Wie der Historiker Klaus Ohle in seinem Band "Von Lathusen zu Laatzen" schreibt, wollte er die Fläche mit Mutterboden aus Laatzen-Mitte auffüllen. Dabei stieß er "auf einen vermeintlichen Erdklumpen, der sich bei näherem Hinsehen als ein in zwei Teile zerplatztes Tongefäß entpuppte." Darin enthalten waren 78 römische Silberdenare aus dem Zeitraum von 69 bis 363 nach Christus , die seitdem als "Silberschatz von Laatzen" bekannt sind.

Fündig wurden Archäologen auch 2009 bei Bauarbeiten an der Talstraße, wo auf dem Gelände einer Hofstelle Mehrfamilienhäuser errichtet werden sollten. Auf dem Gelände fanden die Forscher unter anderem mittelalterlichen Schmuck sowie Reste von Kugeltöpfen aus dem 12. Jahrhundert. "Entdeckt wurden auch Abfallgruben aus der gleichen Zeit wie die Siedlung am Alten Markt", sagt Veronica König vom Landesamt für Denkmalpflege - datiert wurden sie auf die Zeit um Christi Geburt.

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