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Gewässerschutzverein warnt vor Brunnenwasser

Laatzen Gewässerschutzverein warnt vor Brunnenwasser

Ein Gewässerschutzverein hat in Laatzen private Proben von Brunnenwasser untersucht. Ergebnis: Über ein Viertel haben zu hohe Nitratwerte und sind zum Trinken ungeeignet. Laut Region ist der Befund erwartbar. Die Behörde warnt, Brunnenwasser ungeprüft zu trinken.

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Brunnenwasser sollte nicht in Hausleitungen eingespeist und getrunken werden.

Quelle: Symbolbild

Laatzen. Am 19. Mai hatte der bundesweit aktive Verein VSR-Gewässerschutz aus dem nordrhein-westfälischen Geldern auf dem Laatzener Leineplatz Station gemacht, um private Wasserproben entgegenzunehmen und zu analysieren. 47 Menschen aus Laatzen, Hemmingen und Pattensen nahmen Teil. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: „In über einem Viertel der Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter“, sagt VSR-Sprecher Harald Gülzow. In einem Arnumer Fall seien es sogar 102 Milligramm gewesen. Hohe Werte hatten auch Proben aus Gleidingen (91 Milligramm), Koldingen (87), Oesselse (75) und Hüpede.

Gülzow erklärt die Befunde an einer Überdüngung landwirtschaftlicher Böden: Nitratauswaschungen führten zu einem Eintrag ins Grundwasser. Er rät, belastetes Wasser nicht zu sich zu nehmen. Auch für Fischteiche solle es nicht verwendet werden, da dies zur Massenvermehrung von Algen führen könne.

Gefährliche Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität im öffentlichen Leitungsnetz hat all dies nicht: Der Mittelwert im Versorgungsnetz der Stadtwerke Hannover lag 2014 nach eigenen Angaben bei gerade einmal 2,4 Milligramm - weit unter dem Grenzwert von 50. Dies hängt teils damit zusammen, dass die Stadtwerke ihr Wasser im Gegensatz zu privaten Brunnenbetreibern aus tieferen Tiefen beziehen: Im Fuhrberger Feld, aus dem der Großteil des Trinkwassers für Laatzen sowie Teile Hemmingens und Pattensens stammt, sind dies 25 bis 30 Meter, am Grasdorfer Wasserwerk 12 Meter Tiefe, wie Stadtwerke-Sprecherin Bianca Bartels erläutert.

Vor allem aber setzen die Stadtwerke auf Kooperationen mit Landwirten in der Umgebung des Fuhrberger Felds. Mehr als eine Million Euro würden jährlich unter anderem dafür ausgegeben, diese hinsichtlich der Düngung zu beraten und dazu anzuhalten, grundwasserschonend anzubauen. Die Bauern erhielten dafür Entschädigungen, sagt Bartels. Die Kooperation existiert seit 25 Jahren, Anlass waren seinerzeit hohe Nitratwerte in Böden.

Noch heute gilt der chemische Zustand des Grundwassers in weiten Teilen der Region Hannover aufgrund der Nitratbelastung als „nicht gut“ - dies hatte die Regionsverwaltung in einem Bericht aus dem Jahr 2011 festgehalten. Allerdings lägen die Messpunkte für diesen Befund teils weit entfernt von denen der Trinkwassergewinnung. „Als nicht gut wird ein Grundwasserkörper auch bewertet, wenn die Trends auf einen Anstieg der Belastung hinweisen“, heißt es.

Für private Gartenbesitzer hat die Analyse ihres Brunnenwassers übrigens noch einen weiteren Hintergrund: Nitrate wirken ihrerseits selbst als Dünger. Wer also Gemüse und Obst im Garten anbaut, muss dabei die Nitatkonzentration berücksichtigen, rät der Verein VSR.

Gefahr besteht vor allem für Kleinkinder

Die Wasserqualität des zentralen Trinkwassernetzes wird so gut kontrolliert, dass eine Gefahr zu hoher Nitratkonzentrationen nahezu ausgeschlossen ist. Nicht so bei privaten Brunnen: Die Region Hannover weist regelmäßig darauf hin, dass Brunnenwasser grundsätzlich nicht zum Trinken oder zur Zubereitung von Nahrung genutzt werden sollte – es sei denn, der Brunnen sei dem Gesundheitsamt gemeldet und werde regelmäßig überprüft. Gefahr bei höheren Nitratkonzentrationen entstehen vor allem für Säuglinge unter drei Monaten. Unter bestimmten Umständen – etwa durch Bakterien im Mund – kann Nitrat teils zu Nitrit umgewandelt werden. Die Folge kann Sauerstoffmangel im Blut sein. Außerdem können im Magen Nitrosamine entstehen, die unter Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Laut einer Untersuchung des Bayerischen Landesgesundheitsamtes ist für Erwachsene für eine begrenzte Zeit die Einnahme von Trinkwasser mit einem Wert bis zu 130 Milligramm pro Liter unbedenklich, obwohl dies über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 liegt.

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