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Gleidinger setzt sich für Armutsbekämpfung ein

Gleidingen Gleidinger setzt sich für Armutsbekämpfung ein

Der Gleidinger Aram Kano setzt sich für die Bekämpfung der weltweiten Armut ein. Als Jugendbotschafter der Organisation One will er unter anderem verhindern, dass die EU ihre Entwicklungshilfeetat kürzt. Mit 220 weiteren Akteuren war der 20-Jährige dafür sogar schon im EU-Parlament in Brüssel.

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Aram Kano (20) aus Gleidingen setzt sich mit der internationalen Lobby- und Kampagnenorganisation One gegen extreme Armut und für mehr Gerechtigkeit und bessere Bildungschancen in der Welt ein.

Quelle: Daniel Junker / www.junkerphoto.de

Gleidingen. "Ich möchte Menschen helfen, die von extremer Armut betroffen sind", sagt der 20-Jährige. Auch bessere Bildungschancen von Menschen in Entwicklungsländern sind ihm ein Anliegen: "Ich bin der Meinung, dass Bildung die Augen der Menschen für eine bessere Welt öffnet." Die am Stärksten von Armut betroffenen Menschen dürften nicht auf der Strecke bleiben.

Diese Einstellung teilen viele Menschen, doch Kano setzte sie auch in praktisches Handeln um: Anfang des Jahres schloss sich der Gleidinger der Lobbyorganisation One an. Diese setzt sich für Gleichheit und Gerechtigkeit in der Welt und insbesondere in Afrika ein. Bei der weltweit aktiven Organisation macht der 20-jährige Gleidinger inzwischen als sogenannter Jugendbotschafter ehrenamtlich auf Missstände aufmerksam: zum Beispiel mit Informationsständen bei öffentlichen Veranstaltungen. Die One-Akteure versuchen aber auch, in persönlichen Gespächen auf Politiker einzuwirken.

Mitte Oktober reiste Kano mit mehr als 200 anderen Jugendbotschaftern aus mehreren europäischen Ländern, den USA und Kanada nach Brüssel. Im EU-Parlament machten sie dort auf die weltweite Armut aufmerksam, warben für bessere Bildungschancen in sogenannten Dritte-Welt-Ländern und sprachen mit vielen Europaabgeordneten. "Wir wollten damit verhindern, dass die EU die Entwicklungshilfe kürzt", sagt der One-Jugendbotschafter aus Gleidingen. Der Anlass für das Treffen vom 15. bis zum 17. Oktober in Brüssel sei ein Beschluss der EU-Mitgliedsstaaten gewesen, das Budget für die Entwicklungshilfe im Jahr 2018 um 90 Millionen Euro zu kürzen. "Das würde bedeuten, dass die ärmsten Länder der Welt deutlich weniger Geld für Bildung, Gesundheit und andere wichtige Themen zur Verfügung hätten", so Kano. Die Jugendbotschafter hätten deshalb vor Ort das Gespräch mit den Eu-Parlamentariern gesucht.

Tatsächlich hat sich das EU-Parlament am 25. Oktober gegen die geplanten Kürzungen ausgesprochen. Die drei beteiligten EU-Institutionen - das Parlament, die Kommission und der Rat - hätten nun noch bis zum 20. November Zeit, eine Einigung zu erzielen, sagt One-Sprecher Scherwin Saedi. "Im Idealfall gibt es dann ein zufriedenstellendes Ergebnis." Die One-Aktivisten werden die Entwicklung weiter verfolgen.

Die Gespräche in Brüssel waren nicht die ersten, bei denen Aram Kano mit hochrangigen Politikern in Kontakt kam. "Im Oktober 2016 war ich im Auswärtigen Amt in Berlin bei einer Veranstaltung mit Frank-Walter Steinmeier", berichtet er. "Mit anderen Jugendlichen aus Deutschland haben wir über die Zukunft Europas diskutiert und uns auch untereinander ausgetauscht." Der Austausch mit anderen sei ihm wichtig, betont Kano. "Ich interessiere mich für viele Themen der Politik, nicht nur für die Entwicklungshilfe", berichtet der Gleidinger weiter. Eine beruflich Tätigkeit in der Politik sei für ihn denkbar.

In den 20 Jahren seines Lebens hat der gebürtige Iraker schon einiges erlebt. Aufgewachsen ist Aram Kano in einem nordirakischen Dorf – Shekhan – unweit der Stadt Mossul. Mit 15 Jahren folgte er seinen drei Jahre zuvor geflüchteten Eltern nach Deutschland. "Sie sind vor acht Jahren dorthin geflüchtet, weil sie im Irak viel Schlimmes erlebt haben", berichtet der Gleidinger. Als Jesiden gehört seine Familie einer religiösen Minderheit an, die im Irak von Fundamentalisten bedroht und verfolgt wird. Die Flucht war für die Familie ein Ausweg. In Düsseldorf hätten seine Eltern einen Deutschkurs absolviert und sich integriert, sagt Kano.

Er selbst habe zwar keine schlechten Erinnerungen an seine Jugend im Irak, gleichwohl kam er wie seine Eltern zu demselben Schluss, dass die Zukunft der Familie in Europa liegt: "Dieser Meinung bin ich auch." Neben seinem Engagement gegen Armut setzt sich Kano auch für die Zukunft der Jesiden in Europa ein. Die ersten vier Jahre in Deutschland lebte Aram Kano in Düsseldorf, wo er deutsch lernte und seinen Hauptschulabschluss ablegte. Vor einem Jahr zog er nach Hannover-Ricklingen. "Ich wollte hierherziehen, weil ich Hannover toll finde und hier viele Verwandete habe." Bei der Volkshochschule Hannover bildet er sich derzeit weiter, um den Realschulabschluss abzulegen. Seit einem halben Jahr lebt er in Gleidingen.

Die Organisation One

Als entwicklungspolitische Lobby- und Kampagnenorganisation setzt sich One für die Bekämpfung von extremer Armut in der Welt ein. Arbeitsschwerpunkt ist das als "Subsahara" bezeichnete afrikanische Gebiet südlich der Sahara. Unter anderem will One eine starke Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union mit Afrika durchsetzen. Die Botschafter versuchen zum Beispiel, im Gespäch mit Politikern die Investitionen in Landwirtschaft und Ernährung zu erhöhen und mehr Transparenz bei der Armutsbekämpfung zu schaffen. Zudem setzt sich One dafür ein, vermeidbare Krankheiten wie zum Beispiel Aids zu bekämpfen. Nach Angaben der Organisation unterstützen weltweit mehr als acht Millionen die überparteiliche Arbeit von One. Weitere Informationen gibt es auf www.one.org.

One ging aus der Fusion mit der Lobbyorganisation Data hervor, die von den Musikern Bob Geldorf und Bono (Sänger der Band U2) mitgegründet wurde. Das deutsche Data-Regionalbüro in Berlin wurde 2007 eröffnet. Im Jahr 2008 wurde Data in One umbenannt. Zahlreiche Prominente wie Rea Garvey, Anna Loos, Michael Mittermeier, Katja Riemann und Benno Fürmann unterstützen die Arbeit der Organisation.

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Fotostrecke Laatzen: Gleidinger setzt sich für Armutsbekämpfung ein

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Von Daniel Junker

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