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Laatzener schreibt über seine Zeit auf See

Grasdorf Laatzener schreibt über seine Zeit auf See

Jahrelang ist Claus-Jürgen Bartels als Maschinist auf Frachtschiffen über die Weltmeere gefahren. Seine Erlebnisse hat der Grasdorfer in seinem Buch "Von Hamburg bis Mama Sun - 10 Jahre auf den Weltmeeren" festgehalten. Am Montag liest Bartels in Victor's Residenz.

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Der Grasdorfer Claus-Jürgen Bartels hat in seinem Buch "Von Hamburg bis Mama Sun - 10 Jahre auf den Weltmeeren" reale Erlebnisse aus seiner Seefahrerzeit festgehalten.

Quelle: Daniel Junker / www.junkerphoto.de

Grasdorf. 224 Seiten stark ist der Band "Von Hamburg bis Mama Sun", den Bartels im Selbstverlag über den Vertrieb Tredition veröffentlicht hat. Darin erzählt der in Bad Zwischenahn geborene Seefahrer zahlreiche selbst erlebte Geschichten über das Leben an Bord großer Frachtschiffe - von der Arbeit im Maschinenraum bis zu den Erfahrungen auf Landgängen. Auf dem Mekong in Vietnam sei sein Schiff zum Beispiel von Piraten überfallen worden. "Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde von den Piraten über Bord geworfen." Der Schaden sei dennoch überschaubar gewesen: "Die Beute bestand vor allem aus Tauen, Holz und Abdeckplanen. Anders als heute war der Überfall für die Besatzung absolut ungefährlich."

Die schlimmste Erfahrung sei ein schwerer Unfall gewesen, bei dem im Juni 1965 fünf Besatzungsmitglieder der MS Wachtfels im Nordatlantik ums Leben kamen. "Unser Schiff hatte Tanks an Bord, in denen Pflanzenöl transportiert wurde." Nachdem die Tanks geleert waren, hatte ein Crewmitglied sie offenbar mit Meerwasser geflutet. "Das wusste aber keiner von uns." Als ein pakistanisches Matrose den Behälter reinigen wollte, kehrte er nicht zurück. "Also stieg ein zweiter hinterher - und auch er kam nicht zurück", berichtet Bartels. Binnen kürzester Zeit seien auf diese Weise vier Kollegen im Tank verschwunden, bei der Rettung starb zudem der Erste Offizier. Später stellte sich heraus, dass sich durch die Kombination aus den Süßölrückständen und Seewasser ein tödliches Gas entwickelt hatte - die Seeleute waren erstickt. "Ich habe die Toten später aus dem Tank geholt", berichtet Bartels. "Es gibt aber natürlich auch viele schöne Erinnerungen."

1971 hängte Bartels die Seefahrt an den Nagel und verlegte seine Arbeitsstelle an Land. 1976 zog er zunächst nach Garbsen, um als Leiter der Planungsabteilung Energieversorgung beim Schokoladenhersteller Sprengel zu arbeiten. Danach wechselte er zur Schaper-Holding, einige Jahre später machte er sich als Ingenieur selbstständig. Seit 2003 lebt Bartels in Grasdorf.

Zunächst habe er gar nicht vor gehabt, längere Zeit auf großen Schiffen zu verbringen. In einer Firma in Bad Zwischenahn hatte Bartels zunächst Maschinenschlosser gelernt. "Die Firma hat Holzspulen und Zigarrenkisten in alle Welt exportiert. Und auf den Kisten standen immer so exotische Orte wie Bombay oder Havanna drauf. Ich glaube, das war der Auslöser, selbst die Welt zu entdecken." In Bartels Familie sei es zudem üblich gewesen, dass die Kinder nach der Ausbildung das elterliche Heim verlassen. "Ich musste sowieso aus dem Haus."

Also habe er sich bei einer Bremer Reederei als Ingenieurassistent beworben.  "Am 23. Dezember 1959 fuhr ich mit gepacktem Koffer nach Hamburg", am 2. Januar lief er dann schon mit der MS Mariaeck in Richtung Portugal und Spanien aus. Binnen zehn Jahren arbeitete er sich zum leitenden Schiffsingenieur hoch.

Ein Buch zu schreiben hatte er eigentlich nicht geplant. "Ich bin ja kein Schriftsteller", sagt der 74-Jährige lachend. "Ich habe die Geschichten aber Bekannten erzählt. Und die meinten, dass ich meine Erlebnisse unbedingt mal aufschreiben sollte." Also setzte sich Bartels vor eineinhalb Jahren an den Computer - im März 2016 war das Werk fertig. "Es ist schon schön, wenn man sein eigenes Buch in den Händen hält", sagt er. Wer möchte, kann es zum Preis von 11,50 Euro im Buchhandel und im Internet bestellen.

Bis heute lässt ihn die Seefahrt nicht los: Mit seiner Lebensgefährtin Edith Ladewig-Kraushaar unternahm der 74-Jährige zuletzt mehrere Urlaubsreisen - auf Containerschiffen. Sechsmal fuhren die beiden jeweils für vier bis acht Wochen als Gast auf den Ozeanriesen zur See; fast immer auf der Route über den Suezkanal bis nach Indien, Shanghai oder an die Grenze Nordkoreas.

Bei einer Lesung präsentiert Claus-Jürgen Bartels am Montag, 17. Oktober, ab 16 Uhr einige Geschichten aus seinem Buch im Musikzimmer der Victor's Residenz Margarethenhof. Der Eintritt ist frei.

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Von Daniel Junker

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