Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Grasdorferin unterstützt Bauprojekt in Nepal

Nach Erdbeben Grasdorferin unterstützt Bauprojekt in Nepal

Von der Leinemasch in den Himalajastaat: Seit drei Monaten unterstützt die Grasdorferin Dorit Battermann verschiedene Wiederaufbauprojekte in Nepal. Nach dem schweren Erdbeben vom Frühjahr 2015 harren dort noch immer weite Teile der Bevölkerung in Notunterkünften aus.

Voriger Artikel
Junge Talente treten bei Jugend musiziert an
Nächster Artikel
Schlittenfahrt zur Schule

Typische Notunterkunft: Die halbrunde Form gibt der Wellblechhütte mehr Stabilität. Die Grasdorferin Dorit Battermann hilft bei verschiedenen Wiederaufbauprojekten. 

Quelle: privat

Grasdorf. Gesundheitlich gehe es ihr gut und die Arbeit im Team sei toll, erzählt die 47-Jährige beim Telefonat mit den Leine-Nachrichten. „Das Projekt mit den 95 Häusern ist aber eine echte Herausforderung.“
Die Zeit drängt. Bis zum Beginn der Regenzeit im Juni müssen die Häuser für insgesamt rund 570 Menschen fertig sein – und bis jetzt wurde noch kein Stein verbaut. Dabei fehlt es nicht etwa an örtlichen Baufirmen oder Material. Die größte Hürde ist vielmehr die Bürokratie. „Es ist ganz schwierig, die entsprechenden Papiere und Genehmigungen zu bekommen“, sagt Koordinatorin Battermann. Teilweise müssten Besitzverhältnisse geklärt werden, die Generationen zurückliegen.

Wer für das Projekt 95 Häuser in den Distrikten Lalitpur (60 Häuser) und Makwanpur (35 Häuser) als künftiger Hausbesitzer ausgewählt wird, entscheidet sich nach sozialen Kriterien wie der Frage nach Waisen oder Behinderungen. „Es sind Fälle dabei, wenn Sie die sehen, stehen Ihnen die Tränen in den Augen“, erzählt Battermann. „Eine stark Asthma-kranke Frau hat uns angefleht, dieses Haus zu bauen. Sie bekommt die Papiere nicht zusammen.“ In einem anderen Fall habe die Mutter zweier Kinder keine Chance, das völlig zerstörte Haus neu aufzubauen, weil das auf den Namen ihres Mannes eingetragen ist und der sich aus dem Staub gemacht hat.

Vor Kurzem wurde Dorit Battermann (Bild links) von Nepals Premierminister Khadga Prasad Oli empfangen, der sich über die Frauenprojekte informierte. 

Quelle: privat

Zum Projektteam gehören neben Battermann zwei Deutsche und vier Nepalesen. Sie sind als Bauingenieure oder Architekten tätig oder begleiten den sozialen Prozess. Die Häuser werden nicht einfach hingestellt, sondern mit den künftigen Hausbesitzern errichtet, erklärt Battermann. „Sie werden vorher ausgebildet als Tischler oder Maurer.“ Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Erdbebensichere Häuser

Die schweren Erdstöße im April und Mai – noch immer gibt es Nachbeben – haben vor allem alte Gebäude in ländlichen Gegenden getroffen. In Nala bei Kathmandu wurden so über die Hälfte der Häuser komplett zerstört oder unbewohnbar. Um die neuen Häuser erdbebensicherer zu machen, müssen stabilisierende Bänder am Sockel, in der Mitte und dem Dach eingezogen werden. „In Lalitpur wird mit Stahl gearbeitet“, sagt Battermann. Bei den Häusern aus Flusssteinen und Holz, wie sie im Distrikt Makwanpur typisch sind, übernehmen feste Holzbalken die Funktion. Die Grundfläche ist idealerweise quadratisch.

In dem Ort Nala wurden über die Hälfte der Häuser durch die Erdbeben komplett zerstört. Die Frauen zeigen per Handzeichen, wer von ihnen in einer Notunterkunft wohnt.

Quelle: privat

Erschwert wird das Leben in Nepal zurzeit auch, weil Benzin, Strom und Gas knapp sind. Sogar in der Hauptstadt Kathmandu verfeuern die Menschen Holz und den ein oder anderen Balken zum Kochen. Der Strom wird bis zu 14 Stunden abgeschaltet, sogar in den Fabriken. Im Projektbüro stehen deshalb Autobatterien, mit denen Lampen oder kleinere Elektrogeräte betrieben und das Handy aufgeladen werden können.

Zwei Frauenprojekte

Der überdachte Treffpunkt (Pati) der Frauen in Nala wurde bei dem Erdbeben beschädigt und ist derzeit ein Holzlager. 

Quelle: privat

Parallel zu dem Hausbauprojekt, das sie für eine Schweizer Stiftung betreut, engagiert sich Battermann noch für zwei private Frauenprojekte im Katastrophengebiet. In dem etwa 25 Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernten Nala arbeiten Frauen am Wiederaufbau ihres zerstörten Treffpunktes, dem Pati. In Chaling im Distrikt Bhaktapu bemüht sich eine andere Gruppe um die Wiederherstellung der Wasserversorgung, weil seit dem Erdbeben deutlich weniger Wasser aus der Bergquelle kommt. Ein Wassertank soll angeschafft werden, der den Tagesbedarf sichert.
Was Nepal benötigt? „Nicht komplett aus dem Blickfeld zu geraten“, antwortet Battermann, die bereits sechs Jahre als Entwicklungshelferin in dem Himalajastaat gelebt hat. Der Tourismussektor ist ein immens wichtiger Wirtschaftsfaktor und nach dem Erdbeben massiv eingebrochen, selbst in Regionen, die kaum betroffen sind. „Nepalreisen sind ohne Weiteres möglich.“ Darüber hinaus freut sich Battermann auch über Spenden. Die äußeren Umstände und der schleppende Wiederaufbau seien zuletzt nicht immer einfach gewesen. Es habe schon Momente gegeben, wo sie alles hinschmeißen wollte, gesteht Battermann. Aber dann denke sie an die Menschen und weiß: „Ja, das ist es wert.“

Spendenkonto

Das Spendenkonto für Battermanns Projekte lautet: Gespa e. V., Sparkasse Göttingen, IBAN: DE88 2605 0001 0056 0105 64; BIC/SWIFT-Code: NOLADE21GOE; Verwendungszweck: Nepal.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Die neuen Mitglieder des Stadtrates Laatzen

Die Bürger in Laatzen haben bei der Kommunalwahl auch über ihren Stadtrat abgestimmt. Die Mitglieder im Überblick.

Laatzen-Seite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
doc6rn7vl1lk4h4fu61fpo
Sopranistin singt Mozart-Werke bei St. Nicolai

Fotostrecke Laatzen: Sopranistin singt Mozart-Werke bei St. Nicolai