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Agenda-Gruppe warnt vor "Krieg gegen die Natur"

Laatzen Agenda-Gruppe warnt vor "Krieg gegen die Natur"

Die Stadt und der Klimawandel: Manfred Vogel und Michael Schilmover von der lokalen Agenda21-Gruppe sind überzeugt, dass Laatzen auf die Herausforderungen der Erderwärmung ungenügend vorbereitet ist. In einer Serie greifen wir Aspekte des Themas auf. Heute: Die Schattenseiten des Frühjahrsputzes.

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Baumpflege oder "Krieg gegen die Natur"? Manfred Vogel von der Agenda-Gruppe sieht das Ergebnis der Pflegearbeiten, die manche Bäume in Laatzen erfahren, mit Skepsis.

Quelle: privat

Laatzen. Es ist die Jahreszeit, in der der Natur in der Stadt zu Leibe gerückt wird. Die Zeit, in der Büsche, Bäume und Sträucher beschnitten und gestutzt, Rasenflächen geschoren und Beete und Grünanlagen durch die Beseitigung der letzten Laubblätter hübsch hergerichtet werden. Pflegemaßnahmen nennen das die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes und die von Wohnungsgesellschaften beauftragten Gärtner, „Krieg gegen die Natur" Manfred Vogel und Michael Schilmover.

Ablesen lasse sich dieser „Krieg" an den immer ausgefeilteren Gerätschaften die beim „Frühjahrsputz" zum Einsatz kämen. Da werde mit der Kettensäge Tabula rasa gemacht, mit Wasserdampf gegen Gras, Moose und Insekten zu Felde gezogen, da werden Geschütze wie der Laubbläser aufgefahren, der mit der Beseitigung des Laubs zugleich den Rückzugsraum von Insekten, Igeln und anderen Tierarten zunichte macht, von der verheerenden Wirkung – Stichwort Verwüstung – auf den Boden einmal ganz abgesehen.

Zweifel hegen Vogel und Schilmover zudem an der Befähigung mancher Mitarbeiter, den ohnehin viel zu häufigen Baum- und Strauchschnitt fachgerecht auszuführen. „Insbesondere bei Bäumen lässt sich immer wieder beobachten, dass sie keine richtige Krone ausbilden und in der Folge kein geschlossenes Blätterdach aufweisen, unter dem sich kühle Luft und Feuchtigkeit halten können", sagt Vogel. „Beides Faktoren, die sich speziell in den Sommermonaten negativ auf das Stadtklima auswirken." Auch führe die unsachgemäße Beschneidung dazu, dass die Bäume krank würden und sich nicht mehr gegen den Befall von Parasiten zur Wehr setzen könnten.

„Bei den Hecken und Sträuchern haben wir das Problem", ergänzt Schilmover, „dass das ständige Beschneiden und Herausschneiden von Ästen und Zweigen den Lebensraum zahlreicher Tierarten zerstört. Diese Hecken taugen nicht mehr zum Nestbau oder als Versteck – die Tiere, hier insbesondere Vögel, verschwinden aus der Stadt." Ein Phänomen, welches auch bei Rasenkanten, Randstreifen und Wegrändern, dem Lebensraum zahlreicher Insekten, zu beobachten sei. „Das beständige Beschneiden, Mähen, Hacken und Harken", sagt Vogel, „mündet so in einen Rückgang der biologischen Vielfalt. Das ist nicht nur schlecht für das Stadtklima, sondern auch für das aus dem Gleichgewicht geratende Immunsystem der Stadt."

Vogel und Schilmover ist bewusst, dass die Natur in der Stadt in einem gewissen Maße im Zaum gehalten werden muss. Ihr Plädoyer zielt darauf ab, behutsamer zu Werke zu gehen, sehr viel genauer hinzusehen, wo und wann welche Pflegemaßnahmen unbedingt erforderlich sind. „Ganz wichtig ist es, das Personal zu schulen", sagt Vogel. „Die Leute – und das gilt auch für Hausbesitzer und Kleingärtner – müssen lernen, wie man einen Baum beschneidet, ohne dass man ihm Schaden zufügt." Ebenso wichtig sei es, Pflegemaßnahmen an den unterschiedlichen Wachstumsperioden der Pflanzen auszurichten. „Stur zweimal im Jahr die Bäume und Hecken zu beschneiden und jede Woche den Rasen zu mähen", sagt Schilmover, „tut der Natur in der Stadt nicht gut. Wir könnten der Natur vieles selbst überlassen."

Von Ralf Schunk

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