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Appell von der Laienkanzel: Tuet Muße!

Alt-Laatzen Appell von der Laienkanzel: Tuet Muße!

Die Liedzettel reichten kaum aus: Rund 350 Besucher drängten sich in der Immanuelkirche in Alt-Laatzen, als der Journalist Imre Grimm dort im Neujahrsgottesdienst die Laienpredigt hielt. Sein Thema: Das Tempo des Lebens.

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Imre Grimm auf der Laienkanzel.

Quelle: Simon Benne

Alt-Laatzen. „Ja, schön’ guten Tag.“ Ziemlich unprätentiös begrüßt der Laienprediger seine Gemeinde. Der Journalist, bekannt unter anderem durch seine humorigen HAZ-Kolumnen und als kabarettistische Rampensau im Ensemble „Salon Herbert Royal“, wirkt auch auf der Kanzel souverän. Kurzweilig, aber sehr ernsthaft widmet er sich zwischen Kolosserbrief, Kyrie und Kollekte dem Thema Zeit – und mahnt dazu, schleunigst zu entschleunigen: „Effizienz ist ein Fetisch unserer Gesellschaft“, sagt er. „Tun Sie nicht das Effektivste – tun Sie das Richtige!“

Durchaus humorvoll, aber dennoch eindringlich warnt der 42-jährige Rethener in dem Regionalgottesdienst davor, ein Leben zum Ideal zu erheben, in dem es möglichst nicht eine Sekunde Zeitverlust gebe. „Reich an Geld und arm an Zeit – das ist ein Erfolgsmerkmal“, bemerkt er. „Müßiggang ist ein aussterbendes Wort.“ Doch gerade für die Muße, für unverplante Zeit, bricht er eine Lanze: „Es ist Wahnsinn zu glauben, ein ausgefüllter Kalender sei ein ausgefülltes Leben!“

Es sind passende Worte zum Jahresauftakt und zum anschließenden Neujahrsempfang der evangelischen Christen – dem letzten von Immanuel-Pastorin Sabine Preuschoff, die im April als Superintendentin nach Burgdorf wechselt. Nachdenklich, aber nie betulich wirkt Grimms Ansprache. Nie kommt sie im hohen Predigerton daher – und ist vielleicht gerade deshalb eine perfekte Predigt. Wie im Vorbeigehen zitiert der Protestant aus dem Alten Testament, und er ermuntert die Besucher des musikalisch von Gospel plus gestalteten Gottesdienstes, Routinen zu meiden, um das gefühlte Verfliegen der Zeit abzubremsen: „Wenn Sie schon nicht nichts tun, tun sie wenigstens etwas Unvertrautes.“

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