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Dia-Zeitreise mit Jürgen Herwig

Rethen Dia-Zeitreise mit Jürgen Herwig

Ach, weißt du noch...? Dieser Satz war am Donnerstagabend im Familienzentrum häufig zu hören, denn die historischen Ansichten, die Jürgen Herwig für seinen zweiten Vortrag "Rethen gestern und heute" ausgewählt hatte, waren den meisten Zuhörern gut bekannt.

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Jürgen Herwig hielt am Donnerstagabend im Familienzentrum den zweiten Teil seines Vortrags "Rethen – gestern und heute".

Quelle: Isabel Christian

Rethen. Es ist ein bisschen wie kollektives Blättern im Familienalbum: "Ach, wie oft ich an dieser Schranke gestanden und gewartet habe", sagt eine ältere Frau vergnügt, als der Dia-Projektor das Foto der ehemaligen Bahnschranke an der Zentralstraße auf die Leinwand wirft. "Dazu gibt es sogar eine ganz amüsante Anekdote", nimmt Herwig den Faden auf.

Er erzählt von einem Abiturienten, der sich in den sechziger Jahren bei der Bundesbahn auf die für diesen Übergang ausgeschriebene Stelle als Schrankenwärter bewarb. Auf die Frage, warum er diese Arbeit denn machen wolle, antwortete der junge Mann: "Ach, da hat man viel Zeit und Platz, ich könnte mir ein Gärtchen anlegen und Hasen halten." – "Aber wenn Sie dann den Zug nicht hören... da hat es ja schon mal einen großen Unfall gegeben" – "Dann rufe ich meinen Bruder an" – "Warum das denn?" – "Der hat so was auch noch nicht gesehen." 

Der derbe Scherz bringt viele der rund 60 Zuhörer im abgedunkelten Raum zum Lachen. Ja, so war das damals. Heute gibt es den Posten des Schrankenwärter und diesen Übergang nicht mehr, stattdessen endet die Zentralstraße vor einer Lärmschutzwand. 

Herwig zeigt an diesem Abend, den die Arbeiterwohlfahrt Rethen wieder organisiert hat, viele Ecken und Gebäude von Rethen,  die es heute nicht mehr gibt oder die jetzt ganz anders aussehen. Der Abriss der letzten Ziegelei zum Beispiel, auf deren Boden heute ein Getränkemarkt steht.

Oder die Baracken an der Hildesheimer Straße Richtung Grasdorf, in denen  nach dem Krieg Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien untergebracht waren. Ende der Sechziger ließ die Stadt die Holzhäuser dann abreißen. Heute wendet an ihrer Stelle die Stadtbahn. Geht man allerdings einige Meter weiter nach links, so bietet sich ein ähnliches Bild wie vor knapp 70 Jahren: In langgestreckten Betonhäusern an einer Wiese wohnen nun wieder Flüchtlinge. "Das ist quasi eine Ironie des Schicksals", merkt ein Mann beim Vortrag an. 

Doch das gemeinsame Erinnern an Schützenfeste, das alte Schwimmbad oder die Entstehung der Steinfeld-Siedlung ist überwiegend schön. Herwig, der der letzte Gemeindedirektor war, bevor Rethen eingemeindet wurde, hat schon etwa 20 solcher historischen Vorträge gehalten und macht sich stets Gedanken, dass sein Publikum bald wohl nichts Neues mehr entdecken werde. Doch seine Vorschläge, doch mal über seine Reisen zu reden, finden bisher kaum Anklang. Die Rethener wollen lieber wieder die Bilder vom alten Bahnübergang sehen. Und sich gemeinsam an die alte Zeit erinnern.  

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Von Isabel Christian

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