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Verwaltungsgericht verhandelt am Fahrradschuppen

Grasdorf Verwaltungsgericht verhandelt am Fahrradschuppen

Gerichtstermin mal anders: Um den Rechtsstreit einer Grasdorferin mit der Stadt Laatzen über den zulässigen Abstand eines Schuppenbaus zur Grundstücksgrenze zu klären, hat das Verwaltungsgericht am Donnerstag vor Ort verhandelt bei Wassergeplätscher und Vogelgesang. Am Ende bekam die Klägerin recht.

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Wegen des Streits um einen geplanten Schuppenneubau an der Straße Am Thie kam die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover am Donnerstag nach Grasdorf. Für die Kammer trägt Referendar Matthias Dick (Mitte) den Sachverhalt vor, ....

Quelle: Astrid Köhler

Grasdorf. Es ist Donnerstag kurz vor 9 Uhr, als sich eine kleine, Aktentaschen und Mappen tragende Menschenmenge an einer Grundstückszufahrt im historischen Ortskern unweit des plätschernden Brunnens versammelt. Nachdem die Glocken von St. Marien neunmal geschlagen haben, ergreift der Größte aus der Runde das Wort. Es ist Ingo Behrens, der Vorsitzende Richter der 4. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover. Die Verhandlung bezüglich der Klage einer Grasdorfer Bauherrin gegen die Stadt Laatzen beginnt.

Er werde zunächst die Anwesenden vorstellen, denn anders als im Gericht sei ja nicht zu erkennen, wer wer sei, sagt Behrens. Mit ihm stehen jeweils zwei Berufsrichter und Schöffen, ein Referendar, die Vertreter der Stadt Laatzen – Team Bauordnung und eine Justiziarin –, die der klagenden Bauherrin und mehrere Praktikanten auf dem Kopfsteinpflasterweg des Grundstücks Am Thie 12 in Grasorf.

Seit dem 2014 von der Stadt abgelehnten Bauantrag streitet die Eigentümerin um eine "Zulassung einer Abweichung von Abstandsvorschriften" für ihren geplanten Bau.

Das Besondere: Ihr neuer Fahrradschuppen soll keine verklinkerte Industriegarage mit Flachdach sein, gegen die es auch keine rechtlichen Bedenken geben würde. Vielmehr will die Klägerin an der Grundstücksgrenze einen 4,30 Meter hohen Schuppen in Fachwerkkonstruktion mit Spitzdach errichten – angepasst an die das Ortsbild prägende historische Bebauung. Und um dessen Wände vor der Witterung zu schützen, muss das Dach 30 Zentimeter überstehen und der Bau um diesen Abstand von der Grundstücksgrenze und der dort verlaufenden Grundstückszufahrt zu den Nachbarn versetzt werden.

Die Crux: Die Stadt besteht auf dem Mindestabstand von einem Meter, auch um potenzielle, nach einem möglichen Zaunbau schwer zu pflegende "Schmutzecken" zu verhindern. Die Bauherrin wiederum will aus gestalterischen und bautechnischen Gründen den Abstand zwischen Wohnhaus und Schuppen nicht noch weiter verschmälern und den Kopfsteinpflasterweg dazwischen erhalten.

Nach Sachvorträgen der Stadt Laatzen und des Anwalts der Klägerin, in denen viel von alter und neuer Niedersächsischer Bauordnung (NBauO), Ermessensspielräumen, Interessenabwägungen und dem 2012 ebenfalls neu gefassten Paragraphen 66 die Rede ist, stellt der Vorsitzende Richter fest: Es falle schwer Beeinträchtigungen zu erkennen, die mit dem geplanten Schuppenbau einhergehen sollen. Auch die Nachbarn hätten schon zugestimmt.

"Gibt es eine Möglichkeit der Verständigung?", fragt Behrens Kläger und Beklagte, während auf der anderen Straßenseite ein Jogger vorbeiläuft. "Wir wollen eine Entscheidung des Gerichtes", antwortet der Stadtvertreter – auch um Rechtsklarheit bei künftigen Entscheidungen über Abweichungen von Vorschriften zu haben.

Nach 50 Minuten wird die Verhandlung geschlossen. Am Nachmittag kommt dann das Ergebnis: Die 4. Kammer hat der Klage der Bauherrin stattgegeben. Die Stadt hat nun einen Monat Zeit, in Berufung zu gehen und vor das Oberverwaltungsgericht zu ziehen.

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Von Astrid Köhler

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