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„Wir haben dieselben Reflexe wie Steinzeitmenschen“

Laatzen-Mitte „Wir haben dieselben Reflexe wie Steinzeitmenschen“

Ist der Flüchtlingsstrom eine Gefahr oder eine Chance für christliche Werte? Das war die zentrale Frage, über die am Freitagabend die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth, Propst Martin Tenge sowie Petra Herrmann und Gerd Braun vom Laatzener Netzwerk für Flüchtlinge diskutierten.

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Das Interesse an dem Thema Flüchtlingswelle ist groß. Im Saal bei St. Oliver gibt es kaum noch einen freien Platz.

Quelle: Stephanie Zerm

Laatzen-Mitte. Mit der Veranstaltung hatte die Katholische Männergemeinschaft ein Thema gefunden, das offenbar viele Menschen in Laatzen bewegt: Es gab kaum noch einen freien Platz im Gemeindehaus von St. Oliver.

„Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind eigentlich die Grundpfeiler christlicher Religionen“, erklärte Moderator Heinz Domdey von Männergemeinschaft zu Beginn. Äußerungen von Politikern zur „Abwehr von Flüchtlingen“, selbst aus Parteien mit dem Wort „christlich“ im Namen, würden jedoch ein grelles Licht auf die aktuelle Situation werfen. „Christliche Moralvorstellungen erscheinen zunehmend als letzte Zuckung einer in die Defensive geratenen Minderheit.“

Dieser Aussage wollten sich die Podiumsteilnehmer allerdings nicht anschließen. „Vielleicht sind es gerade die Flüchtlinge, die uns wieder an unser Christsein erinnern und dieses damit retten“, erklärte Probst Martin Tenge und ging mit der Angst vieler Deutschen vor einer Islamisierung stark ins Gericht. „Die Flüchtlinge steigern den muslimischen Glauben in Deutschland lediglich um 1,2 Prozent.“ Insgesamt seien dann etwa 8 Prozent der Menschen in Deutschland Muslime. 14 Prozent seien katholisch, 39 Prozent evangelisch und 40 Prozent konfessionslos. „Der Islam wird bei uns immer eine Minderheit bleiben“, sagte Tenge und betonte: Die größte Gefahr für das Christentum sei die wachsende Gruppe der Konfessionslosen.

Doch auch diese können christlich handeln, wie Gerd Braun vom Netzwerk für Flüchtlinge darstellte. „Ich erlebe viel Hilfsbereitschaft.“ Diese sei eine große Chance für die Gesellschaft. „Denn wir brauchen wieder ein Gefühl von Solidarität.“

„Nicht nur Christen können gute Menschen sein“, betonte auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth. Angesichts der Flüchtlingswelle erlebe sie viele Menschen, die helfen würden - aber auch viel Sorge und Angst.

„Wir haben heute noch dieselben Reflexe wie Steinzeitmenschen“, erklärte Petra Herrmann vom Netzwerk für Flüchtlinge. Damals sei es für das Überleben wichtig gewesen, Angst vor Fremden zu haben, um sich selber zu schützen. Heute müssten wir jedoch unsere archaischen Verhaltensreflexe überwinden.

Zwar gebe es unter den Flüchtlingen auch „verdammte Verbrecher“, sagte Probst Martin Tenge. „Aber wir haben hier in Deutschland auch nicht nur Engel sitzen.“ Daher müsse man differenzieren. Die meisten Flüchtlinge seien ausgesprochen dankbar und brächten nicht nur für den Arbeitsmarkt, sondern auch menschlich ein großes Potential mit. Das bestätigte Gerd Braun, der eine irakische Familie in Laatzen betreut. „Die Menschen sind froh, wenn man sie aus ihrer Lethargie holt.“

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Auf dem Podium diskutieren die Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth (von links), Propst Martin Tenge sowie Petra Herrmann und Gerd Braun vom Laatzener Netzwerk für Flüchtlinge.

Quelle: Zerm

Von Stephanie Zerm

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