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Kein Glockengeläut in Erinnerung an Bombennacht

Grasdorf Kein Glockengeläut in Erinnerung an Bombennacht

Am 22. September 1943 wurde Grasdorf durch einen Luftangriff der Alliierten fast vollständig zerstört. Eine Grasdorfer Initiative setzt sich dafür ein, dass künftig mit einem Glockengeläut an das Ereignis erinnert wird - als Mahnung zum Frieden. Die St.-Marien-Gemeinde lehnt dies jedoch ab.

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Die Stiftung Grasdorf an der Leine und ihr Vorsitzender Walter Battermann setzen sich für ein Glockengeläut in Erinnerung an die Grasdorfer Bombennacht im Jahr 1943 ein.

Quelle: Dorndorf

Grasdorf. Für Walter Battermann gehört die Bombennacht im Jahr 1943 zu den schrecklichsten Erfahrungen seines Lebens. "Es war die Hölle auf Erden. Das werde ich mein Leben lang nicht los, was ich beim Bombenabwurf erlebt habe", sagt der 82-jährige Grasdorfer. 16 Menschen im Ort kamen damals ums Leben, viele wurden verwundet - auch Kinder. 80 Prozent des Dorfes lagen in Schutt und Asche, mehr als in den meisten anderen Dörfer der Region.

"Wenn man sich Grasdorf heute ansieht, kann man sich das nicht mehr vorstellen", sagt Battermann. Umso wichtiger ist es aus seiner Sicht, die Erinnerung an die Katastrophennacht aufrecht zu erhalten. "Wenn wir das, was wir erlebt haben, nicht weiter tragen, wird es nicht besser auf dieser Welt."

13 Mitglieder der Stiftung Grasdorf an der Leine haben deshalb eine Initiative ins Leben gerufen: Einmal im Jahr, am 22. September um 22 Uhr - um diese Zeit begann 1943 der Angriff -, sollen die Glocken der St.-Marien-Kirche erklingen. Als "Botschaft der Versöhnung und des Friedens", wie die Initiative betont. Dafür gibt es Vorbilder: Unter anderem erinnern Städte wie Dresden, Magdeburg und Plauen auf diese Weise an die verheerenden Zerstörungen während des Kriegs.

Anfang August trug die Stiftung ihre Bitte der St.-Marien-Gemeinde vor. "Zeugt es nicht von Verantwortungsbewusstsein, wenn wir Anlässe suchen, um Denkanstöße zu geben?", heißt es im Schreiben an den Kirchenvorstand. Zu Beginn dieser Woche kam dann jedoch die Absage - zur Enttäuschung Battermanns.

Wie Pastor Burkhard Straeck auf Anfrage erläutert, hat der Kirchenvorstand das Thema beraten. "Wenn die Glocken um 22 Uhr mitten in der Woche läuten, würde das eher für Unruhe sorgen denn als Mahnung", begründet Straeck die Absage. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die Praxis des warnenden Geläut im Katastrophenfall. "Wir möchten das Geläut deshalb nur dann haben, wenn es sich um einen Gottesdienst handelt." Außer an normalen Wochenenden geschehe dies an Festtagen, bei Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen, beim Tagesgeläut und bei Sondergottesdiensten.

Offen sei die St.-Marien-Gemeinde hingegen für ein stilles Gedenkens am Abend des 22. September. Möglich wäre es auch, das Erinnern mit dem Volkstrauertag zu verbinden. Battermann lehnt jedoch beides ab: "Da erreichen wir nicht die, die wir erreichen wollen." Es gehe schließlich darum, das Ereignis möglichst vielen in Erinnerung zu rufen - nicht nur denen, die ohnehin an einer solchen Veranstaltung teilnähmen.

Ein Hintertür lässt Straeck offen: Darauf angesprochen, hält es es für denkbar, an runden Jahrestagen die Glocken klingen zu lassen - etwa anlässlich des 75. Jahrestages im Jahr 2018. "Ich kann mir vorstellen, dass wir dann etwas mit mehr Vorlauf machen, zum Beispiel mit einem Vortrag und einer offiziellen Andacht, bei der dann entsprechend geläutet wird." Werde dies früh genug in der Zeitung und dem Gemeindeblatt "Zeiten und Zeichen" angekündigt, könne sich niemand beklagen.

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