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Protest gegen Personalnot im Krankenhaus

Grasdorf Protest gegen Personalnot im Krankenhaus

"Aufstehn für die Pflege": Mehr als ein Dutzend Beschäftigte des Regionsklinikums Agnes Karll haben am Donnerstag gegen die anhaltende Personalnot in Krankenhäusern demonstriert. Allein in Grasdorf sind 17800 Überstunden angefallen. Zum Protests aufgerufen hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

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"Aufstehn für die Pflege": Mehr als ein Dutzend Beschäftigte des Klinikums Region Hannover in Grasdorf folgen am Donnerstag dem Aufruf von Verdi und seinen Vertrauensleute, um auf die Personalnot in Krankenhäusern hinzuweisen. Allein am Standort Agnes Karll mit seinen rund 500 Beschäftigten sind inzwischen 17774 Überstunden angefallen.

Quelle: Astrid Köhler

Grasdorf. 3232, 2742, 600,...: Mit Kartons und Schildern, auf denen die angesammelten Überstunden aus den Stationen und Abteilungen notiert waren, stellten sich die Beschäftigten in Grasdorf zur Mittagszeit für einige Minuten und ein Foto vor den Haupteingang – eh sie zurück zur Arbeit gingen. Der Großteil der zuletzt am Standort Grasdorf mit seinen rund 500 Beschäftigten aufgelaufenen 17774 Überstunden betreffe den Pflegebereich, sagte der Schwerbehindertenvertreter Thomas Marquardt aus dem Kreis der Verdi-Vertrauensleuten. Einzelne Pflegekräfte mit 100 Überstunden seien keine Seltenheit. "Wir sind mittlerweile am Ende unserer Kräfte. Viele Kollegen können gar nicht mehr", ergänzt seine Kollegin Kirsten Seidensticker, die auf der Intensivstation arbeitet. In den letzten Jahren sei die Belastung beständig gewachsen.

Die vor 1,5 Jahren getroffene Bertriebsvereinbarung, wonach die Überstunden zum Jahresende auf Null gesetzt werden sollten, greife nicht. Was helfe es, einen Tag zu Hause zu bleiben, wenn die Arbeit von Kollegen mit erledigt werden muss und deren Belastung steige. Zum Krankenstand dürften sie sich nicht äußern, sagen die Vertrauensleute. Nur soviel: Die üblichen Ausfallzeiten von 18 Prozent inklusive Urlaubstagen und Fortbildung lägen in Grasdorf wie auch in vielen anderen Kliniken "deutlich höher"

Von den einst 120 schiebt Krankenpfleger Jörn Heidel noch immer 63 Überstunden vor sich her. "Wir wollen Stunden abbauen", betont der Pfleger. Freizeit haben, Privatleben und Familie pflegen, Kraft sammeln für den verantwortungsvollen Job in der Notaufnahme, auf den Stationen, der Palliativabteilung. Darauf kommt es an. Auszahlungen sind kaum lukrativ, ergänzt Seidensticker.

Sogar die Auszubildenden sind nicht ausgenommen, obwohl diese vom Gesetz her gar keine Überstunden machen dürfen, bestätigt die Jugend- und Auszubildendenvertraute Theresa Tilsner aus dem Kreis der Verdi-Vertrauensleute.

Grasdorf ist kein Einzelfall. Bundesweit fehlen Verdi-Schätzungen zufolge 162.000 Stellen in Krankenhäusern, davon allein 70.000 in der Pflege. Es gebe bewusst keine Personalberechnung, weil die nötigen Stellen mit größter Wahrscheinlichkeit weder bezahlt noch überhaupt mit Bewerbern besetzt werden könnten, sagt die Betriebsrätin und Verdi-Vertrauensfrau Anne Siefer: "Der Markt ist abgegrast. Auf dem Land war das schon länger so, jetzt ist das Problem auch in der Stadt angekommen."

Von Astrid Köhler

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