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Kurtz ist der dienstälteste Vereinschef in Laatzen

Alt-Laatzen Kurtz ist der dienstälteste Vereinschef in Laatzen

Seit 45 Jahren hat der Fischereiverein Laatzen ein und denselben Vorsitzenden: Klaus Kurtz. Der 72-jährige ist damit dienstältester Vereinschef der Stadt. Mit ihm über die Entwicklung des 340-Mitglieder-Vereins, anstrengende Nebenarbeiten und den perfekten Angeltag sprach Redakteurin Astrid Köhler.

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Seit 1972 ist Klaus Kurtz der Vorsitzende des Fischereivereins (damals noch Fischerei- und Freizeitverein) Laatzen.

Quelle: Astrid Köhler

Alt-Laatzen. Herr Kurtz, Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt am Wasser gestanden und geangelt?

In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. Mit Erfolg: ein Hecht.

Öffentlich sind Sie bisher weniger durch die Nutzung von Gewässern als vielmehr deren Pflege in Erscheinung getreten. Ist der 2011 gebraucht für 43.000 Euro gekaufte Unterwassermäher eigentlich schon startklar für die neue Saison?

Grundsätzlich ja, aber die Vogelbrutzeit hält uns noch vom Fahren ab. Aus dem Langen Teich holen wir mit unserem Amphibienfahrzeug jährlich zwischen 300 und 400 Tonnen aus dem Langen Teich. Das muss zuverlässig gemacht werden. Wenn man den Zeitpunkt verschläft, hat man zwei Monate später derartige Massen, das man nicht mehr hinterherkommt. Auf die Wasserpflanzen legt sich dann die Fadenalge und die deckt alles zu – wie ein Leichentuch.

Am Lange Teich haben sie ja schon 1974 und 1980 die Erfahrung machen müssen, dass ein Gewässer ,umkippt'. Die Arbeitseinsätze des Vereins sind daher umso mehr gefragt. Wie ist das geregelt?

Wir haben die Mitglieder zu jährlich zehn Stunden unentgeldlichen Arbeitsdienst an öffentlichen Gewässern verpflichtet. Zu den Aufgaben gehören die Hege und Pflege an den Gewässern, das heißt den erforderlichen Fischbesatz zu tätigen und die Ufer und Gewässerpflanzen zu pflegen mit Mäharbeiten, Baumschnitten und weiterem.

Was sind denn alles Vereinsgewässer?

Neben dem Langen Teich gehört in Laatzen den Sportteich, der Sperberteich und Stückenfeldteich zu uns. Im Bereich Sarstedt und Koldingen haben wir weitere fünf Teiche, insgesamt also neun. Hinzu kommen noch das Gemeinschaftsgewässer Koldinger Teiche und die Neue Leine. Als Genossenschaftsmitglied nutzen wir die Leinestrecke von den Grasdorfer Wasserwerken bis zur Brücke Talstraße. Alle Gewässer zusammen sind fast 90 Hektar groß.

Das klingt nach viel. Braucht der Verein das wirklich?

(lacht) Als Verein muss man den Mitgliedern anglerisch schon etwas bieten. Wir finanzieren uns schließlich durch Beiträge und Spenden - von der öffentlichen Hand bekommen wir gar nichts. Wir haben mit der Neuen Leine ein Fließgewässer in dem Lachse, Meer-, Bach und Regenbogenforellen schwimmen - und Äschen. Das ist eine ganz interessante Spezies, bei der das Männchen zur Laichzeit schillert mit schönen langen Flosse. Zusätzlich haben wir noch Teiche mit unterschiedlichen Tiefen und Fischarten.

Also verschiedene Teiche für verschiedene Anglertypen?

Ja, schon. Flache Gewässer wie der Lange Teich werden schnell warm, dadurch sind wechselwarme Tiere eher in Laichstimmung. Das ist gut für Angel-Anfänger, denn dort fangen sie sicher was. In tieferen Gewässer wie dem Bergmannsteich an der B443 dauert es länger, dafür gibt es dort eine größere Artenvielfalt: rund 30 Fischarten. Neben Forellen, die sich im kalten Wasser wohlfühlen wurde dort auch schon ein 2,26 Meter langer Wels gefangen. Der war vermutlich 40 Jahre alt.

Und was ist mit dem Hecht da oben (zeigt auf einen präparierten Fisch über dem Schreibtisch)?
Das ist ein "Selbstmörder". Den hat beim großen Fischsterben 1980 in den Schlamm gebissen. Ein Mitglied hat den Kopf des 1,20 Meter langen Hechtes präpariert. Die gelben Augenringe sind nicht zwar nicht ganz original - aber originell.

1970 sind sie Mitglied des erst zwei Jahre zuvor gegründeten damaligen Fischerei- und Freizeitverein Laatzen geworden, 1972 dann dessen Vorsitzender. Was sind aus Ihrer Sicht das herausragende Ereignis in der Vereinsgeschichte?

Der Bau des Wiesendachhauses Anfang der achtziger Jahre. Der Großraum Hannover hatte 1982 die unglaubliche Summe von 200.000 Mark für die Errichtung einer Toilette am geplanten Wanderweg, dem späteren Grünen Ring, im Raum Laatzen zur Verfügung gestellt. Damals kam der Oberstadtdirektor Panitz auf mich zu und fragte, ob wir nicht in Eigenarbeit das benötigte Haus, eine Ausflugslokal mit Toilette, bauen könnten.

Und dann hat der Verein ja gesagt?

Nicht gleich. Das war ja schon ein großes Gebäude. Anderseits gab es im Fischereiverein Handwerker aus allen Berufssparten und so haben wir zugesagt. Im Gegenzug sollte der Verein die Räume im Obergeschoss erhalten. Mit Herbert Kaminski hatten wir einen ostpreußischen Polier in Frührente – der übernahm die technischen Part. Mit ihm ging ich damals jeden Dienstag zur Baubesprechung zu Stadtbaurat Molli. 1983 war die Grundsteinlegung, am 15. Juli 1984 wurde die Einweihung des Wiesendachhauses gefeiert. Die 100 Mitglieder hatten 7500 Arbeitsstunden in den Bau gesteckt.

Gab es in den 45 Jahren auch schwierige Momente?

Oh ja. Vor einigen Jahren trat die Stadtverwaltung an uns heran. Offiziell ausgesprochen hat es niemand, aber das Wiesendachhaus sollte veräußert werden. Zum Glück konnten wir den alten Vertrag zum Neubau des Wiesendachhauses vorlegen mit der Präambel, wonach die oberen Räume für den Verein bestimmt sind.

In Ihrer Amtszeit ist die Mitgliederzahl von etwa 60 auf rund 340 angewachsen. Können Sie sich nach all den Jahrzehnten als Chef noch ein Leben ohne den Fischereiverein vorstellen?

Schwierig, weil ich fast jeden Tag etwas für den Verein machen muss. Was früher eine Monatsarbeit war, ist heute verwaltungstechnisch eine Tagesarbeit. Allein die Anfragen der Behörden.... Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie mich unterstützt. Ohne ihr Verständnis, hätte ich den Job nicht ausführen können. Sie arbeitet auch im Vorstand mit, als Schriftführerin.

In der Stadt ist derzeit niemand bekannt, der länger als Sie einen Vereinsvorsitz inne hat. Auch Werner Borsum von den Rethener Schützen ist erst seit 1983 im Amt. Wie lange wollen Sie noch weitermachen?

Jetzt mit 72 Jahren könnte ich zwar locker noch fünf Jahre machen. Ich habe mir aber vorgenommen, mein Amt bei der nächsten Wahl im Jahr 2018 zur Verfügung zu stellen. Ich würde mich freuen, wenn jemand aus den eigenen Reihen nachrückt. Wir haben unter den 340 Mitgliedern viel junge, gute Leute, die sich engagieren.

Abschließend noch einmal eine Frage zum Angeln: Wie sieht ein für Sie perfekter Angeltag aus?

Eigentlich ist jeder Tag perfekt, bei dem man nach Draußen geht und die Natur bewundern kann. Das mache ich sehr gern. Für mich gehört zum Angeln nicht nur das Fangen der Tiere sondern auch die Natur zu beobachten und zu schützen.

Okay, aber wenn Sie jetzt wirklich ums Angeln geht. Wo und wie würden Sie das gern machen?

(überlegt kurz) Beim Segeln auf der Ostsee oder mit meinem achtjährigen Enkel. Der hatte mich lange gelöchert, bis wir im letzten Herbst losgegezogen sind - an einem bewölkten Tag zu den neuen Teichen in Sarstedt. Wir haben uns eine Stelle mit Wurfreiheit ausgesucht und mit dem dritten oder vierten Wurf hat er getroffen und später sogar einen Barsch gefangen. Er war so stolz. Das hat mir sehr viel Freude gemacht – und das werden wir wiederholen.

Herr Kurtz, vielen Dank für das Gespräch.

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Von Astrid Köhler

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