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LKA-Experte klärt über Salafismus auf

Laatzen-Mitte LKA-Experte klärt über Salafismus auf

Was tun, wenn sich Menschen islamistisch radikalisieren? Der Laatzener Präventionsrat beschäftigt sich aktuell mit der Gefahr des Salafismus. Bei einem Vortrag rief Andreas Schwegel von Landeskriminalamt dazu auf, mehr Informationen in die Schulen zu tragen - und warnte vor einer Zunahme des Problems.

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Was ist Salafismus - und wie kann man einer Radikalisierung vorbeugen? Andreas Schwegel vom Landeskriminalamt klärt bei der Veranstaltung des Präventionsrats im Stadthaus auf.

Quelle: Dorndorf

Laatzen-Mitte. Es waren teils drastische Bilder, die Schwegel am Dienstagabend den knapp 20 Zuhörern im Laatzener Stadthaus präsentierte. Ein Video dokumentierte, wie Anhänger des Islamischen Staats in Syrien einem Delinquenten eine Hand abschlugen: In jener strengen Auslegung religiöser Gesetze, wie sie die Extremisten des IS praktizieren, wird so Diebstahl bestraft.

Ausgeübt werden solche Praktiken von einer Minderheit der weltweit 1,6 Milliarden Muslime, betonte Schwegel. "Die wenigsten Muslime sind Islamisten." Zu salafistischen Strömungen zählten die "Extremsten unter den Extremen". Für Niedersachsen gehen die Behörden von etwa 520 Anhängern aus - Tendenz steigend. Deren Anhänger lehnen Demokratie und Rechtsordnungen wie die des Grundgesetzes als Götzendienst ("Shirk") ab.

"Wie kann es sein, dass so eine abstoßende Ideologie eine solche Faszination ausübt?", fragte der LKA-Experte. Salafistische Gruppen böten Orientierung - durch ihre Ideologie, einem strengen Tagesablauf, Kleidungs- und Essensvorschriften. "Nicht wenige haben vorher ein vermurkstes Leben geführt, auch Kleinkriminelle sind darunter." Zugleich gebe es ein starkes Gemeinschaftsgefühl. "Das finden Sie auch bei rechtsextremen Kameradschaften", sagt Schwegel - allerdings bei Salafisten unabhängig von Herkunft und Hautfarbe. Dritter Aspekt ist der der Rebellion. "Wenn Sie Ihr Elternhaus gegen sich aufbringen wollen, dann haben Sie heute zwei Möglichkeiten: Entweder Sie werden Neonazi oder Salafist."

Anzeichen für eine Radikalisierung gebe es nur annäherungsweise."Viele, die in der salafistischen Szene landen, haben ein tiefes Gefühl von Unmut in sich getragen", sagt Schwegel. "Das als Lehrer oder Sozialarbeiter zu erkennen kann vieles verhindern". Hinweise können Veränderungen des Erscheinungsbildes, der Abbruch sozialer Kontakte und ein ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken sein. "Wenn man feststellt, dass jemand, der vorher ein fröhlicher Mensch war und im Umgang mit Nicht-Muslimen kein Problem hatte, sich zurückzieht oder anfängt zu missionieren oder in Freund-Feind-Bildern arbeitet, plötzlich ein Problem mit Frauen hat und ihnen nicht die Hand gibt, können das Anzeichen sein", sagt der LKA-Experte - warnt aber zugleich vor voreiligen Schlüssen. Ähnlich sieht das Ludger Oldeweme vom Laatzener Präventionsrat: "Bart tragen ist gerade sehr in bei den Kids" - dies allein sei kaum ein Zeichen für Salafismus.

Zu wenig Information an Schulen: Schwegel kritisiert, dass das Phänomen von Schulbehörden lange stiefmütterlich behandelt worden sei - bis sich die Schulen selbst an die Polizei gewandt hätten. "Seit Anfang 2015 sind wir in Lehrerfortbildungen unterwegs. Die Leute wissen aber immer noch sehr wenig über das Thema." Schulen bräuchten Informationen über Beratungsangebote und polizeiliche Ansprechpartner, hilfreich seien auch Fortbildungen der Präventionsräte und der Aufbau strukturierter Netzwerke. Bürgermeister Jürgen Köhne kündigte an, das Thema weiter zu verfolgen. "Das sollte für uns eine ganz wichtiges Thema sein. Wir werden uns Gedanken machen, wie wir das weiterentwickeln."

Wachsende Gefahr: Unterm Strich dürften die Probleme nach Einschätzung des LKA noch wachsen. Bislang seien bundesweit etwa 810 Jihadisten bekannt, die für den Glauben in den Krieg gezogen seien - rund ein Drittel davon sei zurückgekehrt, so Schwegel. "Probleme, die auf Brennpunkte zukommen werden, sind mittel- und langfristig die Fragen nach Rückkehrern und wie wir mit Leuten umgehen, die aus den Gefängnissen rauskommen." Brennpunkte in Niedersachsen seien vor allem Braunschweig-Wolfsburg und Hildesheim, aber auch Hannover.

Salafismus: Leben wie im Mittelalter

Der Begriff Salafismus leitet sich vom Arabischen al-salaf al-salih ab. Übersetzt bedeutet dies "die frommen Vorfahren", "die rechtschaffenen Altvorderen". Bezeichnet werden so die ersten drei Generationen von Muslimen, die in der islamischen Frühzeit im 7. und 8. Jahrhundert gelebt haben - und auch heute noch von vielen Muslimen gewürdigt werden. Im Gegensatz zur großen Mehrheit der Muslime wollen Salafisten ihre Glaubens- und Lebenspraxis vollständig an den Regeln der islamischen Frühzeit orientieren - und diese in Form eines politischen Programms verbindlich durchsetzen. Damit einher gehen die Ablehnung von Demokratie und Menschenrechten. Experten unterscheiden zwischen politischen Salafisten, die ihre Ideologie durch Propaganda vertreten, und jihadistischen Salafisten, die ihre Ziele auch mit Gewalt durchsetzen wollen.

Hier gibt es Beratungsangebote:

- Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat Broschüren und ein Medienpaket zur Prävention erstellt. Die Präventionsstelle Politisch motivierte Kriminalität ist unter (0511) 262620 erreichbar.

- Seit Dezember 2014 gibt es in Hannover den Verein beRATen (Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung). Gegründet wurde er von islamischen Verbänden, der Uni Osnabrück, Land, Städtetag und mehreren anderen Verbänden. Ziel ist es, jungen Menschen und Angehörigen Wege zur Abkehr von der Ideologie aufzuzeigen. Telefon: (0511) 70052040.

- Der Landespräventionsrat macht im Bereich Rechtsextremismus und seit 2015 auch zum Thema Salafismus Präventionsangebote. Kommunen und Bürger erhalten Beratung und Tipps zur Konzeptionierung von Veranstaltungen und Fortbildungen. Telefon: (0511) 1205255.

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Was ist Salafismus - und wie kann man einer Radikalisierung vorbeugen? Andreas Schwegel vom Landeskriminalamt klärt bei der Veranstaltung des Präventionsrats im Stadthaus auf.

Quelle: Dorndorf
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