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„Einwanderung ist notwendig“

Laatzen „Einwanderung ist notwendig“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch hat in Laatzen eine Gesprächsreihe über die Herausforderungen der Integration von Flüchtlingen eröffnet, die er in den weiteren Kommunen seines Wahlkreises fortsetzen will. Gast der ersten Veranstaltung war der Kriminologe Christian Pfeiffer.

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Debatte aus aktuellem Anlass: Matthias Miersch (rechts) diskutiert mit Christian Pfeiffer und den anwesenden Gästen über die Integration von Flüchtlingen.

Quelle: Tobias Lehmann

Laatzen. Am Ende seines Vortrags kommen dem ehemaligen niedersächsischen Justizminister Pfeiffer die Tränen. Er berichtet gerührt von einer Hochzeit, auf der Deutsche und Afghanen zusammen gefeiert haben. „Das Zusammenleben verschiedener Kulturen kann eine Bereicherung für alle sein“, sagte Pfeiffer.

Die Meinungen des Kriminologen zur Integration von Flüchtlingen beruhen aber nicht nur auf emotionalen Erfahrungen, sondern auch auf zahlreichen Statistiken, die er im Stadthaus in Laatzen den etwa 60 Vertretern aus den zehn Kommunen vorstellte, die zum Wahlkreis von Miersch gehören. Aus Laatzen, Pattensen, Springe, Uetze und Wennigsen sind die Bürgermeister persönlich gekommen, die anderen Verwaltungen haben Vertreter geschickt.

Pfeiffer plädierte vor allem für Ehrlichkeit. „Politisches Geschwätz, das konkrete Inhalte vermissen lässt, treibt die Bürger in die Arme extremer Gruppen“, sagte er. Der Kriminologe kritisiert, dass Deutschland immer noch nicht offiziell zugegeben hat, ein Einwanderungsland zu sein. Dabei sei ein jährlicher Zuzug von rund 500 000 Bürgern notwendig, um die Qualität des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu erhalten. Grund dafür ist die sinkende Zahl von Kindern in diesem Land. „Insofern ist die Aufnahme von Neubürgern gleichzeitig ein Akt der Humanität wie auch Überlebenshilfe für unser Land“, sagte der Kriminologe.

Pfeiffer bemängelt, dass Deutschland im vergangenen Jahr im Staatshaushalt einen Überschuss von 19 Milliarden Euro eingenommen hat, aber kaum Geld für die Integration ausgebe. „Wenn die Integration nicht gelingt, wird die Kriminalität steigen. Frust führt zu Straftaten“, befand er. So seien die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln, an denen auch Asylbewerber beteiligt waren, das Ergebnis einer verfehlten Integrationspolitik. Sollte die Integration jedoch gelingen, erwartet Pfeiffer keinen Anstieg der Kriminalität.

Aus seiner Sicht ist es sinnvoll, in Deutschland lebende Muslime als Paten für die Asylsuchenden zu gewinnen. Auch Sprachkurse bräuchten Unterstützung, etwa im Umgang mit Traumapatienten. Pfeiffer schlug weiterhin vor, Apps für Smartphones zu entwickeln, die die Regeln in Deutschland möglicherweise in kurzen Filmen unterhaltsam erläutern. „Es reicht nicht, den Asylsuchenden dicke Bücher in die Hand zu drücken.“

Statistiken

Die Bevölkerung schrumpft: Auf 100 Erwachsene in Deutschland kommen zurzeit 68 Kinder und 47 Enkel. n?Der Anteil der Migranten an der Wohnbevölkerung ist in den vergangenen 20 Jahren von 15 auf 30 Prozent gewachsen. Gleichzeitig ging die Kriminalität vor allem unter Jugendlichen zurück. n?Im Jahr 1998 bekannten sich 41 Prozent der in Deutschland lebenden Türken zur sogenannten Machokultur, die den Mann in den Mittelpunkt stellt und das Schlagen von Frauen als legitim ansieht. Heute sind es noch 10 Prozent, die so denken. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Deutschen, die die Machokultur vertreten, von 7 auf 2 Prozent gesunken. tl

Von Tobias Lehmann

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