Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Das Rathaus kommt in die Jahre

Laatzen-Mitte Das Rathaus kommt in die Jahre

Seit Jahren schiebt die Stadt die Sanierung ihres Rathauses vor sich her - und steckt hohe Summen in Reparaturen. Wie lange lässt sich die Sanierung noch aufschieben? Wie ist die Realität unter den Mitarbeitern? Eine Bestandsaufnahme im Sitz der Laatzener Verwaltung.

Voriger Artikel
Juso-Chef zieht positive Jahresbilanz
Nächster Artikel
Stadt reagiert auf Unfall

Für technische Geräte wie die alte Heizungsanlage wird es immer schwieriger, Ersatzteile zu finden.

Quelle: Dorndorf

Laatzen. Als Carolin Braun vor drei Wochen nach kurzer Abwesenheit in ihr Büro zurückkehrt, steht sie vor dem sprichwörtlichen Scherbenhaufen. Die Abdeckung der Leuchtstoffröhren, die seit Jahren über ihrem Schreibtisch hängen, ist direkt auf ihren Arbeitsplatz geknallt. „Ich habe Glück gehabt“, sagt die städtische Architektin - wenn sie in diesem Moment am Platz gesessen hätte, wäre es nicht nur bei einer Macke am Computerbildschirm geblieben.

Es sind Materialermüdungen wie diese, die für die Baufachleute und Hausmeister im Rathaus zum Alltag gehören. Die Erklärung für den Lampensturz - inzwischen der dritte - ist längst gefunden. „Die Weichmacher haben sich aus den Abdeckungen gelöst“, sagt Stefan Vietje, der sich im Team Hochbau um den Elektrobereich kümmert. Kein Wunder, schließlich hängen sie seit fast 40 Jahren dort, die wenigsten sind ersetzt worden. Die provisorische Lösung: Die Abdeckungen wurden an all jenen Stellen entfernt, an denen sich oft Personen aufhalten.

Ähnliche Geschichten kann Stephan Gehlhaar über das Heizungssystem erzählen, für das er zuständig ist: Thermostatventile, die sich zu Beginn der Heizperiode nicht mehr aufdrehen lassen, Probleme bei der Ersatzteilbeschaffung, Toilettenkästen, die aus der Verankerung rutschen, undichte Rohre - die Liste der kleinen und großen Mängel ist lang. Und sie kosten: „Es ist schade um das Geld, das wir jetzt in das Haus reinstecken“, sagt Katrin Ortloff, Projektverantwortliche Hochbau für die Rathaussanierung. Denn klar ist schon jetzt: Bei einer Sanierung, die irgendwann auf jeden Fall ansteht, werden viele der jetzt reparierten Dinge wieder ersetzt. Allein für die Brandmelde- und Lautsprecheranlage hat die Stadt 2014 und 2015 etwa 340 000 Euro ausgegeben.

Regenwasser in der Steckerleiste

Auf der Wetterseite des Rathauses kommt es unterdessen immer wieder vor, dass Regen durch die Fassade eindringt. „Als ich vor einigen Monaten morgens in das Büro kam, hat es komisch gerochen und ich habe immer so ein Klackern gehört“, sagt eine Kollegin Ortloffs im Team Hochbau. Vom Fenster aus war Regenwasser direkt in eine Steckerleiste getropft - die Leisten dürfen seitdem nicht mehr auf dem Boden liegen. Wie aber gelangt das Wasser ins Gebäude? Die Fugen in der Rathausfassade sind teils undicht, sagt Vietje. Das Wasser fließe dann durch Hohlräume ins Innere. Wo genau, lässt sich schwer rekonstruieren. „Wasser sucht sich seinen Weg“, sagt Ortloff.

Ein Teil des Problems sind die Metallfenster - obgleich schon eine Reihe von Dichtungen ausgetauscht wurden. „Wenn der Wind draufsteht, springen schon mal verschlossene Fenster auf“, sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann. Einige Fenster wurden deshalb fest verschlossen.

Mitarbeiter haben einige Wünsche

Und dann ist da noch die Sache mit den Teppichen. Die Bodenbeläge stammen zum allergrößten Teil noch aus den Siebzigern - entsprechend muss man für die Bürobereiche des Rathauses eher von (unübersehbaren) Flicken- und Fusselteppichen sprechen.

Die meisten Mitarbeiter tragen all dies mit einem ironischen Lächeln. Echte Beschwerden gibt es wenige, Wünsche einige. Vor allem auf der Südostseite klagen viele über die Hitze dieser Tage, die schwergängigen Außenjalousien schaffen nur etwas Linderung. Im Winter hingegen bleibt manchen nichts anderes übrig, als die Bürotüren zu schließen - „sonst zieht die kalte Luft von den Fahrstühlen quer durchs Büro“, sagt Gehlhaar.

Das Rathaus:

Baujahr: 1975/76

Bauliche Ergänzungen: 1988 Erweiterung des Bürgerbüros; 2000 Wärmedämmung für Treppenhäuser und Giebel; 2002 Dachdämmung und neue Bitumen-Abdichtung

Brutto-Grundfläche: 9930 m²

Netto-Grundfläche: 8780 m²

Länge: 53,32 Meter

Breite: 12,40 Meter

Höhe: 43,17 Meter

Geschosse: zwölf Vollgeschosse, ein Kellergeschoss, ein Dachgeschossaufbau

Wärmeverbrauch 2012: 87.500 Euro/975 Megawattstunden

Bauweise: Systemgeschossbau

Sanierung oder Neubau?

Vor zwei Jahren, im Februar 2013, war sich die Politik bereits einig, quer durch alle Fraktionen: Das Laatzener Rathaus muss saniert oder sogar neu gebaut werden. Eine „vernünftige Arbeitsumgebung“ für die Mitarbeiter sei Pflicht, hieß es damals im Fachausschuss. Allerdings blieb schon damals die Frage offen, ob eine Sanierung, eine Teilsanierung oder ein Neubau die bessere Variante ist. Bei der Frage ist es bis heute geblieben. Denn andere städtische Projekte drängten sich in der Zwischenzeit in den Vordergrund: Auch in beiden großen Schulzentren wurden immer mehr Bau- und Brandschutzmängel bekannt. Sogar die Arbeit des Ende 2013 gebildeten Projektausschusses Rathaussanierung erweiterte der Rat um den Bereich Schule, der in der Politik offenkundig Priorität genießt. Seither wird hinter verschlossenen Türen über das künftige Raumprogramm des Rathauses beraten, über die „Arbeitsplätze der Zukunft“ – und mit welchen Vorgaben eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung in Auftrag gegeben wird.

Sie soll unter anderem klären, ob die Sanierungs- oder Neubauvariante die bessere ist. Geklärt werden muss auch, welcher Standard sich etwa bei der Wärmedämmung langfristig am meisten rechnet. Unterdessen klärt eine verwaltungsinterne Projektgruppe eine Reihe von Fragen ab, erläutert Katrin Ortloff, Projektleiterin im Team Hochbau. Wie viele Akten benötigen die einzelnen Fachteams? Wer kann während der Sanierungsphase von zu Hause aus arbeiten? Wie lassen sich die Abläufe in der Verwaltung optimieren, welche Teams benötigen eine räumliche Nähe? Besonders ärgerlich: Die Statik des Gebäudes müsse teilweise rekonstruiert werden, weil die Unterlagen aus den Siebzigerjahren unauffindbar seien. Klar ist, dass sich am derzeitigen Raumprogramm einiges ändern muss.

„Uns fehlt es überall an Lagerfläche“, sagt Stefan Vietje, der die Elektroplanung verantwortet. Beispiel EDV-Zentrale: Platz für die dafür nötigen Rechner war bei der Planung in den Siebzigerjahren nicht vorgesehen. So wurde kurzerhand ein Büroraum umfunktioniert. Ein Teil der EDV sei sogar im Toilettenbereichen untergebracht. Wann aber beginnt der Rathausbau wirklich – und was kostet er? Beliefen sich frühere Schätzungen auf bis 24 Millionen Euro, kursiert inzwischen für die Komplett-Variante eine Summe von geschätzt 30 Millionen Euro. Zum Zeitpunkt der Sanierung wagt selbst Bürgermeister Jürgen Köhne derzeit keine Prognose, er hat allerdings Wünsche: „Wenn es irgendwie geht, möchte ich dies in meiner Amtszeit noch erleben“, sagte Köhne vor Kurzem. Die endet am 31. Oktober 2021.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Laatzen-Seite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
doc6sm4a1uz68yn2aqscj1
Stehende Ovationen zum Finale der "Böhmischen"

Fotostrecke Laatzen: Stehende Ovationen zum Finale der "Böhmischen"