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Ehepaar nimmt Iraker auf

Laatzen Ehepaar nimmt Iraker auf

Die Sammelunterkünfte in Laatzen sind voll - und die Stadt rechnet damit, für mehr als die aufgenommenen 150 Flüchtlinge Wohnraum finden zu müssen. Auch Privaträume können eine Option sein, wie das Beispiel eines Paares zeigt, das einen Iraker bei sich einziehen ließ.

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Das Sleep-in Gästehaus an der Rotdornallee 11 in Oesselse will die Stadt Laatzen als zweite Sammelunterkunft für Flüchtlinge nutzen. Bis zu 40 Plätze gibt es in dem Haus, das derzeit hauptsächlich von Monteuren genutzen wird. Köhler

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. Seit Juni wohnt ein 27-jähriger Vollwaise aus dem Irak in einer kleinen möblierten Souterrain-Wohnung, die eine 71-jährige Laatzenerin und ihr Mann bisher rein privat für Gäste nutzten. „Ich bin selbst ein Flüchtlingskind und weiß, wie es ist, dort hinzukommen, wo man nicht willkommen ist“, sagt die Seniorin, die ihren Namen aus Sorge vor ausländerfeindlichen Übergriffen nicht öffentlich nennen will. Der Familienanschluss werde beiderseits gern gelebt: Die Tür stehe fast immer offen, und wenn sie im Garten arbeite, biete der Absolvent der Uni Bagdad Hilfe an. „Er hat mich zu seiner Mama erklärt, meinen Mann behandelt er im muslimischen Sinn wie einen Vater“, berichtet die Laatzenerin. Seine Dankbarkeit sei unsagbar groß. Man könne niemanden zwingen, Flüchtlinge aufzunehmen, aber sie könne es nur empfehlen, erklärt die 71-Jährige. Auch religiöse Berührungsängste gebe es nicht. Der Muslim habe um eine Bibel gebeten, seitdem schreibe er dem Paar Kärtchen mit Bibelsprüchen. Auch Feste besuchen alle gemeinsam. Angesichts der Flüchtlingswelle sei ihre Hilfe „ein Tropfen auf den heißen Stein - aber wir haben etwas getan“.

Das Beispiel sei „außergewöhnlich“, sagt Stadtsprecher Matthias Brinkmann. Bisher gebe es keine Nachahmer. Neben Wohnungen seien unter bestimmten Voraussetzungen auch Privatzimmer eine Option. „Die dezentrale Unterbringung ist unser erstes Ziel“, erklärt er. Gleichwohl prüfe die Stadt, die mit 150 aufgenommenen Flüchtlingen ihr bisheriges Jahressoll erfüllt hat, weitere Sammelunterkünfte einzurichten. Aller Voraussicht nach reichen die Einzelunterkünfte nicht aus. Die Sammelstandorte in Rethen und Ingeln-Oesselse sind voll belegt. In Letzterem wohnen laut Flüchtlingsnetzwerk 51 Iraker, Afghanen und Flüchtlinge aus Montenegro.

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