Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Aus Lust am Druck fast familiär vereint

Laatzen Aus Lust am Druck fast familiär vereint

Sie nennen sich „8+1“ – und teilen miteinander eine künstlerische Leidenschaft, die sie offenbar über Jahrzehnte hinweg vereint: Seit 1985 haben acht Künstler aus Laatzen, Hemmingen und Hannover die Drucktechniken rund um selbst gefertigte Radierungen und Kupferstiche zu ihrem miteinander verbindenden Element bestimmt.

Voriger Artikel
CDU regt Beirat für Laatzener Stadtmarketing an
Nächster Artikel
Stoppelfeld bei Ingeln gerät in Brand

Dietmar Lex (links) erläutert Besuchern des 8+1-Ateliers die Technik des Druckens.

Quelle: Torsten Lippelt

Laatzen. „Es ist eine Technik, die viel Spaß macht“, begründet Dietmar Lex die Wahl für das antiquiert erscheinende künstlerische Fertigungsverfahren.
Freunden und Gästen zeigt er im so betitelten „Atelier am Bauhaus“ in der Mannheimer Straße 3 gern die einzelnen handwerklichen Arbeitsschritte, bis aus einer nur wenigen Millimeter dicken und glatt polierten Kupfer- oder Zinkplatte eine künstlerische Vorlage zur Druckfertigung mehrerer Kopien wird.

Mit einem kleinen Metallstichel gräbt er das gewünschte Motiv spanabhebend und seitenverkehrt in die Vorlage, die mal ein Stilleben mit Blumen darstellt, mal ein Stadtpanorama wie Venedig. „Ich bin da oft genug in Urlaub gewesen und habe zahlreiche Zeichnungen, die ich dort angefertigt habe“, sagt Lex. Den fertig gestalteten Kupferstich überstreicht er dann mit einer Rolle, die die schwarze Farbe über die gesamte Oberfläche verteilt. Die Farbe ist zuvor auf einer Wärmeplatte etwas erhitzt worden, damit sie sich nun umso einfacher und vollständiger in die eingeritzten feinen Linien einfügt.

Anschließend wird der Kupferstich mit einem Tuch gereinigt, so dass die Farbe nur in den eingeritzten Rillen verbleibt. Das Motiv wird nun – technisch ausgedrückt im grafischen Tiefdruckverfahren - unter dem per Handkurbel erzeugten hohen Druck einer Walzenpresse auf eine gewünschte und extra angefeuchtete Papierunterlage gepresst.

„Kupfer ist weicher und leichter zu bearbeiten. Aber weil es sich unter Druck beim Pressen nach und nach verändert, können nicht so viele Kupferstichdrucke von einer Vorlage angefertigt werden wie bei einer härteren Zinkplatte“, beschreibt  Lex die Unterschiede, während er ein reizvolles Blütenmotiv druckt – die Hände und die Schürze dabei an vielen Stellen farbgeschwärzt. „Wir nehmen die gleiche Waschpaste für unsere Haut wie in den Kfz-Werkstätten.“

„Als Gruppe 8+1 haben wir es uns zum Ziel gesetzt, dieses alte Handwerk nicht nur weiter zu pflegen und zu erhalten, sondern auch die technischen und bildnerischen Möglichkeiten zu erkennen, zu verwenden und weiter zu entwickeln“, beschreibt Lex das Credo der acht Künstler in der Gruppe, zu denen neben Thomas Meyer, Christa Grafe und Christel Sommer, Reinhard Ludewig, Christel Dames und Heinz Eggert auch seine Frau Ines Lex gehört.

Angefangen hatte alles 1985 mit einem privaten Zusammenschluss von Gleichgesinnten in Hemmingen, der auf eine Initiative eines Kurses der Leine-VHS zurückgeht. Das damalige Thema: „Radierung, Kupferstich und Drucktechnik“. Mauro Zuccaro leitete den Kurs. Aus privaten Gründen ist er mittlerweile aus der Gruppe ausgeschieden. Aber er wurde indirekt verewigt im Namen der sich etwa 1992 selbstständig machenden Künstlervereinigung als die „plus 1“ bei den Acht.

Aus dem verbindenden Element der Drucktechnik und dem Wunsch nach dem Austausch über künstlerische Ergebnisse entstand so im Laufe der Jahre ein sozialer, beinahe familiärer Zusammenhalt. Dieser ist es, der auch nach dem 2012 erfolgten Umzug des Ateliers nach Laatzen die inzwischen zur Generation 50 plus zählenden Künstler vereint und antreibt.

„Die aufwändigen Drucktechniken rund um Radierung und Kupferstich, die bereits zu Gutenbergs und Dürers Zeiten für Buchillustrationen verwendet wurden und mit denen auch Goya und Rembrandt gearbeitet haben, ist in der heutigen Zeit leider fast ausgestorben“, bedauert Lex. Und freut sich, bei den in loser Folge stattfindenden Werkstatt-Treffen nicht nur gemeinsam künstlerisch arbeiten zu können, sondern auch kreativ Korrekturen oder Verbesserungen zu besprechen und künstlerische Themen anzusprechen.

„Ich hatte früher viel beruflichen Stress. Für mich ist das künstlerische Arbeiten hier seitdem eine willkommene Ablenkung“, begründet Reinhard Ludewig seine Beteiligung an der Gruppe. „So viele unterschiedliche Wellenschläge hier sind befruchtend“, findet auch Christa Grafe. Und manchmal - wie unlängst beim Tag der offenen Tür, verkauft sich auch ein Bild, ergänzt Christel Dames.

doc6r1myihrusprj824kxq

Fotostrecke Laatzen: Aus Lust am Druck fast familiär vereint

Zur Bildergalerie

Von Torsten Lippelt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
Laatzen-Seite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung
doc6slrfnjhzhi1fwmmzl5g
Erich-Kästner-Gymnasium kürt die besten Vorleser

Fotostrecke Laatzen: Erich-Kästner-Gymnasium kürt die besten Vorleser