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Lichy lehrt Blinde das Laufen in fremder Umgebung

Gleidingen Lichy lehrt Blinde das Laufen in fremder Umgebung

Sehbehinderten Selbstvertrauen geben und ihnen Techniken erläutern, wie sie sich in fremder Umgebung sicher zurechtfinden: Das ist das Ziel von Olaf Lichy. Der Gleidinger ist blind seitdem er 18 Jahre alt ist und bietet unter anderem Schulungen für Sehbehinderte an.

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"Kleiner Freund am Ohr": Der Lautsprecher des Kopfhörers sitzt nicht auf sondern vor den Ohren. So kann Olaf Lichy sowohl die Richtungsanweisungen der Fußgänger-App als auch die Umgebungsgeräusche hören.

Quelle: Astrid Köhler

Gleidingen.  „Ich habe von klein auf versucht selbstständig zu sein“, erzählt der heute 59-Jährige, der als Kind und Jugendlicher in Schüben erblindete. Noch als Zwölfjähriger habe er mit der Lupe lesen können. Nach einem Telefonistenkurs und einem längeren Praktikum bei Daimler Benz war mit 18 Jahren endgültig Schluss. Der Arzt habe ihm geraten, zügig das Laufen mit dem Langstock zu lernen.

Lichy tat es – wie auch noch vieles andere in seinem Leben. Er wurde Verwaltungsfachangestellter, Landesbediensteter, heiratete und stellte sich den Herausforderungen des Lebens. Auch als seine erste Frau starb. Jahre später lernte er seine jetzige Frau Sabine kennen, mit der er seit 2009 verheiratet ist. Beide sind auch politisch engagiert: Sie sitzt für die CDU im Ortsrat Gleidingen, er ist Ratsherr und stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender. Hauptberuflich arbeitet er im Bereich Controlling. Zu seinen Hobbys gehören Musik und Amateurfunk. Seine Sehbehinderung ist für Außenstehende meistens nachrangig und fällt mitunter auch gar nicht auf.

„Es macht mich stolz, wenn jemand nicht merkt, dass ich blind bin“, sagt der technisch sehr versierte Lichy. Das Streben nach Alltag einerseits und nach Neuem andererseits ist es auch, das Lichy bei seinem Engagement für den Verein Interessengemeinschaft Sehgeschädigter Computerbenutzer (ISCB) trägt. Viele Sehbehinderte bewegten sich nur in vertrauter Umgebung – aus Sorge vor Abhängigkeit oder Orientierungslosigkeit. Dabei gebe es zahlreiche Hilfsmittel, die den Weg in die Fremde erleichterten, sagt Lichy und zeigt auf sein Mobiltelefon. Der Gleidinger nutzt spezielle Programme für Sehbehinderte und schult inzwischen auch andere im Umgang mit Fußgänger-Apps wie Openstreetmap, Foursquare und Blindsquare. Diese liefern relevante Informationen für Sehbehinderte mit: Vom gesicherten Überweg über mehrspurige Straßen über aktuelle Baustelleninformationen bis zu Details zu den Geschäften am Weg oder Geländedaten.

Zweimal schon hat der Betriebswirt mehrtägige Schulungen für Sehbehinderte im Harz angeboten. „In fremder Umgebung ist die Motivation größer“, weiß der Gleidinger. Die Teilnehmer kamen aus dem gesamten Bundesgebiet und wurden nach einer intensiven Technikschulung zum Orientierungslauf ins Gelände geschickt. Nur für Notfälle wurden sie von jeweils einer Sehenden, darunter auch Lichys Frau Sabine, begleitet, die sich aber vollkommen zurückhielten. Am Ende hätten es alle „Schäfchen“ in weniger als der vorgegebenen Zeit geschafft, sagt Lichy stolz. „Es baut Mut auf, der Software zu vertrauen und allein loszugehen“ – ohne Taxi und künftig auch ohne sehende Begleiter.

Anmeldung für Navi-Seminare

Der Gleidinger will weitere Navi-Seminare anbieten, auch in Laatzen. Interessenten erreichen Olaf Lichy unter Telefon (0 51 02) 73 99 85.

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Fotostrecke Laatzen: Lichy lehrt Blinde das Laufen in fremder Umgebung

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Von Astrid Köhler

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