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Laatzenerin will an NS-Opfer erinnern

Laatzen Laatzenerin will an NS-Opfer erinnern

Mehr als 70.000 Menschen mit Behinderung sind in den Jahren 1940 und 1941 von den Nationalsozialisten ermordet worden. In einem weltweiten Projekt will die Amerikanerin Jeanne Hewell-Chambers an die Opfer erinnern. Die Laatzenerin Marion Richter unterstützt das Vorhaben - und ruft zur Mithilfe auf.

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Marion Richter beteiligt sich beim Projekt 70723 der Amerikanerin Jeanne Hewell-Chambers.

Quelle: Privat

Laatzen. Es ist nur eine Zahl, aber hinter dieser Zahl stehen 70.273 Opfer. 70.273 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen wurden im Rahmen des „Euthanasie"-Programms der Nationalsozialisten systematisch ermordet. Aktuell schickt sich die Amerikanerin Jeanne Hewell-Chambers an, den Opfern dieses grauenhaften Verbrechens mit dem Projekt 70.273 eine Art Denkmal zu setzen. Unterstützung erfährt sie dabei von Menschen aus aller Welt – auch aus Laatzen.

„Als ich von einer Freundin aus meiner Patchwork-Gruppe von diesem Projekt erfuhr, konnte ich gar nicht anders, als sofort mit dem Nähen anzufangen", sagt Marion Richter. "Eine solche Wut über dieses Verbrechen hat mich unmittelbar ergriffen." Gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern der hannoverschen Patchwork-Gruppe machte sich die Laatzenerin daran, Kontakt mit Hewell-Chambers aufzunehmen und nach den Vorgaben der Amerikanerin die ersten sogenannten Quilt-Blöcke zu nähen. Diese Blöcke, eine bestimmte Anzahl von ihnen wird später zu einem Quilt zusammengesetzt, sollten aus einem hellen Stoff genäht und jeweils mit zwei roten Kreuzen bestickt werden. Die Kreuze symbolisieren das Urteil mit dem jeweils drei „Ärzte" über Tod oder Leben der behinderten Menschen entschieden. „Zwei rote Kreuze", sagt Richter, „bedeuteten lebensunwert und damit das Todesurteil."

Eingetragen wurden die Kreuze auf unterschiedlich großen Karteikarten mit den Maßen 9 mal 16,5 Zentimeter, 16,5 mal 24,2 Zentimeter und 24,2 mal 31,8 Zentimeter. Exakt diese Maße liegen den Blöcken zugrunde, von denen Hewell-Chambers 70.273 Exemplare anfertigen möchte. Zusammengesetzt sollen die Blöcke rund 1240 Quilts ergeben – das Projekt 70 273.

Über die Motive für das Mammut-Projekt schreibt Hewell-Chambers in einem Artikel der Mitgliederzeitschrift der deutschen Patchwork Gilde. „Vielleicht liegt es daran, dass ich kurz nach meinem Studium eine Zeit lang Viertklässler mit besonderen Bedürfnissen unterrichtet habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich eine besondere Vorliebe für die Eigenschaften habe, die dafür sorgen, dass wir alle unterschiedliche Menschen sind, und vielleicht liegt es daran, dass ich keinen einzigen Menschen als gebrochenen Menschen ansehen mag." In jedem Fall aber sei das Projekt 70 273 dazu da, die Erinnerung an die Menschen wach zu halten, die damals sterben mussten.

Wer das Projekt mit seinen Nähkünsten unterstützen möchte, findet auf der Homepage der Patchwork Gilde (patchworkgilde.de/zeitschrift/aktuelles) ein Anmeldeformular. Zu seinem Gelingen beitragen können jedoch auch Menschen, denen das Nähen nicht so leicht von der Hand geht wie etwa Marion Richter. Die Laatzenerin, die – vermittelt über ihre Tätigkeit bei den Hannoverschen Werkstätten – täglich Kontakt mit behinderten Menschen hat, hat sich vorgenommen, mindestens eines der 1240 Quilts ganz allein herzustellen. Eine Herzensangelegenheit, denn auch Richter ist von dem zutiefst humanistischen Ansatz des Projektes überzeugt. „Wenn man sieht, wie diese Menschen lachen", sagt sie, „wie fröhlich sie sind, dann weiß man: Sie lieben ihr Leben."

Marion Richter ist über die E-Mail-Adresse naehartistin@googlemail.com zu erreichen. Freuen würde sie sich über Stoffspenden zum Beispiel in Form von hellen, alten Leinenhandtüchern, Tischdecken, Spitzentaschentüchern (sauber und gewaschen) und Ähnlichem.

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Mit selbst genähten Quilts soll beim Projekt 70723 der Opfer des NS-Euthanasieprogramms gedacht werden. Die beiden Kreuze erinnern an die Todesurteile, das die NS-Ärzte fällten: Zwei Kreuze bedeuteten "unwertes Leben".

Quelle: x

Von Ralf Schunk

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