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Politik streitet über Sozialwohnungsbau

Laatzen Politik streitet über Sozialwohnungsbau

Laatzen braucht mehr bezahlbaren Wohnraum - aber wie? Dass die Stadt etwas tun muss, ist im Rat weitgehend Konsens. Den Vorschlag von Rot-Grün, dafür eine eigene Gesellschaft zu gründen, lehnt die Opposition allerdings ab - aus Furcht, dass sich die Stadt verhebt. Nun soll erst mal geprüft werden

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Gebaut wird in Laatzen seit einiger Zeit intensiv - unter anderem an der Gutenbergstraße. Das untere Preissegment bleibt allerdings bislang außen vor.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen 2011 und 2015 sind die Mieten in Laatzen laut Mietspiegel um 8,5 Prozent angestiegen - in keiner Umlandkommune außer der Wedemark war der Anstieg stärker. Die Baugrundpreise sind inzwischen die höchsten in der Region.

Dass preiswerte Wohnungen begehrt sind, hat auch die kommunale Wohnbaugesellschaft KSG Hannover festgestellt. "Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren Anfragen unser Mietinteressenten ausgewertet", sagt Geschäftsführer Karl Heinz Range. Allein in Laatzen hätten sich 3000 Menschen für Wohnungen interessiert. Die überwiegende Zahl suche im Preissegment von bis zu 600 Euro Warmmiete. "Das sind alles Interessenten für eine klassische Wohnungsbauförderung."

Bei der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am Dienstagabend mahnten denn auch alle Parteien an, mehr Wohnungen zu schaffen. "Wir haben auch in Laatzen eine Gentrifizierung", sagte etwa Petra Herrmann (SPD) - das Wort bezeichnet die Verdrängung ärmerer Bewohnerschichten durch Menschen mit mehr Einkommen. "Es wird alles schöner und teurer, das sieht man an den neuen Wohnungen, die im Augenblick in Laatzen-Mitte entstehen".

Wer die neuen Wohnungen bauen soll, ist allerdings umstritten. Die SPD hatte vorgeschlagen, eine eigene Wohnungsbaugesellschaft zu gründen - dies lehnen CDU und FDP ab. "Für uns ist diese Variante die teuerste. Es besteht das Risiko, dass sich die Stadt verheben könnte", mahnte Paul Derabin (CDU) an. Es sei zudem fraglich, ob die Stadt die dafür nötigen Kredite angesichts ihrer Schulden überhaupt aufnehmen könne.

FDP-Fraktionschef Gerhard Klaus sieht den Sozialen Wohnungsbau als Aufgabe der Wohnungsbaugesellschaften wie der WBG Laatzen und der KSG, an der die Stadt schließlich selbst beteiligt ist. "Wir haben zwei erfahrene Gesellschaften", sagt Klaus. "Die Lösung des Problem ist bei denen in besseren Händen." Eine eigene GmbH müsste zudem erst mühsam aufgebaut werden - mit entsprechender Anlaufzeit.

Soll die Stadt selbst Sozialwohnungen bauen?

SPD und Grüne halten hingegen an dem Vorschlag fest, eine eigene Wohnungsbaugesellschaft zu gründen. SPD-Fraktionschef Ernesto Nebot verspricht sich davon mehr Steuerungsmöglichkeiten. "Wir wollen, dass die Stadt selbst bestimmt, was sie machen kann", ergänzte SPD-Ratsherr Michael Riedel. Bei der KSG, an der die Stadt nur einen kleinen Anteil von 2,8 Prozent hält, sei der Einfluss geringer.

"Die KSG hat außerdem angegeben, dass sie 100 Wohnungen im Jahr bauen kann" - entsprechend klein sei die zu erwartende Bautätigkeit pro Kommune, glaubt Riedel. Aus seiner Sicht habe die KSG "das Ziel, für das sie gegründet wurde, verfehlt". Dafür spreche auch der relativ geringe Anteil an Wohnungen mit Mietpreisbindung im KSG-Bestand, der bei lediglich 13 Prozent liege. SPD-Ratsfrau Petra Herrmann merkte sogar an, sie habe den Eindruck, die KSG wolle in Laatzen nicht so viel unternehmen, wie sie eigentlich könnte. KSG-Geschäftsführer Karl Heinz Range hatte hingegen wiederholt erklärt, dass mangelnde öffentliche Förderung und fehlende Flächen die Hauptgründe für die geringe Zahl neuer Wohnungen sei.

Nebot widersprach Argumenten, dass die Stadt der KSG mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft Konkurrenz mache. Da die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum so groß sei, sei es nicht schädlich, wenn man parallel aktiv werde. "Das ist keine Konkurrenz."

Gerhard Klaus (FDP) brachte das Münchener Modell als mögliche Lösung ins Spiel. In Bayerns Landeshauptstadt gebe es die Auflage, dass jede dritte neu gebaute Wohnung eine Sozialwohnung sein müsse. "Das könnten wir durch Regelungen im Bebauungsplan erreichen", sagte Klaus.

Am Ende beschlossen die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses, die Verwaltung solle drei Varianten prüfen: die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft, einen Sozialwohnungsbau in Eigenregie sowie die Förderung Dritter durch Zuschüsse. Die Verwaltung hatte zwar bereits Vor- und Nachteile der Varianten aufgeführt, sie sollen nun aber um Angaben von Kosten, eine Risikobewertung und zeitlichen Angaben ergänzt werden. Zugleich soll sich die Stadt bei den kommunalen Spitzenverbänden für eine höhere staatliche Wohnungsbauförderung einsetzen, mit Abgeordneten sprechen, Kontakt zu Investoren und Grundbesitzern aufnehmen - und das Gespräch mit der KSG zu suchen, um Wohnprojekte in Laatzen vorzubereiten.

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