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Nach Raub: Freispruch wegen fragwürdiger DNA-Spur

Laatzen Nach Raub: Freispruch wegen fragwürdiger DNA-Spur

Im Zweifel für den Angeklagten: Ein 2015 wegen schweren Raubes in Laatzen vom Landgericht Hannover zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilter Mann ist bei Neuauflage des Verfahrens freigesprochen worden – mangels Beweisen und weil die Herkunft einer DNA-Spur nicht eindeutig zu klären war.

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Symbolbild.

Quelle: Archiv

Laatzen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das erste Landgerichtsurteil vom März 2015 mit dem Hinweis auf aufgehoben, die Beweiswürdigung sei rechtsfehlerhaft. Unter anderem kritisierten die Bundesrichter, dass ein Alibi der Schwester des heute 35-jährigen Angeklagten als unglaubwürdig bewertet wurde, weil diese sich erst in der Hauptverhandlung und nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt äußerte. Die Bundesrichter verwiesen auf das Zeugnisverweigerungsrecht und betonten: Selbst wenn die Schwester die Aussage verweigert hätte, hätte diese Tatsache nicht zum Nachteil des Angeklagten gewertet werden dürfen.

Die 4. Große Strafkammer des Landgerichtes hatte den Angeklagten im März 2015 wegen des Raubes in Laatzen und einer weiteren Betrugstat in Schleswig-Holstein zu einer Gesamthaftstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Im Fokus des nun neu vor der 18.   Großen   Strafkammer geführten Verfahrens mit erneuter Beweisaufnahme stand eine DNA-Spur des Angeklagten auf einem Panzerband, das bei dem Raubüberfall dreier komplett maskierter Männer am Abend des 25. Februar 2014 zum Fesseln der damals 71-jährigen Hauseigentümerin verwendet wurde. Der Beschreibung nach waren die Täter kaum auseinanderzuhalten: etwa 1,80 Meter groß, schwarz bekleidet mit Masken und Handschuhen. Zwei der Männer schwiegen während des Überfalls auf das einsam im Industriegebiet liegende Wohnhaus, ein Dritter sprach reines Hochdeutsch.

Zwar stamme die DNA-Spur mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von dem 35-jährigen Angeklagten, jedoch war für die Strafkammer nach mehrfacher Befragung einer Sachverständigen nicht eindeutig zu klären, ob es sich dabei um eine sogenannte Primärspur handelt, der Angeklagte also tatsächlich am Tatort war, oder ob sein Genmaterial auf anderem Wege auf das sichergestellte Panzerband gelangte. Um den Angeklagten zu belasten, hätte auszuschließen sein müssen, dass die Spur verunreinigt war, teilte der Sprecher des Landgerichtes Stephan Loheit auf Nachfrage mit.

An vier Hauptverhandlungstagen hörte die Kammer neben der Sachverständigen noch 15 Zeugen, darunter mehrere Beamte der Kriminalpolizei sowie ein weiteres Mal die 74-jährige Geschädigte. Dieser waren seinerzeit Schmuck im Wert von 75 000 Euro sowie Ersparnisse in Höhe von etwa 21 000 Euro gestohlen worden. Aufgrund der belastenden Erinnerungen war die Alt-Laatzenerin wenig später – „nach 30 Jahren“ – weggezogen.

Da sowohl die DNA-Spur als auch das vermeintlich unglaubwürdige Alibi des Angeklagten für eine Verurteilung des Angeklagten nicht infrage kamen und es auch keine neuen Beweise gab, urteilte die Kammer in dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten. Wie jetzt bekannt wurde, ist der Mann bereits am 22. September freigesprochen worden. Seine achtmonatige Haftstrafe wegen versuchten Betruges in Schleswig-Holstein bei einer demenzkranken 91-Jährigen hingegen ist rechtskräftig.

Wegen des Freispruchs im Falle des Raubes in Laatzen hat die Staatsanwaltschaft Hannover vorsorglich Revision eingelegt. Die schriftliche Urteilsbegründung, die Voraussetzung für weitere Überlegungen der Staatsanwaltschaft ist, wird Mitte November erwartet.

Von Astrid Köhler

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