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Nur wenige Arbeitgeber stellen Behinderte ein

Rethen Nur wenige Arbeitgeber stellen Behinderte ein

Vergangenes Jahr hat der Bundestag das Teilhabegesetz beschlossen. Doch haben sich daraus auch konkrete Verbesserungen für behinderte Menschen ergeben? Nach Einschätzung der Hannoverschen Werkstätten in Rethen gibt es nach wie vor zu hohe Hürden - auch, weil Qualifizierungen nicht anerkannt würden.

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Vera Neugebauer (von links) und Daniel Göpfert von den Hannoverschen Werkstätten erklären Matthias Miersch die Arbeitsabläufe in der Schlachterei.

Quelle: Stephanie Zerm

Rethen. Laut dem neuen Gesetz sollen Menschen mit Behinderung besser auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Sie können es sich nun selber aussuchen, ob sie in einer betreuten Werkstatt arbeiten oder auf den ersten Arbeitsmarkt wechseln wollen. Arbeitgeber werden durch ein "Budget für Arbeit" unterstützt und erhalten Lohnkostenzuschüsse von bis zu 75 Prozent, wenn sie Menschen mit Behinderung einstellen.

Dass ihre Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt dennoch schwer umsetzbar ist, hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch am Dienstag bei einem Besuch der Hannoverschen Werkstätten in Rethen erfahren. Laut deren Geschäftsführerin Vera Neugebauer reiche der finanzielle Anreiz für Unternehmen nicht aus, um behinderte Menschen anzustellen. "Die wenigsten Arbeitgeber sind dazu bereit, Menschen mit Behinderung nach Tarif zu bezahlen", berichtet sie. Hauptgrund sei, dass die Unternehmen weder Zeit noch pädagogische Mitarbeiter hätten, um die Behinderten betreuen zu können. "Die Arbeitgeber haben Angst, das nicht bewältigen zu können", bestätigte Thorben Noß, pädagogischer Leiter bei den Hannoverschen Werkstätten.

Ein weiterer Schwachpunkt ist aus Sicht Neugebauers die Tatsache, dass behinderte Menschen in den Werkstätten keine auf dem Arbeitsmarkt anerkannte berufliche Qualifizierung erlangen können, da sie als "nicht ausbildungsfähig" gelten.

In den Hannoverschen Werkstätten in Rethen arbeiten insgesamt 150 Menschen mit Behinderung, in Hannover halten die Werkstätten insgesamt 1090 Arbeitsplätze vor. Bei seinem Besuch in Rethen besichtigte Matthias Miersch die Großküche, die Schlachterei und die Bäckerei, die die Werkstätten dort betreiben. "In der Großküche stellen 48 Mitarbeiter unter der Anleitung von zwei Köchen und vier Gruppenleitern täglich 1800 Essen her", berichtete Daniel Göpfert, den den Bereich Küchen bei den Werkstätten leitet. Die Essen werden an verschiedene Schulen, Kindergärten und Kantinen in der Region geliefert.

In der Schlachterei werden sieben bis acht Schweine und drei bis vier Rinderviertel in der Woche zerteilt und zu Wurst- und Fleischwaren verarbeitet, die Kunden in der Fleischerei kaufen können. Direkt daneben stellen die Mitarbeiter der Bäckerei Brote, Brötchen und Kuchen her, die die Werkstätten in dem angeschlossenen Geschäft verkaufen. die Angebote würden bei den Kunden gut angenommen, sagt Neugebauer. Zusätzlich betreiben die Werkstätten in Rethen noch eine Fahrradwerkstatt, einen Service für Autopflege, eine Wäscherei und ein Büro für leichte Übersetzungsarbeit, das unter anderem Piktogramme erstellt.

"Die Werkstätten bieten einen geschützten Raum für Menschen mit Behinderung", erklärte Miersch nach seinem Besuch. "Aber es muss auch Brücken zum regulären Arbeitsmarkt geben." Menschen mit Behinderung hätten es nicht immer leicht, daher müsse man für Chancengleichheit sorgen.

Neugebauer sucht zurzeit noch produzierende Laatzener Unternehmen, die zu einer Zusammenarbeit bereit wären. Nähere Informationen dazu erteilen die Werkstätten unter Telefon (0511) 93098-18.

Von Stephanie Zerm

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