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Bhabana verkauft jetzt auch Eis und Joghurt

Grasdorf/Nepal Bhabana verkauft jetzt auch Eis und Joghurt

Nach dem schweren Erdbeben in Nepal im April 2015, bei dem 9000 Menschen starben und 800.000 Häuser zerstört wurden, hat die Grasdorferin Dorit Battermann dort ein Hilfsprojekt ins Leben gerufen, für das auch viele Laatzener Geld gespendet haben. Heute zieht sie eine erfolgreiche Bilanz.

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Bhabana Bhatta (links) hat mit der finanziellen Unterstützung aus dem Projekt einen neuen Laden bestückt, in dem sie jetzt auch Eis und Joghurt verkauft - ihre Mutter (rechts) freut sich über den Erfolg.

Quelle: privat

Grasdorf/Nepal. Bhabana Bhatta sitzt vor ihrem kleinen Laden aus Wellblech und Bambus und guckt stolz in die Kamera. Das schwere Erdbeben vor zwei Jahren hatte ihr kleines Geschäft im Distrikt Bhaktapur etwa 20 Kilometer östlich von Kathmandu komplett zerstört. Dank des Hilfsprojekts konnte sie es an anderer Stelle wieder aufbauen. Und mehr noch: Nach einem Business-Management-Training, das ebenfalls Teil des Projekts war, hat sie ihr Angebot erweitert. Neben einfachen Speisen verkauft sie jetzt auch Eiscreme und Joghurt. "Sie hat gelernt, den Markt zu analysieren und festgestellt, dass Eis und Joghurt in ihrem Dorf sonst nirgends angeboten werden", berichtet Dorit Battermann, die bereits vor dem Erdbeben für den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Nepal gearbeitet hatte. Nach der schweren Naturkatastrophe beschloss die Grasdorferin, den Menschen in der Region um Kathmandu, wo das Erdbeben am schlimmsten war, beim Wiederaufbau zu helfen und rief gemeinsam mit der Women's Foundation Nepal das Projekt "Frauen als Motor für den Wiederaufbau in Nepal" ins Leben. Mit großen Erfolg. "Wir haben unser Ziel mehr als erreicht", freut sich Battermann.

Geld für Büffel, Ferkel und Saatgut

Mit ihrem kleinen Wellblechladen ernährt Bhabana Bhatta ihre fünfköpfige Familie. Ebenso wie die anderen Frauen, die eine finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau ihres Kleinbetriebes bekommen haben. "Insgesamt haben 37 Frauen eine finanzielle Förderung zwischen 10.000 und 80.000 Nepalesischen Rupies, das sind 90 bis 223 Euro, von uns erhalten", sagt Dorit Battermann. Von dem Geld haben sie hauptsächlich ihre landwirtschaftlichen Betriebe wieder aufgebaut, Büffel, Ferkel, Saatgut für Gemüse oder Geräte gekauft. Einige haben aber auch wie Bhabana Bhatta ihre Lebensmittelgeschäfte neu errichtet. Da jede Familie in dieser Region Nepals im Schnitt aus fünf Personen besteht, ernähren die Frauen mit ihren Betrieben rund 190 Menschen.

Insgesamt nahmen 121 Frauen aus den in der Nähe von Kathmandu gelegenen Distrikten Bhaktapur und Kavre an dem auf zwei Jahre angelegten Projekt teil. "Dabei konnten sie selbst über die Vergabe der finanziellen Förderung entscheiden", berichtet Dorit Battermann. Die Frauen, die kein Geld bekamen, konnten an Trainings zum Thema Landwirtschaft und Business Management teilnehmen.

Neuer Brunnen versorgt 60 Familien mit Trinkwasser

Außerdem wurde im Distrikt Bhaktapur ein Gemeindezentrum fertiggestellt, dessen Neubau bereits vor dem Erdbeben begann, aber nie fertig gestellt werden konnte. "Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Tempel und soll künftig vom gesamten Ort für Hochzeiten, religiöse Feiern, die traditionelle Trauerzeit und -zeremonie sowie als Versammlungsraum genutzt werden", sagt Battermann. Das Gebäude wird von 2000 Haushalten, das heißt von rund 10.000 Menschen genutzt und von einem Trust, dem 135 Familien angehören, verwaltet.

In Nala im Distrikt Kavre ist zusätzlich eine historische Wasserstelle wiederaufgebaut worden, die stark beschädigt war und seit dem Erdbeben weniger Wasser führte. "Da die Häuser in der Regel über keinen Wasseranschluss verfügen, holen die Familien ihr Trinkwasser täglich an diesen Brunnen", berichtet Battermann. Die neue Wasserstelle versorgt 60 Familien.

Vorträge in Deutschland gehören auch zum Projekt

Vor Ort wurde das Projekt von der Women's Foundation Nepal betreut. Durchführende Organisation war die Gesellschaft für Solidarität und Partnerschaft aus Göttingen. Dorit Battermann selbst war während der zwei Jahre, in der das Projekt lief, dreimal vor Ort. Die Begleitung des Hilfsprojekts hat sie ehrenamtlich übernommen. Lediglich die Flugkosten bekam die Grasdorferin erstattet.

Neben den Aktivitäten in Nepal gehörte auch ein Bildungsprogramm in Deutschland zum Projekt, das von der Organisation Bildung trifft Entwicklung mit rund 4500 Euro unterstützt wurde. Battermann das Hilfsprojekt bei 26 Vorträgen und Veranstaltungen in ganz Deutschland vorgestellt. Auch zwei Vertreterinnen der Women's Foundation in Nepal kamen zu Besuch nach Deutschland, um über die Situation der Frauen in Nepal zu berichten.

"Die wenigsten Privathäuser sind bislang wieder aufgebaut worden"

Insgesamt hat sich in Nepal nach den Zerstörungen durch das Erdbeben noch zu wenig getan, findet Battermann. Der Aufbau von städtischen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern gehe zwar gut voran. "Aber die wenigsten Privathäuser sind bislang wieder aufgebaut worden", sagt die Grasdorferin. "Die Familien bekommen vom Staat nur eine Förderung von 3000 Euro - und davon kann man kein erdbebensicheres Haus bauen." Hinzu kämen verschärfte Baugesetze, die viele Nepalesen nicht erfüllen können - sei es, weil sie nicht lesen können oder weil sie keinen schriftlichen Nachweis über den Besitz ihres Grund und Bodens besitzen. 

Insgesamt wurden über das Projekt rund 42.000 Euro in Nepal investiert. Davon stammten rund 29.000 Euro von der Bingo-Umwelt-Stiftung und 11 000 Euro aus privaten Spenden, die meisten davon aus Göttingen und Laatzen.

"Aus meiner Sicht ist das Projekt ein voller Erfolg", freut sich Dorit Battermann. "Das Geld ist sehr gut angelegt, da es etwas angeschoben hat, was jetzt von alleine weiter funktioniert." 

Schulpaten für Kinder gesuch t

Wer auch nach der Beendigung des Projekts die Menschen in Nepal weiter unterstützen will, kann eine Schulpatenschaft für ein Kind übernehmen. Diese kostet pro Monat 31 Euro und beinhaltet das Schulgeld, Unterrichtsmaterial und Schuluniform sowie Frühstück und Mittagessen für die Kinder. Weitere Infos erteilt Dorit Battermann unter Telefon (0511) 98 23 534.

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Von Stephanie Zerm

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