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Gehörlose lernen Geigespielen

Laatzen-Mitte Gehörlose lernen Geigespielen

In Laatzen gibt es einen neuen Verein - und zwar einen durchaus ungewöhnlichen namens "Aus der Stille in den Klang". Unter Leitung der Musikpädagogin Elena Kondraschova lernen Hörgeschädigte das Geigespielen. Erste Erfolge hatte die gebürtige Russin bereits mit ihrer gehörlosen Schwester erzielt.

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Elena Kondraschova unterrichtet Phillip (10) und Alexandra (6) in der Seniorenresidenz Margarethenhof. Die beiden Geigenschüler sollen später zusammen mit Gehörlosen musizieren.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen-Mitte. Es klingt unglaublich - und trotzdem ist Kondraschova von ihrer Idee überzeugt. Die Violinistin will erreichen, dass hörgeschädigte und gehörlose Kinder das Geigespielen erlernen. "Die Kinder spüren die Vibrationen, die vom Instrument ausgehen, und können die Musik dadurch erfühlen", beschreibt Kondraschova das Konzept. Dass das funktioniert, hat sie gemeinsam mit ihrer Schwester festgestellt: "Als meine Schwester drei Jahre alt war haben die Ärzte festgestellt, dass sie nicht hören kann," berichtet die Musikerin. "Als sie noch ein kleines Kind war, habe ich ihr dann Geige beigebracht."

Im vergangenen Jahr hat Kondraschova das Konzept auch bei Seminaren mit Hörgeschädigten an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ausprobiert. "Viele konnten die Vibrationen des Instrument ganz deutlich wahrnehmen", berichtet die Musikpädagogin.

Kondraschovas Idee geht aber noch weiter. Zur Zeit unterrichtet sie hörende Kinder, die sich am Projekt beteiligen wollen. Sie sollen gemeinsam mit den gehörlosen musizieren und als Mentoren fungieren. "Mein Ziel ist es, dass die Hörgeschädigten und Hörenden später ein gemeinsames Konzert geben", berichtet die Dozentin. 

Der neue Verein "Aus der Stille in den Klang", will Kondraschovas Arbeit fördern. Adrian Grandt, Leiter der Seniorenresidenz Margarethenhof, hat den Vorsitz übernommen, auch Kondraschovas gehörlose Schwester Ludmilla Schmidt sitzt im Vorstand. "Als ich von der Idee gehört habe, fand ich sie zunächst verrückt", gesteht Grandt. Nachdem er sich näher mit der Thematik beschäftigt hatte, habe ihn das Konzept immer mehr überzeugt. Also entschloss er sich, den Vorsitz des Vereins zu übernehmen, der im Mai gegründet wurde. Zudem stellt die Residenz Räume für den unterricht zur Verfügung.

Mit dem offiziellen Zusammenschluss will der Verein Sponsoren gewinnen, über die der Unterricht finanziert wird. Ein Musikhaus habe bereits ein Klavier zur Verfügung gestellt, mit dem Zudem soll das Projekt wissenschaftlich begleitet werden. Kondraschova und der Verein seien mit Ärzten der MHH im Gespräch, die sich mit Cochlea-Implantaten beschäftigen - das sind medizinische Geräte, die Audiosignale an das Gehirn übertragen. Auch Soziologen und Psychologen sollen mit ins Boot geholt werden. Der Fotograf und Filmer Jens Anders begleitet das Projekt zudem mit der Filmkamera, um das Projekt zu dokumentieren. Das Material soll später dazu dienen, Verbände das Konzept vorzustellen. "Außerdem hoffen wir, dass andere die Idee aufgreifen", sagt Grandt.

Wer das Projekt fördern oder Mitglied im Verein werden will (der Jahresbeitrag beträgt 30 Euro), kann sich an den Vorsitzenden Adrian Grandt werden. Erreichbar ist der in der Seniorenresidenz Margarethenhof unter Telefon (0511) 98280.

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Jens Anders will das Projekt über zwei Jahre mit der Kamera begleiten.

Quelle: Daniel Junker

Von Daniel Junker

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