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Das Alphabet klappt schon ganz gut

Oesselse Das Alphabet klappt schon ganz gut

Die Flüchtlinge in Oesselse sind wissbegierig: Die 15 jungen Frauen und Männer sowie fünf Kinder arbeiten im Deutschunterricht des pensionierten Lehrers Manfred Looß hochkonzentriert und fleißig mit.

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Die Schüler aus drei Ländern beteiligen sich eifrig am Deutschunterricht von Manfrd Looß.

Quelle: Böger

Laatzen. Es wird eng in dem kleinen Kellerraum des Wohnheims, als sich dort gestern Morgen 15 junge Frauen und Männer sowie fünf Kinder zum Deutschunterricht auf Bänke und Stühle zwängen. Trotzdem hängen die meisten hochkonzentriert an den Lippen von Manfred Looß.

Der pensionierte Englischlehrer sorgt zunächst mal für Lockerheit bei seinen Schülern, indem er sie im Chor das Alphabet aufsagen lässt. Das klappt schon prima, und auch, wenn sie einzeln die Buchstabenfolge hersagen sollen, bekommen die meisten das weitgehend fehlerfrei hin. Aber Looß korrigiert auch kleinere Fehler wie ein englisch eingefärbtes L oder ein zu verwaschenes W.

Weiter geht es mit den Wochentagen, die vorwärts und rückwärts aufgesagt werden müssen. Da hapert es noch ein bisschen. Nicht jeder Schüler kann auf Anhieb sagen, welcher Tag vorgestern war, wenn heute Donnerstag ist. Bei den Monaten funktioniert das besser, ebenso das Zählen. Das Rechnen fällt schon schwerer.

Zwar ist es Grundschulstoff, der den jungen Erwachsenen hier vermittelt wird, aber eben in einer Sprache, von der sie vor wenigen Wochen noch kein Wort kannten. „Doch sie lernen fleißig“, bescheinigt ihnen Looß. Das zeigt sich auch im Unterricht: Zwar versucht der Lehrer, ihnen eine in deutschen Schulen übliche Disziplin beizubringen („Warte, bis du drankommst“), und viele melden sich auch brav. Aber immer wieder beantworten seine Schüler die Fragen sofort - der Lerneifer ist einfach zu groß.

Etwas zurückhaltender bleiben die Afghanen, Irakis und Montenegriner, als sie umgangssprachliche Uhrzeitangaben in das umsetzen sollen, was Looß „Fahrplanzeit“ nennt. Dass „halb vier“ 15.30 Uhr (oder auch 3.30 Uhr) bedeutet oder „Viertel nach zehn“ 10.15 Uhr oder 22.15 Uhr, erschließt sich den meisten Schülern nur mühsam.

Zum Ende der Stunde dürfen sie aber noch mal zeigen, was sie können: Fast jeder möchte drankommen, um das Alphabet aufzusagen.

Von Thomas Böger

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