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Musiker spielen, wo sonst Tote gewaschen werden

Grasdorf Musiker spielen, wo sonst Tote gewaschen werden

Es war ein sehr ungewöhnlicher Ort, an den die Kirchenregion Laatzen am Mittwoch zur Andacht einladen hatte. Im Bestattungsinstitut Babst versammelten sich mehr als 20 Menschen. Dabei predigte Pastor Jürgen Hannes zwischen Särgen und dort, wo sonst die Toten für die Beerdigung hergerichtet werden.

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In diesem Raum werden die Toten sonst vom Bestatter für die Beerdigung vorbereitet.

Quelle: Stephanie Zerm

Grasdorf. In der Mitte des Raumes steht ein Tisch aus Metall. Er ist mit einer orangefarbenen Decke zugedeckt. In einem Regal daneben stapelt sich Unterwäsche. Neben dem Waschbecken an der Wand stehen Desinfektionsmittel. "In diesem Raum ist der Bestatter normalerweise mit dem Toten allein und richtet ihn für die Beerdigung her", erklärt Pastor Jürgen Hannes. Normalerweise ist dieser Raum auch für den Publikumsverkehr tabu. Doch am Mittwoch hat Torsten Jöcks vom Bestattungsinstitut Babst an der Hildesheimer Straße in Grasdorf für die Kirchenregion Laatzen eine Ausnahme gemacht.

Diese hatte im Rahmen ihrer Reihe "Passionsandachten an besonderen Orten" in das Bestattungsinstitut eingeladen. Zuvor hatte die Kirchenregion bereits Andachten in der Flüchtlingsunterkunft in Gleidingen, im Klinikum Agnes Karll und in der Albert-Einstein-Schule ausgerichtet. Die Andacht im Bestattungsinstitut war die letzte in der diesjährigen Reihe. In den jeweils halbstündigen Andachten unter dem Motto "Hoffnungsschimmer" sollte der Leidenszeit Jesu gedacht sowie Trost und Hoffnung aufgezeigt werden.

Die Andacht begann im kleinen Saal des Bestattungsinsituts. Danach wurde sie im Ausstellungsraum zwischen Särgen fortgesetzt. "Hier geht es darum, etwas vom Leben mit in den Tod zu nehmen", erklärte Pastor Hannes. "Etwa bei der Frage, ob der Sarg eher schlicht oder aufwendig sein oder die Farben von Hannover 96 tragen soll."

Ingo Schmidt und Markus Neumann von der hannoverschen Band Etage 2 gestalteten die Andacht musikalisch und präsentierten selbstgeschriebene deutschsprachige Lieder, die sie mit der Gitarre und dem Kontrabass begleiteten. "Alles, was vergehen kann, vergeht in dieser Welt", hieß es in einem der Songs. Ein anderer handelte davon, wie man nach einem Unglück vorsichtig versucht, wieder vertrauten Boden unter den Füßen zu gewinnen.

In dem Raum, in dem sonst die Toten hergerichtet werden, spielten Ingo Schmidt und Markus Neumann das Lied "Deine Stimme" - und Pastor Hannes erklärte passend dazu: "In diesem Raum schweigen normalerweise die Stimmen." 

Zum Abschluss der Andacht, der wieder im kleinen Saal stattfand, vermittelten die Musiker und Pastor Hannes den Besucher wieder Hoffnung. "Alles wird gut, auch wenn ein Loch im Himmel ist", sang Ingo Schmidt und Pastor Hannes sagte abschließend: "Das Rätsel, das uns der Tod aufgibt, ist bei Gott gut aufgehoben."

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Pastor Jürgen Hannes spricht inmitten eines Sortiments aus Särgen.

Quelle: Stephanie Zerm

Von Stephanie Zerm

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